Michael Ballack

Nie wieder Deutschland

Teamchef Löw plant nun offiziell nicht mehr mit dem langjährigen Mannschaftskapitän

Michael Ballack - Nie wieder Deutschland © Bild: Reuters

Nach 98 Länderspielen und 42 Toren steht die Karriere von Michael Ballack in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vor dem Ende. Der DFB gab in einer Aussendung bekannt, dass Bundestrainer Joachim Löw künftig nicht mehr auf den mittlerweile 34-Jährigen zurückgreifen wird. "Michael Ballack wird künftig nicht mehr dem Kader der deutschen Nationalmannschaft angehören. Dies ist das Ergebnis aus den Gesprächen zwischen Bundestrainer Joachim Löw und dem langjährigen Kapitän des DFB-Teams", hieß es in der Aussendung.

Löw sagte dazu: "Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass viele junge Spieler in den Blickpunkt gerückt sind und gute Perspektiven besitzen. Mit ihnen ist die Entwicklung der Nationalmannschaft seit der WM 2010 in Südafrika absolut positiv verlaufen. Nachdem ich diese Thematik mit Michael Ballack zuletzt bei unserem Treffen Ende März 2011 in aller Offenheit erörtert habe und wir danach mehrfach telefoniert haben, ist nun vor dem Start in die EM-Saison der Zeitpunkt gekommen, hier klar Position zu beziehen. In unseren Gesprächen hatte ich den Eindruck, dass Michael durchaus Verständnis für unsere Sichtweise hat. Im Interesse aller ist daher jetzt eine ehrliche und klare Entscheidung angebracht."

Gleichzeitig machte der Bundestrainer deutlich: "Michael Ballack war ein Jahrzehnt ein sehr wichtiger Führungsspieler der Nationalmannschaft und hat enormen Anteil an den großen Erfolgen des Teams seit der WM 2002. Er hat eine Ära geprägt und sich als Kapitän stets in den Dienst der Mannschaft gestellt, was ich bei der WM 2006 oder der EURO 2008 aus nächster Nähe erleben konnte. Seine spielerische und kämpferische Klasse sprechen ebenso für ihn wie seine Torgefährlichkeit und seine Nervenstärke gerade in wichtigen Spielen."

Ehrenvoller Abschied für Ballack geplant
Darüber hinaus versicherte Löw: "Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass Michael Ballack als Nationalspieler in attraktivem Rahmen verabschiedet werden soll und wir ihm ein ehrliches Dankeschön für seine großen Verdienste um den deutschen Fußball sagen wollen."

DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach betonte: "Der DFB, insbesondere auch unser Präsident Dr. Theo Zwanziger, ist über den Stand der Dinge immer informiert gewesen. Wir alle möchten, dass Michael Ballack in seinem 99. Länderspiel einen würdigen Abschied von der Nationalmannschaft am 10. August im Klassiker gegen Brasilien feiern und dort ein letztes Mal unser Team als Kapitän aufs Feld führen kann. Diese Überlegungen sind ihm seit längerem bekannt. Wir hoffen, dass er dieses Angebot annimmt."

Ballack bleibt noch stumm
Von Ballack gab es bisher noch keine Stellungnahme. Der Mittelfeldspieler, der Österreich bei der Heim-EURO 2008 mit seinem Freistoßtor aus dem Turnier schoss, nun aber im EM-Qualifikationsduell am 2. September in Gelsenkirchen fehlen wird, hatte die WM 2010 in Südafrika wegen einer Fußverletzung verpasst. Seitdem hat der Leverkusen-Kicker kein weiteres Länderspiel bestritten. Zuletzt hatte Löw im defensiven Mittelfeld Akteuren wie Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira oder Toni Kroos den Vorzug gegeben.

Ballack bleibt damit ein ganz großer Triumph ebenso versagt wie ein ruhmreicher Abschied. Das Finale der WM 2002 - in dem Ballack wegen einer Sperre fehlte - ging ebenso verloren wie jenes der EM 2008 und jene in der Champions League 2002 mit Bayer Leverkusen und 2008 mit Chelsea.