Merkel will mehr Frauen für Spitzenjobs:
In Top-100-Firmen eine (!) Frau im Vorstand

"Nicht nur komisch, sondern veränderungsbedürftig" Frauenanteil sei auch in eigener Partei viel zu gering

Die deutsche Wirtschaft muss nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mehr Frauen in Führungspositionen bringen. In den 100 größten Unternehmen Deutschlands sei nur eine einzige Frau im Vorstand, kritisierte Merkel beim Bundesdelegiertentag der Frauen Union in Braunschweig. "Das ist nicht nur komisch, sondern absolut veränderungsbedürftig. Da muss sich in der deutschen Wirtschaft etwas ändern." Sie wolle das auch mit den Vorstandsvorsitzenden besprechen, sagte Merkel.

Die Bundesvorsitzende der Frauen Union, Maria Böhmer, wurde bei der Tagung der rund 400 Delegierten mit überwältigender Mehrheit in ihrem Amt bestätigt. Die 57-Jährige erhielt 95 Prozent der Stimmen. Böhmer, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung ist, führt die Frauen Union seit 2001. Sie kritisierte, dass das Quorum, wonach mindestens ein Drittel der Mitglieder in den CDU-Parteigremien Frauen sein sollen, nicht überall beachtet werde. "Der Kampf um Macht, um den Einfluss von Frauen in der Politik ist noch nicht zu Ende."

Frauenanteil auch in eigener Partei zu gering
Auch Merkel sieht in der CDU einen gewissen Nachholbedarf. Zwar sei die Politik bei Frauen in Führungspositionen in Deutschland "richtungweisend", sagte Merkel mit Blick auch auf ihr Amt. "Wenn ich an die Ministerpräsidenten denke, könnten wir noch ein bisschen was tun." Es könne ja auch mal an eine Ministerpräsidentin gedacht werden. Zugleich beklagte Merkel, der Frauenanteil in der CDU sei mit 25 Prozent zu gering. "Wir sind auf einem guten Weg, aber wir können noch nicht zufrieden sein."

Kinderfreundlicheres Klima erwünscht
Die Kanzlerin rief die Gesellschaft dazu auf, ein Klima zu schaffen, in dem Kinder willkommen seien. Der Ausbau der Kinderbetreuungs-Plätze für unter Dreijährige sei wichtig für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wenn das erledigt sei, könne ein Betreuungsgeld für jene geschaffen werden, die sich bewusst für eine Erziehung von Kindern zu Hause entschieden.

Die Frauen Union diskutierte bei ihrer zweitägigen Tagung in Braunschweig über den demografischen Wandel in Deutschland, die Gleichstellung von Mann und Frau sowie die Integration von Zuwanderern. (apa/red)