Metaller von

Mitterlehner kritisiert Streiks

Wirtschaftsminister findet sie verfrüht. Warnt vor zu hoher Lohnanpassung.

Metaller - Mitterlehner kritisiert Streiks © Bild: APA/Schlager

Der zuständige Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner will sich zwar nicht aktiv in den Konflikt in der Metallindustrie einmischen, er kritisiert die Streiks in der Metallindustrie aber als verfrüht. Er glaube, dass "das Mittel Streik zu früh ergriffen worden ist, und dass man mit diesem Instrument sehr sorgsam umgehen sollte", sagte er im ORF-"Morgenjournal". Der Minister warnte überdies - unter Hinweis auf den zu erwartenden Konjunkturabschwung - vor einer zu großen Lohnerhöhung.

Um die Gewerkschafts-Forderung nach 5,5 Prozent mehr Lohn umzusetzen, wurden seit Freitag Früh rund 200 Betriebe bestreikt. Mitterlehner kann, wie er meinte, die Forderungen der Gewerkschaft zwar verstehen - aber auch die Argumentation der Arbeitgeber: "Ich möchte die Zahlen nicht bewerten, aber die Tendenz, dass 5,5 Prozent die Industrie gefährden, ist natürlich zutreffend. Wir haben jetzt eine recht gute Produktivität erreicht, sind an dritter Stelle in Europa, und müssen aufpassen, dass wir hier nicht hausgemachte Ursachen setzen und an Produktivität verlieren."

Die Streiks könnten den Industrie-Standort Österreich gefährden: "Überall im Ausland bewerben wir Österreich und seinen Standort mit dem Aspekt sozialer Friede. Wenn das zu früh nach außen geht, gefährden wir damit möglicherweise gerade jetzt, in schwierigen Zeiten, einen Standortvorteil." In den Konflikt einmischen will sich Mitterlehner vorerst nicht, aber er forderte die Verhandlungspartner auf, möglichst rasch an den Verhandlungstisch zurückzukehren, um baldigst eine "beiderseits akzeptable Problemlösung" zu finden.

Katzian kontert Mitterlehner
Ein Wirtschaftsminister sollte sich nicht auf die Seite der Arbeitgeber schlagen, sondern das Interesse der Gesamtwirtschaft im Auge behalten, betonte am Samstag GPA-djp-Vorsitzender Wolfgang Katzian zu den Aussagen Reinhold Mitterlehners über den Metaller-Streik. Und angesichts der hohen Teuerungsrate müsste der Minister "ein großes Interesse an einer Aufrechterhaltung der Kaufkraft der Beschäftigten" haben, meint der Gewerkschafts-Chef.

Kein Gesprächsangebot der Arbeitgeber
Im Arbeitskampf der Metallindustrie gibt es keine Bewegung. Die Arbeitnehmerseite wartet weiterhin auf ein Gesprächsangebot der Arbeitgeber. Die Arbeitgeberseite war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Somit läuft alles auf einen Vollstreik am Montag hinaus. Am Freitag gab es bereits Warnstreiks in rund 200 Betrieben, 100.000 der 165.000 Arbeiter und Angestellten der Metallindustrie waren im Ausstand.

Die Arbeitgeber in der Metallindustrie wollen sich nicht durch Streiks zum Verhandlungstisch zurück zwingen lassen. Es bleibt beim regulären nächsten Gesprächstermin am Donnerstag, dem 20. Oktober, hieß es von Seiten der Industrie.

Auslöser des Arbeitkampfes
Auslöser des Arbeitskampfes ist der Streit um die Kollektivverträge (KV) für das Jahr 2012. Die Arbeitnehmer fordern aufgrund der guten Ergebnisse der Industrie im abgelaufenem Jahr und der hohen aktuellen Inflationsrate eine Lohnerhöhung von 5,5 Prozent, die Arbeitgeber bieten 3,65 Prozent plus 200 Euro Einmalzahlung und argumentieren mit der rückläufigen Konjunktur und den Unsicherheiten wegen der Euro-Krise. Regulärer nächster Verhandlungstermin für den KV ist Donnerstag, der 20. Oktober.

Kommentare

ohje! ein wirtschaftsminister, der sich gegen die erhöhung der kaufkraft stellt, ist kein guter wirtschaftsminister!
es ist einer, der nur auf seiten der eigentümer der wirtschaft steht! und damit vertritt er die mehrheit der menschen nicht, die an der wirtschaft maßgeblich beteiligt sind.

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Die Streiks Was willd er ÖGB eigentlich? Die Wirtschaft total abwürgen wie den Konsum, die Bawag und die einstmals Staatsbetriebe?
Die Gewerkschaft ist einfach nur mehr da, um die Leute aufzuhetzen. Bei einer Inflation von 3,8% noch streiken ist schon ein arges Stück. Die Teuerungen sind doch zu 90% von der Regierung abhängig. Der Spritpreis bräuchte nur eine kleine Steuerminderung und wir hätten 1% weniger Inflation. Das alles ist den ÖGB´lern egal. Die heutigen Spitzenfunktionäre des ÖGb´s haben in ihrem Leben noch nie etwas gearbeitet,aber den Mund aufreissen das können sie. Wie man arbeitet haben sie ja schon bewiesen: Konsum, Bawag, Semperit usw. Die Gewerkschaft war einmal gut, heute sind es Dinosaurier die um ihr Überleben kämpfen.

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Re: Die Streiks na geh,durch eine reale Lohnerhöhung wird man die Wirtschaft nicht abwürgen,sondern eher ankurbeln.Und nachdem die Lohnerhöhung der Metaller ( bzw. auch die anderer Branchen ) in den letzten Jahren immer unter der Inflationsrate lag, gebe ich ihnen vollkommen recht, wenn sie mal auf den Tisch hauen und zeigen,dass es so nicht weitergeht.Denn es ist nur gerecht auch mal die am Gewinn teilhaben zu lassen, die diese Unternehmen zu dem gemacht haben, was sie sind...und das sind nun mal die Arbeiter und nicht die Aktionäre, die Dividenden kassieren ohne je für den Betrieb selbst etwas geleistet zu haben.
Und wenn sich die Betriebe eine Lohnerhöhung für Manager von 4,8%+ Boni leisten können, dann sollten bei einer Gesamtgewinnausschüttung von 2,5Mrd.Euro auch 5% für die Arbeiter drin sein.

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Re: Die Streiks RE Higgs70:Gewinnausschüttungist schon richtig, doch die Höhe und der Zeitpunkt ist falsch. Warum haben die SPÖ und Gewerkschaften immer einen Abschluss über der Inflationsrate bei den Metallern gehabt? Wer ist jetzt seit 5 Jahren am Ruder? Die SPÖ! Wer dominiert im ÖGB? Die SPÖ! Ausgenommen den Beamten.Jeder beklagt sich über die hohen Steuerbelastungen und Gebühren. Wer hat denn die Extrasteuer auf Mineralöl eingeführt? Die SPÖ.. Wer hat ide immense Gebührenerhöhung in Wien zu verantworten?Die SPÖ! Es stimmt dass die Manager zuviel verdienen.In Neuseeland hatte es einst eine Obergrenze zum Verdienst gegeben.Alle waren dort zufrieden. Nr wenn man sich ansieht wo unsere Milliarden verschwinden, dann müssen sich die Leute wehren., Aber auch gegen die Gewerkschaften.

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Wann wäre dann der richtige Zeitpunkt? Aus Sicht der Arbeitgeber wohl nie. Und auf die 3,8% Inflation kommen sie nur dann, wenn Sie auf ihrem Einkaufszettel jeden Tag ein Notebook oder ein Smartphone stehen haben, und nicht Brot, Fleisch und Kaffee.

Und ich würde hier nicht allein die SPÖ an den Pranger stellen, denn die konnte in einer Koalition die Steuern nicht allein beschließen. Und wenn die Regierung schon nicht handelt,müssen es eben die Menschen selbst tun, mithilfe der Gewerkschaften.
Sollte sich die Konjunktur wirklich extrem abschwächen, werden sich die Betriebe ohnehin wieder auf Kosten des Staates mit Kurzarbeit sanieren,da kann es nicht schaden,wenn die Menschen mehr verdienen, denn sie zahlen dann mit ihren Steuern die Beihilfen ohnehin wieder selber.
Und aus trauriger Erfahrung weiß man,dass Lohnverzicht noch nie einen Arbeitsplatz gerettet hat.

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Re: Die Streiks RE Higgs70: Da Sie ihre Ansicht haben und ich meine, werden wir nie auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Aber wie wäre es wenn die Gewerkschaften den Mitgliedsbeitrag ganz einfach frei stellen würden?. Auch die Zwangsmitgliedschaft bei der AK wäre zu stornieren. Beides sind SPÖ dominiert. Da würden dem Arbeitnehmer mehr als 5% im Geldbörserl bleiben. Aber da hätten ja viele Parteibuchbonzen keinen Job mehr.

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Re: Die Streiks Da haben Sie schon recht, nur die Mitgliedschaft bei einer Gewerkschaft ist ohnehin freiwillig.
Und über Kammern, die ja verfassungsrechtlich fundierte Institutionen sind, egal ob SPÖ- oder ÖVP-nah und es allein schon deshalb keine freiwillige Mitgliedschaft gibt, kann man natürlich im Grundsätzlichen streiten, aber dann müssen Sie auch sagen, wer diese Funktionen übernehmen soll. So einfach ist das nicht.

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Na was sollen sie denn machen die Gewerkschaften ... ... irgendwie müssen sie ja einerseits die Mitgliedsbeiträge und andererseits die Gehälter ihrer Funktionäre rechtfertigen.
Sonst könnte der verbal so oft strapazierte "kleine Arbeitnehmer" womöglich bemerken, dass er mit der Arbeiterkammer ohnehin schon "zwangsbeglückt" ist und dafür zahlen darf ob er will oder nicht.
Und wo kämen wir da hin, wenn in Österreich nicht für jeden Furz mindestens zwei Gremien zuständig wären? Man stelle sich bloss die Massenarbeitslosigkeit unter (mehrheitlich) linken Funktionären vor, wenn mehr Menschen auf die Idee käme aus der Gewerkschaft auszutreten!

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Re: Na was sollen sie denn machen die Gewerkschaften ... P.S.: Ich habe die aktuellen Beitragssätze nicht im Kopf ... aber kann es sein, das jeder Arbeitnehmer die von den Metallern geforderten + 5,5% Gehaltsplus SOFORT hätte, wenn die Gewerkschaften das Ende der Zwangsmitgliedschaft in der AK fordern würden und ihre eigenen Mitgliedsbeiträge deutlich senken?

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Wie wär\'s Herr Mitterlehner, ...wenn wir den Wirtschatsstandort Österreich mal damit bewerben würden, nicht das Gewinnstreben der Konzerne zu verbessern,kein Lohn-, Sozial-, Steuer- und Umweltdumping zu betreiben,keine Besserbehandlung von Großkonzernen gegenüber lokalen Kleinbetrieben voranzutreiben, sondern den Erfolg von Unternehmen an ihrem Nutzen für die Gesellschaft, also für die Menschen zu messen und nicht an deren Vermehrung des Finanzkapitals.

Nachdem bereits weltweit die Menschen genug von dieser kapitalistischen Ellbogengesellschaft und der maximalen Profitgier der Unternehmen haben und dagegen aufbegehren, könnten wir doch demonstrieren, dass es auch anders ginge. Denn der von Adam Smith behauptete Automatismus, dass Wettbewerb einzelner zum größtmöglichen Wohl aller gelenkt wird, existiert nicht (mehr).

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Re: Wie wär\\\'s Herr Mitterlehner, das wär ein schöner ansatz, nämlich der einzig richtige! aber da hab ich bei unseren politikern nicht viel hoffnung, dass sie das jemals begreifen werden. die leben gemeinsam mit den eigentümern der banken und konzerne weiterhin in ihrer seifenblase und verleugnen die realität. das müssen die menschen sich wohl selber richten...
wie es aussieht, haben sie damit weltweit bereits begonnen - und ich hoffe, sie lassen nicht locker!

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