Absturz von

8 Fragen zum Verschwinden der MH370

Antworten auf Fragen, die Sie sich zum verschwundenen Airbus nicht stellen trauen

Absturz - 8 Fragen zum Verschwinden der MH370 © Bild: APA/EPA/RAYMOND WAE TION

Raue See mit meterhohen Wellen, pfeifender Wind und über tausende Kilometer kein Land in Sicht: So sieht es im südlichen Indischen Ozean aus, wo Schiffe nach der verschollenen Malaysia-Airlines-Boeing von Flug MH370 suchen. Jetzt ist das erste Wrackteil 4.000 Kilometer weiter westlich aufgetaucht. Die Hoffnung wächst, damit der Aufklärung des mysteriösen Falls näher zu kommen.

1. Was bedeutet der Fund für die Suchmannschaften?

Strömungsmodelle belegen, dass Wrackteile aus dem vermuteten Absturzgebiet genau dahin geschwemmt werden könnten, wo die Flügelklappe gefunden wurde. Insofern bestärkt der Fund die Spezialisten, das sie zumindest nicht am falschen Ort suchen. Aber der Wrackteilfund kann die Suche nicht weiter eingrenzen und damit die Erfolgsaussichten nicht beschleunigen.

2. Warum dauert die Suche so lange?

Niemand weiß, wo genau die Maschine abgestürzt ist. Das Suchgebiet ist 120.000 Quadratkilometer groß. Es handelt sich um eine der unwirtlichsten Meeresregionen der Welt, zwischen Australien, Südafrika und der Antarktis, tausende Kilometer von jeder Landmasse entfernt. Kommt hinzu, das niemand den Meeresboden dort je vermessen hat. Die Kenntnisse seien deutlich geringer "als die über Mond, Mars und Venus", meinte der Meeresbodenspezialist Walter Smith frustriert.

MH370
© REUTERS/Rob Griffith/Pool/Files

3. Trotzdem, lässt sich nicht auch ein riesiges Gebiet systematisch mit Kameras absuchen?

Es handelt sich nicht um einen flachen Meeresboden, über den Schiffe einfach Kameras an der Leine ziehen können. Das Terrain ist höchst schwierig. Das Meer ist teils 6.000 Meter tief, es ist also am Boden stockdunkel. Dann liegen dort Reste submariner Vulkane, es gibt bis zu 300 Meter hohe Berge und 1.400 Meter tiefe Gräben.

4. Wie wird denn dann gesucht?

Die niederländische Bergungsfirma Fugro hat zwei Schiffe sowie ein ferngesteuertes, unbemanntes Vehikel (AUV) im Einsatz. Die 65 Meter lange "Fugro Equator" und die 70 Meter lange "Fugro Discovery" können beide Equipment mit Sonden und Kameras an Leinen herablassen. Sensoren können nach Angaben von Fugro auch Flugzeugbenzin orten.

5. Sind die Boote pausenlos im Einsatz?

Nein, gerade jetzt, im antarktischen Winter, muss etwa das ferngesteuerte Vehikel pausieren. Der Wellengang ist zu gefährlich. Weder die "Discovery" noch die "Equator" sind zur Zeit ausgerückt. Sie müssen Crews auswechseln und Vorräte besorgen - in Fremantle an der australischen Westküste, eine mehrtägige Reise. Die "Equator" soll am 12. August wieder im Suchgebiet sein.

6. Wie groß sind die Aussichten, das Wrack überhaupt zu finden?

Der Chef der australischen Luftsicherheitsbehörde hat sich gerade noch einmal zuversichtlich gegeben. "Wir werden das Flugzeug dort finden", sagte Martin Dolan.

7. Und dann weiß man endlich, was damals an Bord passiert ist?

Das ist leider nicht gesagt. Dazu müssten die Blackboxen gefunden werden, die technische Daten und Gespräche im Cockpit aufzeichnen. Die könnten aber Hunderte Kilometer vom Wrack weggedriftet sein. Selbst wenn man sie findet, ist die Frage: Sind sie noch intakt?

8. Also können nur die Blackboxen das Geheimnis um MH370 lüften?

Auch das ist nicht gesagt. Selbst, wenn sie intakt sind: Der Gesprächsaufzeichner speichert nur die letzten zwei Stunden. Die Maschine flog aber sieben Stunden Richtung Süden, ohne jeglichen Kontaktversuch der Piloten. Wenn sie bewusstlos waren, dürfte das Band leer sein. Wenn das Unglück nicht von einem technischen Versagen ausgelöst wurde, dürfte der Datenschreiber auch nur zeigen, dass die Maschine irgendwann mangels Benzin abstürzte. Warum sie auf dem Kurs war, würde dann für immer ein Rätsel bleiben.

Chronologie der Ereignisse

8. März 2014: Die Airline teilt mit, der Kontakt sei kurz nach dem Start abgebrochen. Die Boeing 777 war auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking. Vor Vietnam beginnt eine internationale Suche.

Flug MH370 – Vermisst seit 8. März 2014
© APA/Martin Hirsch

14. März: Die Suche konzentriert sich auf den Indischen Ozean - Hunderte Kilometer westlich der ursprünglichen Flugroute.

15. März: Die Ermittler vermuten Sabotage. Die Boeing sei nach dem letzten Kontakt stundenlang auf neuem Kurs geflogen. Wahrscheinlich wurden Kommunikationssysteme absichtlich abgeschaltet, heißt es.

24. März: Neuen Analysen zufolge ist das Flugzeug in den südlichen Indischen Ozean gestürzt. Das letzte Signal wurde laut malaysischer Regierung westlich der australischen Stadt Perth empfangen.

29. Mai: Die Maschine liege nicht im vermuteten Absturzgebiet, teilt das Koordinationszentrum mit.

20. Juni: Nach einer neuen Datenanalyse ist das Flugzeug wahrscheinlich weiter südlich als angenommen abgestürzt.

26. Juni: MH370 flog nach Einschätzung der Ermittler vor dem Absturz auf Autopilot.

28. August: Neueste Auswertungen legen nahe, dass das Flugzeug womöglich etwas früher Richtung Süden abdrehte.

5. Oktober: Die Suche wird in einem neu eingegrenzten Gebiet wieder aufgenommen.

29. Jänner 2015: Malaysia erklärt alle Passagiere des vermissten Flugzeugs für tot. Die Suche nach der Maschine geht weiter.

8. März: Ein von Malaysias Verkehrsministerium am Jahrestag des Verschwindens veröffentlichter Zwischenbericht enthält nichts Neues.

29. Juli: Ein Wrackteil vor der Insel La Reunion löst Spekulationen um mögliche Verbindungen zu Flug MH370 aus.

5. August: Die Untersuchung der Flügelklappe in einem Labor in Südfrankreich beweist, dass sie von Flug MH370 stammt.

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