Menschen von

Michael Mittermeier,
der etwas andere Comedian

Seit zwei Jahrzehnten prägt der nunmehr 50-Jährige die deutsche Comedy-Szene

Michael Mittermeier © Bild: APA/dpa/Christian Charisius

Dass Michael Mittermeier anders ist als viele seiner deutschen Comedy-Kollegen, das zeigte er vor allem im Jahr 2010. Damals widmete er sich einer Herzensangelegenheit und reiste zusammen mit dem englischen Filmemacher Rex Bloomstein nach Burma - für eine Dokumentation über den inhaftierten burmesischen Comedian Zarganar. Daraus entstand der Film "This Prison Where I Live".

Im Jahr darauf wurde Zarganar unerwartet aus dem Gefängnis entlassen. 2012 traf Mittermeier ihn zum ersten Mal, seither haben die beiden mehrfach zusammen auf der Bühne gestanden. "Wenn Du keine Haltung hast, dann mach eine Nummer über Hunde, über Lehrer oder Frauen beim Einparken - aber bitte nicht über etwas, wo man Haltung bräuchte", sagt Mittermeier im Interview der dpa in München kurz vor seinem 50. Geburtstag an diesem Sonntag (3. April).

»Ich erwarte, dass jemand eine Haltung zu Gänseblümchen hat, wenn er über Gänseblümchen spricht - und nicht irgendeinen ausgedachten Quatsch präsentiert.«

Er ist ein politischer Comedian, wie er auch in seiner Laudatio für die Journalistin Dunja Hayali bei der Goldenen Kamera unter Beweis stellte. "Ich erwarte, dass jemand eine Haltung zu Gänseblümchen hat, wenn er über Gänseblümchen spricht - und nicht irgendeinen ausgedachten Quatsch präsentiert."

Durchbruch mit Soloprogramm "Zapped"

22 Jahre ist es her, dass der studierte Anglist und Politologe seine Magisterarbeit zum Thema "Amerikanische Stand Up Comedy" vorgelegt hat, und fast genauso lange prägt Mittermeier die Szene derer, die in Deutschland Comedians genannt werden. Seinen Durchbruch schaffte er 1996 mit dem Soloprogramm "Zapped - Ein TV-Junkie knallt durch". Es folgten viele weitere, der Komik des Vaterseins ging er mit seinem Buch "Achtung Baby" auf den Grund, das es auf Platz eins der Bestsellerliste schaffte. Auch in Amerika und Großbritannien stand er auf der Bühne - ungewöhnlich für einen deutschen Komiker.

Michael Mittermeier
© imago/Olaf Jentzsch Michael Mittermeier bei einem Auftritt im Jahr 1999
»Ich bin keiner, der sich hinsetzt und überlegt, was gerade in die Zeit passt oder so. Das habe ich nie gemacht. Es kommt raus, was raus will.«

Bei "Zapped" trug er die Cap noch falsch herum auf dem Kopf - das macht er heute nicht mehr. An seiner Arbeitsweise habe sich aber nicht viel geändert, sagt er: "Ich bin keiner, der sich hinsetzt und überlegt, was gerade in die Zeit passt oder so. Das habe ich nie gemacht. Es kommt raus, was raus will. Ich erzähle Geschichten aus meinem Leben, aus der Welt. Und die sind manchmal so absurd, dass man sie kaum glauben kann."

Mittermeier bringt österreichspezifischen Inhalt

Dabei überlegt er sich auch immer Neues für seine jeweiligen Gastspielorte, baut etwa österreichspezifischen Inhalt ein. Und spickt auch ältere Programme bei Auftritten mit aktuellen Bezügen. "Mein Anspruch ist, dass selbst Leute, die wieder rein gehen, sagen: Geil, leiwand", so der Komiker im Vorjahr im Gespräch mit der APA. "Außerdem tut sich sehr viel, die Welt ist im Fluss. Panta rhei, wie der Grieche sagt, alles fließt. Nur in welche Kassen, wissen wir noch nicht."

Michael Mittermeier
© imago/STAR-MEDIA Michael Mittermeier bei einem Auftritt im Jahr 2016

Im Herbst mit Programm "Wild" in Österreich

In seinem aktuellen, siebenten Programm "Wild", mit dem er im Herbst auch in Österreich gastiert, erzählt er von absurden Begegnungen auf Spielplätzen, verrät, was sich bei Barack Obamas G7-Abstecher in den kleinen oberbayerischen Ort Krün tatsächlich zugetragen haben soll - und findet deutliche Worte gegen den Terror, der für ihn auf der Bühne kein Tabu ist. "Es geht ja nicht darum, Witze über die Opfer zu machen, sondern man lacht sich den Schrecken weg", sagt er im dpa-Interview. "Wir müssen unsere Kultur dem entgegenstellen."

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