Moskau von

Merkel und Putin
ehren Weltkriegsopfer

Deutsche Kanzlerin fordert stärkeres Einlenken in Ukraine-Krise

Merkel und Putin ehren die Weltkriegsopfer. © Bild: APA/EPA/SERGEI CHIRIKOV

Nach der größten Militärparade in der russischen Geschichte hat die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sich bei einem Besuch in Moskau vor den sowjetischen Opfern des Zweiten Weltkriegs verneigt. Gemeinsam mit Präsident Wladimir Putin legte Merkel einen Kranz nieder. Im anschließenden Gespräch forderte sie vom Kremlchef mit Nachdruck ein stärkeres Einlenken in der Ukraine-Krise.

"Durch die verbrecherische und völkerrechtswidrige Annexion der Krim hat die Zusammenarbeit (zwischen Deutschland und Russland) einen schweren Rückschlag erlitten", sagte Merkel. Es gehe darum, die territoriale Einheit der Ukraine wieder herzustellen. Russlands Einverleibung der Schwarzmeerhalbinsel Krim und die Gewalt in der Ostukraine seien eine Gefährdung der europäischen Friedensordnung, mahnte Merkel.

Merkel und Putin ehren die Weltkriegsopfer.
© APA/EPA/SERGEI ILNITSKY Putin und Merkel am Grab des Unbekannten Soldaten

Putin: "Wir sehen die Dinge verschieden"

Putin räumte ein, dass die russisch-deutschen Beziehungen "nicht die besten Zeiten" erleben würden. "Ja, wir sehen die Dinge verschieden", meinte er. Es gebe jedoch keine Alternative zu einer friedlichen Lösung der Krise. Ungeachtet der immer wieder aufflammender Gefechte sieht Putin Fortschritte im Friedensprozess zwischen der Ukraine und den prorussischen Rebellen im Osten des Lande. Die Lage in der Ukraine habe sich etwas beruhigt, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Russland hatte am Vortag mit einer pompösen Waffenschau den Sieg der Sowjetunion über Hitler-Deutschland vor 70 Jahren gefeiert. Viele westliche Staats- und Regierungschefs hatten Putins Einladung zur Feier wegen Russlands Haltung in der Ukraine-Krise boykottiert. Sie sehen Moskau als "Aggressor" in dem Krieg zwischen der prowestlichen Führung in Kiew und prorussischen Separatisten im Donbass.

Deutschland als "Partner und Freund"

Putin bezeichnete Deutschland als "Partner und Freund". Die Sowjetunion habe im Zweiten Weltkrieg nicht gegen Deutschland, sondern gegen Nazi-Deutschland gekämpft. "Deutschland war selbst das erste Opfer", meinte der Kremlchef. Daher sei es für ihn "ganz natürlich", dass Merkel 70 Jahre nach dem Krieg nach Moskau reise.

Unter beispiellosen Sicherheitsvorkehrungen hatte Putin auf dem Roten Platz die Militärparade abgenommen. In einer Rede forderte er ein weltweites Sicherheitssystem ohne militärische Blöcke. Neben Putin als Oberbefehlshaber der russischen Streitkräfte saß Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping als einer von mehr als 20 Staatsgästen.

Putin nahm in der Rede indirekt Bezug auf die schwerste Krise zwischen Ost und West seit Ende des Kalten Krieges. Versuche, eine "monopolare" Welt zu schaffen, nähmen zu, kritisierte er. Nötig sei ein System, das gleiche Sicherheit für alle Staaten garantiere. "Nur dann werden wir Frieden und Ruhe auf dem Planeten gewährleisten."

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