Verhandlungen von

1. Lohnrunde: Streit

Metaller-Gewerkschaften nennen keinen Prozentsatz der geforderten Lohnerhöhung

Metallarbeiter © Bild: thinkstock.at

Wer will wann was - von diesem Streit war der Start der Metaller-Lohnrunde überschattet. Die Gewerkschaften wollten den sechs Arbeitgeberverbänden der Metallindustrie heute, wie bisher üblich, gemeinsam ihren Forderungskatalog persönlich in der Wirtschaftskammer (WKÖ) übergeben. Dazu sahen wiederum drei der sechs Fachverbände keinen Anlass, schließlich verhandle man ja auch nicht gemeinsam. Sie wollen die Forderungen am 1. Tag der Verhandlungen entgegennehmen. Bekommen haben sie sie jedenfalls schon, zeitgleich mit der Aushändigung an die drei vor Ort befindlichen Verbände wurden Mails an die drei anderen geschickt.

Die drei Verbände, die in die Wirtschaftskammer gekommen waren - Fahrzeugindustrie, Gießereien und der Gas- und Wärmeerzeugung - beschäftigen knapp 40.000 von insgesamt 180.000 Metallern. Der größte Verband, die Maschinen- und Metallwarenindustrie (FMMI) mit 120.000 Mitarbeitern, nimmt am kommenden Dienstag die Forderungen persönlich entgegen, an diesem Tag startet die 1. Verhandlungsrunde mit dem FMMI. Eine Zusammenführung der sechs Verhandlungsteams auf Arbeitgeberseite kann sich Manfred Engelmann, Geschäftsführer der Bundessparte Industrie, nicht vorstellen. "Die Branchen sind zu unterschiedlich", meinte er heute Freitag nach den sogenannten "Wirtschaftsgesprächen" mit den Arbeitnehmervertretern.

Im Metallgewerbe gab es das Problem heute nicht, hier sind alle Bundesinnungen und die betroffenen Teile der Fachverbände mit den Arbeitnehmervertretern zusammengetroffen. Dass beide Seiten über Formales streiten ist nicht ganz neu. 2010 hatten die Arbeitgeber für die Wirtschaftsgespräche nach der Forderungsübergabe die Sitzordnung geändert - woraufhin die Arbeitnehmer den Saal verließen.

Auf Seiten der Gewerkschaften zeigt man sich inzwischen flexibel. Entscheidend sei nicht, ob alle zeitgleich verhandeln, sondern dass am Ende alle den gleichen Kollektivvertrag erhalten. "Das ist die klare Botschaft, die uns heute über 2.500 Betriebsrätinnen und Betriebsräte bei unserer Konferenz mitgegeben haben", so Rainer Wimmer, Chefverhandler der Produktionsgewerkschaft Pro-Ge. Die von den Arbeitgebern geforderten Gespräche über flexiblere Arbeitszeiten könne es geben, aber nur wenn alle an einem Tisch sitzen, so die Gewerkschaften.

Einen Prozentsatz der gewünschten Lohn- und Gehaltserhöhung haben die Gewerkschaften heute nicht bekannt gegeben - im Gegensatz zum Vorjahr. Wie hoch das Plus ausfallen solle werde man dann veröffentlichen, wenn es klug erscheine, so Wimmer. Neben einer Gehaltserhöhung fordern die Gewerkschaften auch Änderungen bei den Arbeitszeiten für Schicht- und Schwerarbeiter. Sie sollen unterm Strich etwas kürzer arbeiten müssen.

Nicht nur im formalen knarrt es zwischen Arbeitnehmern und Teilen der Industrie. Auch bei der Inflationsrate, die die Verhandlungsbasis darstellt, sind sich beide Seiten nicht einig. Der FMMI verweist auf das WIFO, das die Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate mit 2,1 Prozent angibt. Die Gewerkschaften Pro-Ge und GPA hingegen gehen von selbst berechneten 2,4 Prozent aus. Im vorigen Jahr stiegen die Ist-Löhne - bei einer Inflationsrate von 2,8 Prozent - um bis zu 3,3 Prozent an. Die Arbeitnehmervertreter waren 2012 mit einer Forderung von 5 Prozent in den Ring gestiegen.

Abseits der Trommelwirbels fand Industrievertreter Engelmann heute versöhnliche Worte. Am Ende des Tages werde es eine Einigung geben "die beide Seiten gerade noch verschmerzen können".

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