Mieses Management und Öl-Fettnäppfchen:
Der Kopf des BP-Chefs soll im Sommer rollen

Katastrophen-Koordinator als Haywards Nachfolger? Flugzeugterror über Lockerbie wieder aufgewärmt

Mieses Management und Öl-Fettnäppfchen:
Der Kopf des BP-Chefs soll im Sommer rollen © Bild: Reuters

Die Anzeichen für einen Rücktritt des wegen der Ölpest heftig unter Beschuss geratenen BP-Chefs Tony Hayward mehren sich. Laut Zeitungsberichten soll Hayward sein Ausscheiden wahrscheinlich Ende August oder im September ankündigen. Ein neuer Mann an der Spitze müsse das geschwächte Unternehmen vor einer feindlichen Übernahme - etwa durch die Rivalen Exxon oder Shell - bewahren. Weiteres Ungemach droht BP in der Causa Lockerbie: Weil dem Konzern vorgeworfen wird, aus Geschäftsinteressen in Libyen die britische Regierung zur Freilassung des Flugzeug-Attentäters gedrängt zu haben, muss Hayward nun einem amerikanischen Aussschuss Rede und Antwort stehen.

Über einen Rücktritt Haywards wird schon seit geraumer Zeit spekuliert, da der Manager bei der Bewältigung der Krise kaum ein Fettnäpfchen ausgelassen hat. Börsianer machen sein Missgeschick mitverantwortlich für die unnachgiebige Haltung der US-Regierung, die Schadenersatz in Milliardenhöhe fordert und selbst wegen des Desasters unter Druck steht. Als Favorit für die Nachfolge gilt Robert Dudley, der die BP-Sicherungsarbeiten im Golf von Mexiko von Hayward nach dessen Fehltritten übernommen hat.

Nachwehen von Lockerbie
Dem Konzern droht indes auch an einer anderen Front Ungemach: Der BP-Chef soll vor einem Ausschuss des US-Senats zur Rolle des Ölkonzerns bei der vorzeitigen Freilassung des Lockerbie-Attentäters befragt werden. Der Terrorist Abdel Basset al-Megrahi war im August 2009 acht Jahre nach seiner Verurteilung zu lebenslanger Haft vorzeitig aus dem Gefängnis in Schottland entlassen worden.

BP hatte jüngst eingeräumt, damals bei der britischen Regierung vorstellig geworden zu sein. Man sei besorgt gewesen, dass Verzögerungen bei der Freilassung ein Bohrvorhaben vor der libyschen Küste beeinträchtigen könnten. In der Sache selbst habe BP aber nicht Einfluss genommen, erklärte der Konzern.

Bei dem Anschlag auf ein Pan-Am-Flugzeug, das 1988 über der schottischen Ortschaft Lockerbie abstürzte, waren 270 Menschen getötet worden. Die meisten Opfer waren US-Amerikaner.
(apa/red)