Merkel eröffnete ihre Rede auf Hebräisch:
Historische Ansprache in Israels Knesset

Von Israel Kompromisse für den Frieden gefordert Olmert lobt "entschlossene Haltung" gegenüber Iran

Merkel eröffnete ihre Rede auf Hebräisch:
Historische Ansprache in Israels Knesset © Bild: AP/Sinai

In der ersten Rede eines ausländischen Regierungschefs vor dem israelischen Parlament hat sich Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Nachdruck zur Verteidigung der Sicherheit des jüdischen Staates bekannt. Zum Abschluss ihrer dreitägigen Reise forderte die Kanzlerin in der Knesset in Jerusalem zugleich Israelis und Palästinenser zu "schmerzlichen Zugeständnissen" auf, um Frieden im Nahen Osten zu schaffen.

Sie erinnerte dabei an das Wunder der deutschen Einheit. Mit Blick auf den Holocaust sprach die Kanzlerin zum Ende des Aufenthalts aus Anlass der Staatsgründung Israels vor 60 Jahren von "besonderen, einzigartigen Beziehungen" zwischen Deutschland und Israel.

Merkels Rede wurde von den Abgeordneten mit ungewöhnlichem Beifall aufgenommen. Die Parlamentarier standen auf und applaudierten der Kanzlerin. Sie hatte zum Schluss ihrer Rede Israel auf Hebräisch zum Jahrestag gratuliert. Auf Hebräisch hatte sie auch ihre 20-minütige, teils emotionale Rede begonnen. Ein nationalistischer Abgeordneter hatte vor der Ankunft Merkels den Saal aus Protest verlassen, weil er keine Rede in der Sprache der Täter hören wollte. Mehrere weitere Plätze blieben leer.

"Sicherheit niemals verhandelbar"
In ihrer auf Deutsch gehaltenen Rede erinnerte Merkel mit Blick auf die Drohungen des Iran gegen Israel daran, dass sich bisher alle Bundesregierungen wegen der besonderen historischen Verantwortung zur Sicherheit Israel bekannt haben. "Diese historische Verantwortung ist Teil der Staatsräson meines Landes. Das heißt, die Sicherheit ist für mich als deutsche Bundeskanzlerin niemals verhandelbar", fügte Merkel hinzu. Dies dürften in der "Stunde der Bewährung keine leeren Worte bleiben". Deutschland setze auf eine diplomatische Lösung. Wenn der Iran nicht einlenke, werde die Bundesregierung aber für weitere Sanktionen plädieren.

Deutlicher als im Verlauf der Reise rief Merkel Israelis und Palästinenser zum Kompromiss in den laufenden Friedensverhandlungen auf. Sie bot beiden Seiten die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft an. "Denn wir wissen, dass es zur Umsetzung der Vision von zwei Staaten Kompromisse bedarf, die von allen Seiten akzeptiert werden. Es bedarf der Kraft auch zu schmerzlichen Zugeständnissen." Sie legte ihren Gastgebern nahe, aus den Erfahrungen der Überwindung der deutschen Teilung die Zuversicht zu schöpfen, dass der Friedensprozess auch im Nahen Osten erfolgreich sein kann.

Merkel für Olmert "Freundin des jüdischen Volkes"
Ministerpräsident Ehud Olmert bezeichnete Merkel in seinem Grußwort "als mutige und bedeutende Wegweiserin ihres Volkes" und "als treue und langjährige Freundin des jüdisches Volkes". Olmert, Parlamentspräsidentin Dalia Itzik und Oppositionsführer Benjamin Netanyahu forderten Merkel und die Europäer dazu auf, eine harte Linie gegen den Iran zu fahren.

Itzik bat Merkel in eindringlichen Worten, alles zu tun, um den Iran am Bau einer Atomwaffe zu hindern. Netanyahu warnte vor einer existenziellen Bedrohung Israels durch den Iran. "Wir müssen klarstellen, dass es - wenn Sanktionen das Atomprogramm nicht stoppen - andere Möglichkeiten gibt, es aufzuhalten, einschließlich militärischer Optionen", sagte er.

(apa/red)