Meteorologe bestätigt Hitzerekord: Juli war in Wien so heiß wie seit 1775 nicht mehr!

Nach Rekordjuli beginnt der August sehr regnerisch PLUS: Gleich nachschauen - so wird das Wetter!

Als Österreich noch vor wenigen Tagen versuchte, sich mit Klimaanlagen und Ventilatoren Abkühlung von der brütenden Hitze zu verschaffen, hat man es schon geahnt: So heiß war es überhaupt noch nie. Das hat jetzt auch ein Meteorologe im Gespräch mit der APA bestätigt. Laut Alexander Ohms, leiter der ZAMG-Regionalstelle für Salzburg und Oberösterreich, war der Juli 2006 durchaus Rekordverdächtig.

Herr Ohms: Wie heiß war der heurige Juli wirklich?
Alexander Ohms: Den Juli kann man schon als sehr außergewöhnlich bezeichnen und zwar unter anderem als besonders heiß und trocken. Es sind einige Rekorde zu Stande gekommen und in ganz Österreich war es im Mittel um 3,5 Grad bis vier Grad heißer als sonst. Gemessen wurde das zudem an mehreren Messstationen und nicht nur punktuell. In einigen Städten war es in diesem Monat zudem so heiß wie noch nie: In Innsbruck, Bregenz, Eisenstadt, St. Pölten und Wien. Unterm Strich hat es keine Region gegeben, wo es nicht durchschnittlich zumindest um drei Grad heißer war als sonst.

Sonstige Rekorde?
Ohms: Es hat eigentlich kaum einzelne Spitzenwerte gegeben. Der heurige Höchstwert war mit 36,8 Grad in Langenlebarn. Sonst gab es wenige Spitzenwerte, sondern einen hohen Durchschnitt. Um ähnlich heiße Julis zu finden, muss man allerdings bis 1994 oder 1983 zurückgehen. In Wien war es in diesem Monat seit Beginn der Statistik 1775 überhaupt noch nie so warm. Das ist schon ganz ordentlich. Bei den Hitzetagen, also jenen über 30 Grad, hat es eigentlich in fast allen Landeshauptstädten außer Salzburg, Linz und Eisenstadt Rekorde gegeben.

Wie lautet eigentlich die Erklärung der Meteorologen zu dem Phänomen?
Ohms: Wir haben ein stabiles Hochdruckgebiet gehabt, das sich vom Mittelmeer weit nach Europa ausgedehnt hat. Zudem gibt es gewisse stabile Großwetterlagen, wie die viel strapazierte 'Omega-Lage'. Konkret bedeutet das, dass wir links und rechts des Hochs, an der Atlantikküste und am Schwarzen Meer, 'flankierende Tiefs' hatten. Wenn man in der Mitte ein Hochdruckgebiet hat, hält sich das recht stabil.

Was sich in den vergangenen Tagen ja recht gravierend geändert hat...
Ohms: Stimmt. Wir sind von den Hundstagen direkt in den Herbst gefallen, aus meteorologischer Sicht. Ein Tief ist von der Nordsee und den britischen Inseln weitergewandert bis nach Mitteleuropa und hat sich hier festgesetzt.

Wie lange müssen wir noch frieren?
Ohms: Das Tief liegt ziemlich genau über Mitteleuropa. Das geht jetzt in den nächsten Tagen so dahin. Zudem werden zahlreiche Regenbänder zu uns getragen. Bis zum Dienstag wird es noch sehr feucht und kühl weitergehen. Auch danach schaut's aber nicht nach Badewetter mit 25 Grad und mehr aus.

Für kurzfristige Planer: Würden Sie empfehlen, für Ende August einen Urlaub in Österreich zu buchen?
Ohms: Was die Langfristprognose angeht, sind wir ja gebrannte Kinder. Über zwei Wochen lehnt man sich schon recht weit hinaus. Ehrlich gesagt bin ich aber skeptisch, dass es noch einmal eine längere Periode mit Badewetter geben wird. Allerdings schon noch den einen oder anderen Hitzetag über 30 Grad.

Wie weit südlich müsste man reisen?
Ohms: Es schaut so aus, dass der Bereich Italien und Kroatien ebenfalls sehr unbeständig bleibt in den nächsten Wochen. Schön ist es in Spanien und Portugal, sonst lässt sich sagen, dass es zwischen den Balearen und der westlichen Ägäis eher schlecht ausschaut.

Wie heiß war es eigentlich in Ihrem Büro?
Ohms: Wir haben ein klimatisiertes Büro, Gott sei Dank. Wobei mich die Hitze nicht so stört, da sind wir dann wieder beim subjektiven Temperaturempfinden. Andere Kollegen träumen dafür schon vom Winter. (apa/red)