Austro-Star von

Michael Starkl: "Ich
finde den Bösewicht super"

Der "Knastarzt"-Wärter spricht über die Serie, der er den Durchbruch verdankt

Michael Starkl © Bild: FABIAN STUERTZ

Michael Starkl stammt aus einer niederösterreichischen Gärtner-Dynastie. Seiner Heimat hat er aber bereits vor Jahren den Rücken gekehrt, um Schauspieler zu werden. Nun ist dem 32-Jährigen in Deutschland dank der RTL-Serie "Der Knastarzt" der Durchbruch gelungen. Mit NEWS.AT spricht der Vater eines dreijährigen Sohnes über seinen Erfolg, sein Bundesheer-Trauma und die Möglichkeit, doch noch Gärtner zu werden.

Der Arzt Tobias Falk verabreicht einer schwerkranken Patientin auf ihren Wunsch hin einen tödlichen Medikamentencocktail, um ihrem Leiden ein Ende zu setzen. Dass der Doktor - ohne sein Wissen - von der Dame als Alleinerbe eingesetzt wurde, ruft ihre leer ausgegangenen Verwandten auf den Plan, die den Arzt vor Gericht zerren. Der Mediziner wird wegen "Mordes aus niederen Beweggründen" zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Dort übernimmt er zum Unmut des gestrengen JVA-Wärters Bernd Hollerbach (gespielt von Michael Starkl) sogleich die Krankenstation. So weit der Inhalt der RTL-Serie "Der Knastarzt".

Michael Starkl in "Der Knastarzt"
© RTL/Martin Rottenkolber Michael Starkl als JVA-Wärter Bernd Hollerbach

NEWS:AT: Wie bist du zur RTL-Serie "Der Knastarzt" gekommen?
Michael Starkl: Ich bin vor elf Jahren ausgewandert, um Schauspieler zu werden und habe in Berlin an der Universität der Künste studiert. Einige Jahre lang habe ich am Theater gearbeitet, aber als mein Sohn zur Welt kam, habe ich gemerkt, dass das nicht mehr so funktioniert und habe angefangen zu drehen. Anfangs war es schwierig, denn man braucht Material, vor allem um als Österreicher in Deutschland ernst genommen werden. Um Demo-Material zu kriegen, mit dem ich mich weiter bewerben konnte, habe ich relativ viele Kurzfilme gemacht. Das war eine mühsame Geschichte, denn ein Schauspieler braucht Demo-Material um besetzt zu werden, gleichzeitig muss er aber besetzt werden, um Demo-Material zu bekommen. Aus diesem Grund muss man auch viele unbezahlte Jobs annehmen. Mein Demoband wurde mit der Zeit immer interessanter - beim "Knastarzt" wurde ich schließlich nur aufgrund meiner Aufnahmen besetzt, ohne ein Casting zu absolvieren. Das ist eigentlich ziemlich geil (lacht).

»Das Böse und Sadistische an der Rolle macht mir total Spaß.«

NEWS.AT: Du spielst in der Serie den Gefängniswärter Bernd Hollerbach. Was hat dich an der Rolle gereizt?
Starkl: Ich bin der Bösewicht der Serie, der Antagonist, das finde ich wunderbar. Ich bin so froh, dass ich diese Rolle spielen kann. Der Arzt ist ein Gutmensch, hilft immer allen - das ist auf Dauer fad. Meine Figur hingegen ist eine Herausforderung. Ich bin der Wärter, der dafür verantwortlich ist, dass alles in guten Bahnen läuft. In normalen Gefängnissen ist es üblich, dass ein Häftling erst nach einem Jahr arbeiten darf, der Arzt darf aber schon nach einem Tag die Krankenstation leiten, was für Unruhe sorgt und gar nicht in mein Bild passt. Das Böse und Sadistische an der Rolle, um den Arzt vorzuführen, macht mir total Spaß (lacht). Vor allem da Bernhard Piesk (der Darsteller des "Knastarztes" Tobias Falk, Anm.) und ich privat sehr gute Freunde sind, ist es interessant, sich vor der Kamera gegenseitig fertigzumachen.

Michael Starkl alias Bernd Hollerbach
© RTL/Martin Rottenkolber Bernd Hollerbach liegt oft mit dem "Knastarzt" im Clinch.

NEWS.AT: Wie hast du dich auf die Rolle vorbereitet?
Starkl: Ich habe mir viele Dokumentationen angeschaut. Ins Gefängnis zu kommen war aber schwierig. Ich hatte den Kontakt von einem Justizvollzugsbeamten, mit dem ich bereits einen Termin für ein Treffen hatte, doch er ist im letzten Moment abgesprungen, als bekannt wurde, dass ich für eine Serie recherchieren wollte. Laut deutschem Gesetz dürfen die Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt nicht darüber berichten. Ich habe dann schließlich mit einem ehemaligen Wärter gesprochen.

NEWS.AT: Du hast in Deutschland schon viel gedreht, warst etwa in "Der letzte Bulle" zu sehen, aber die Serie "Der Knastarzt" bedeutet nun deinen Durchbruch. Was ist das für ein Gefühl?
Starkl: Ich bin dem "Knastarzt" sehr dankbar, dass ich als "No-Name" eine Chance bekommen habe, einmal ein Name zu werden. Es kommt im deutschsprachigen Raum immer seltener vor, dass Leute, die zwar Talent haben, aber eben keine Yvonne Catterfeld oder kein Moritz Bleibtreu oder Matthias Schweighöfer sind, eine Chance bekommen, sich zu beweisen und positionieren. Das ist ein Punkt, der mich wahnsinnig ärgert.

»Ich bin dem "Knastarzt" sehr dankbar, dass ich als "No-Name" eine Chance bekommen habe, einmal ein Name zu werden.«

NEWS.AT: War für dich von Beginn an klar, dass du Schauspieler werden und in Deutschland leben möchtest?
Starkl: Als ich mit 16 Jahren ans Reinhardt Seminar wollte, haben meine Eltern gemeint, ich sei dafür noch zu jung und solle zunächst einen "richtigen" Beruf erlernen. Damals war ich sehr wütend und habe es nicht verstanden, aber im Endeffekt bin ich sehr froh darüber. Ich habe also zunächst eine Tourismusschule in Krems und danach in Wien besucht. Nach der Matura bin ich aber gleich nach Deutschland gegangen. Da ich zunächst so lange von der Schauspielerei abgehalten wurde, dachte ich, es müsse eine radikale Veränderung her, um noch die Kurve zu kriegen.

NEWS.AT: Du stammst aus der Starkl-Dynastie. War es jemals ein Thema, in die Gärtnerei einzusteigen?
Starkl: Nein. Dadurch dass wir ein Familienbetrieb sind und waren, war es für uns schon als Kinder selbstverständlich, mitzuarbeiten. Wir hatten nie Urlaub, unsere Familie hat nur für das Gartencenter gelebt. Schon als Sechsjähriger habe ich, als ich wieder in den Sommerferien mitarbeiten musste, meiner Mutter gesagt, dass ich sicher niemals Gärtner werden möchte. Es war von vornherein klar, dass mein älterer Bruder die Firma übernimmt und ich dort nichts verloren habe, denn ich bin kein guter Gärtner.

NEWS.AT: Wie sehen deine Pläne für die kommenden Monate aus?
Starkl: Ich bin mit einer Deutschen aus Osnabrück verheiratet, wir haben einen gemeinsamen Sohn, einen Deutsch-Österreicher (lacht). Sie ist Musicaldarstellerin und Schauspielerin und spielt gerade in Schwäbisch-Hall in der Nähe von Stuttgart im Sommertheater "Kiss Me Kate". Wir sind gerade dort angekommen und jetzt ist sie mal dran und ich kümmere mich hauptsächlich um meinen Sohn.
Ich habe auch noch ein zweites Standbein. Nachdem ich wie bereits erwähnt eine Tourismusschule absolviert habe, leite ich ein Steak-Restaurant in Berlin. Ich bin der Geschäftsführer und die Besitzer geben mir die Freiheit, beide Berufe (Schauspieler und Restaurantleiter, Anm.) zu machen. Dort habe ich mir aktuell aber vier Monate Urlaub genommen. Mir macht die Gastronomie viel Spaß und ich kann dadurch auch viel entspannter an den Schauspiel-Beruf herangehen, da Casting-Absagen nicht so schwer fallen, als wenn man finanziell allein darauf angewiesen wäre.

»Ich würde sehr gerne einmal in Österreich drehen. Das ist ein Traum von mir.«

NEWS:AT: In deutschen Medien war zu lesen, dass du auf der Flucht vor der Militärpolizei warst. Was genau ist da passiert?
Starkl: Nach der Matura habe ich einen Einberufungsbefehl bekommen. Da ich aber Schauspieler werden wollte, dachte ich mir, wenn ich jetzt auch noch zum Bundesheer oder Zivildienst gehen muss, dann war’s das. Also habe ich den Zettel zerrissen, meine Wohnung, die ich damals hatte, angemeldet gelassen und bin nach Berlin abgehauen. Dort habe ich mir extra eine Wohnung mit einer Hintertür genommen, damit ich rasch flüchten könnte, da ich immer im Hinterkopf hatte: "Irgendwann holen die mich." Im Endeffekt war es dann auch so. Zwar kam nicht die Militärpolizei, aber sie haben über meine Mutter herausgefunden, wo ich bin. Nach sechs Jahren bekam ich eine Vorladung zum Gericht. Damals war ich kurz vor dem Diplom an der Universität der Künste in Berlin und habe dem Richter meine Situation erklärt. Zum Glück hat er mich verstanden und wir haben uns auf einen Vergleich geeinigt, dass ich nach meinem Diplom zum Bundesheer gehen muss. Ich habe mich also sofort nach Beendigung meines Studiums gemeldet und war ein halbes Jahr bei der Garde.

NEWS.AT: Könntest du dir vorstellen, auch einmal in Österreich zu drehen?
Starkl: Ich würde sehr gerne einmal in Österreich drehen. Ich habe hier noch nie als Schauspieler gearbeitet. Es wäre aber ein kleiner Traum von mir. Konkrete Angebote gab es aber noch nicht. Aber falls es etwa eine Neuauflage von "Kommissar Rex" geben würde, würde ich sehr gerne mitspielen. Es würde mich auch reizen, wieder einmal im Dialekt sprechen zu können.

Michael Starkl
© FABIAN STUERTZ

Zur Person:
Michael Starkl wurde 1982 in Tulln geboren und stammt aus der berühmten Gärtner-Familie. Nach der Matura ging er nach Deutschland und studierte in Berlin Schauspiel. Nach zahleichen kleineren Rollen in Theater, Film und Fernsehen gelang ihm mit der Rolle des JVA-Wärters Bernd Hollerbach in der RTL-Serie "Der Knastarzt" endlich der Durchbruch. Starkl ist mit einer Musicaldarstellerin verheiratet, das Paar hat einen dreijährigen Sohn.

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