Metaller-Streik in Deutschland abgewendet:
Tarifvertrag bei Spitzentreffen besiegelt

Branche drohte bereits mit einem unbefristetem Streik Drei Prozent mehr Lohn für Beschäftigte ab 1. Juni

In der deutschen Metall- und Elektroindustrie mit ihren 3,4 Millionen Beschäftigten ist nach einem Pilotabschluss in Nordrhein-Westfalen ein Arbeitskampf abgewendet. Arbeitgeber und IG Metall einigten sich nach einem 18- stündigen Verhandlungsmarathon auf Einkommenserhöhungen von drei Prozent ab dem 1. Juni. Für die Monate März, April und Mai wurde eine Einmalzahlung von 310 Euro vereinbart. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von insgesamt 13 Monaten.

Beide Seiten begrüßten die erzielte Einigung. IG Metall-Chef Jürgen Peters nannte erreichte Verhandlungslösung einen "Kompromiss mit Augenmaß" und betonte, dass die gefundene Lösung in den anderen Bezirken übernommen werde. Dort würden jetzt unverzüglich wieder Verhandlungen zur Übernahme des Abschlusses aufgenommen. Damit seien Streiks ausgeschlossen. Der Gewerkschafter sprach von einem "sehr brauchbaren Ergebnis".

Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser sagte, der Abschluss liege am oberen Rand der wirtschaftlichen Möglichkeiten der Betriebe. Die Verhandlungsführer Detlef Wetzel von der IG Metall und Michael Jäger von den Metallarbeitgebern sprachen von einem "angemessenen und fairen sowie tragfähigen" Tarifabschluss. "Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden", betonte Jäger. Wetzel sprach auch von einem "guten Schub" für die Konjunktur.

Über Details des gesamten Tarifpakets wollen beide Seiten am Nachmittag weiterverhandeln. Dabei geht es unter anderem um die Tarifvertrag Qualifizierung und die umstrittene Steinkühler-Pause in Baden-Württemberg. Dort waren für diesen Montag Tarifverhandlungen angesetzt. Ein Warnstreik, zu dem 100 000 Metaller aufgerufen worden waren, wurde unterdessen abgesagt. In Nordrhein-Westfalen war zuletzt im Jahr 2000 ein wegweisender Tarifabschluss für die gesamte Branche erzielt worden. In den vergangenen Jahren hatte Baden-Württemberg diese Rolle übernommen.

Bei der Einmalzahlung vereinbarten die Tarifpartner erstmals den Einstieg in eine flexible Entlohnung. Die Betriebe können, je nach wirtschaftlicher Lage, von den 310 Euro nach unten und nach oben abweichen. Dabei seien Beträge zwischen Null und 620 Euro möglich. "Wir werden sehen, wie sich das Modell in der Praxis bewährt", sagte Kannegiesser.

Allerdings müssen sich Unternehmensleitung und Betriebsräte einvernehmlich auf solche Abweichungen nach oben und unten verständigten. Die Arbeitgeber hatten im Vorfeld der Verhandlungen mehrfach betont, eine solche Konjunkturkomponente bei den Tarifgesprächen aushandeln zu wollen.

Mit Erscheinen der Führungsspitzen von Gesamtmetall und der IG Metall waren die Erwartungen an die siebte Tarifrunde in NRW noch höher geschraubt worden. Die Arbeitgeber hatten mehrfach betont, in der Runde einen Durchbruch erzielen zu wollen.

Als erste präsentierte jedoch die IG Metall einen Lösungsvorschlag, indem sie mit 3,4 Prozent deutlich von ihrer ursprünglichen Fünf-Prozent-Forderung abrückte. Wenig später legten die Arbeitgeber nach und boten statt 1,2 Prozent 2,0 Prozent plus Einmalzahlungen über eine Gesamtlaufzeit von 30 Monaten. Dieser Vorschlag führte die Verhandlungen an den Rand des Abbruchs: Nach Angaben der IG Metall fiel die Offerte noch hinter dem ursprünglichen Gebot der Arbeitgeber zurück.

In zähen Verhandlungen, die NRW-Arbeitgeber-Chef Jäger im Nachhinein als zielgerichtet lobte und in enger Abstimmung mit den entsprechenden Gremien und Spitzenfunktionären erfolge, wurde der gordische Knoten durchschlagen. Dabei dürften auch Laufzeiten und ein drohender Streik eine Rolle gespielt haben. (apa)