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MH17: Neue Leichen entdeckt

Abbott: "Langer und langsamer Einsatz" - Trümmer über 50 Quadratkilometer verteilt

Suche nach Absturz der MH17 © Bild: APA/EPA/Igor Kovalenko

An der Absturzstelle des malaysischen Passagierflugzeugs im Osten der Ukraine haben Experten die sterblichen Überreste weiterer Opfer und Gepäck von Insassen geborgen. Es sei ein "sehr, sehr guter Tag" gewesen, sagte der Sprecher der Beobachtermission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Michael Bociurkiw, am Freitag. Mit Leichenspürhunden haben Experten an der Absturzstelle der malaysischen Passagiermaschine die Suche nach Überresten von Opfern nun fortgesetzt.

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Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) teilte am Samstag mit, dass insgesamt fast 80 internationale Experten an dem Trümmerfeld im Ort Grabowo im Einsatz seien. "Es wird ein langer Tag. Die intensive Arbeit konzentriert sich auf das Auffinden von Überresten der Opfer", teilte die OSZE im Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Keine neuen Behinderungen

Demnach gab es zunächst keine neuen Berichte über Behinderungen der Untersuchung durch Kämpfe zwischen ukrainischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten. Die anhaltenden Gefechte hatten zuletzt den Zugang zum Ort des Absturzes behindert. An der Absturzstelle waren vor allem Experten aus den Niederlanden und aus Australien im Einsatz. Beide Nationen hatten besonders viele Todesopfer zu beklagen. Die Niederlande leiten die Untersuchungen zu der Tragödie. Dabei soll auch die Schuldfrage geklärt werden.

Suche nach Absturz der MH17
© APA/EPA/Igor Kovalenko

Am Freitag waren erstmals 70 australische und niederländische Experten am Absturzort der Boeing 777 eingetroffen, die am 17. Juli mutmaßlich von prorussischen Separatisten über dem umkämpften Osten der Ukraine abgeschossen worden war. Sie sollen die noch vermissten Leichen der 298 Insassen bergen. Die Separatisten hatten lediglich 227 Leichen an die Niederlande übergeben, die die Führung bei dem Einsatz haben, weil 193 Opfer aus den Niederlanden stammten. Die Suche wird aber erschwert durch die anhaltenden Kämpfe in der Region zwischen Rebellen und Regierungstruppen.

Einsatz "mindestens mehrere Wochen"

Zur Dauer des Einsatzes gab es unterschiedliche Angaben. Der niederländische Missionsleiter Pieter-Jaap Aalbersberg sagte, der Einsatz werde abhängig von der Sicherheitslage "mindestens mehrere Wochen dauern". Australiens Premierminister Tony Abbott sagte, es werde ein "langer und langsamer Einsatz" sein und die Experten würden mindestens "eine Woche" vor Ort sein. Er wies darauf hin, dass die Trümmer über 50 Quadratkilometer verteilt sind.

Suche nach Absturz der MH17
© APA/EPA/Igor Kovalenko

Lage spitzt sich zu

In den umkämpften Gebieten Donezk und Lugansk spitzte sich die Lage indes weiter zu. In der Großstadt Lugansk berichteten die Behörden von einem völligen Stromausfall. Es gebe kein Licht, kein Wasser und keinen Mobilfunk. "Lugansk liegt unter totaler Blockade und Isolation", sagte Bürgermeister Sergej Krawtschenko einer Mitteilung zufolge. Es gebe viel zerstörte Infrastruktur durch den tagelangen Beschuss, darunter das städtische Klinikum und zahlreiche Wohnhäuser.

Die Lage sei kritisch und am "Rande einer humanitären Katastrophe", hieß es. "Was heute in Lugansk geschieht, lässt sich nur schwer eine Anti-Terror-Operation nennen. Das ist ein ganz und gar echter Krieg", teilte die Stadtverwaltung mit. Auch in Donezk waren erneut Explosionen und Gefechtsfeuer zu hören, wie die von den prorussischen Separatisten geführte Agentur Novorossia meldete. Unabhängige Berichte gab es nicht.

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© Reuters/Valentyn Ogirenko

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