"Menü aus der Mülltonne" als Protestaktion:
Aktiv gegen den "westlichen Konsumwahn"

"Freeganer" essen was Supermärkte wegschmeißen Kritik an die "Überfluss- und Wegwerfgesellschaft"

"Menü aus der Mülltonne" als Protestaktion:
Aktiv gegen den "westlichen Konsumwahn"

Zwei "Freeganer" (abgeleitet vom englischen "free" für "gratis") boykottieren ganz bewusst die Überfluss- und Wegwerfgesellschaft, indem sie sich - so weit dies möglich ist - von jenen Lebensmitteln ernähren, die Abend für Abend nach Ladenschluss der Supermärkte einfach weggeschmissen werden. Felix Hnat und Stefan K. sind ausgerüstet mit Stirnlampe, Gummihandschuhen und Einkaufskörben.

Bei einem Treffen zwischen NEWS und den zwei "Freeganern" sagt Stefan: "Ihr werdet sehen, in den Tonnen liegen so viele genießbare Nahrungsmittel - wir werden nur einen Bruchteil davon mitnehmen können!" Er sollte Recht behalten.

Nächtliche Essenstour
Beim ersten Kaufhaus, einer Zielpunkt-Filiale in der Nähe von Guntramsdorf, sind die grünen Müllcontainer vom Parkplatz aus frei zugänglich. Ihr Inneres gewährt gleich zu Beginn freien Blick auf den puren Zynismus, der hinter den Kulissen der bunten Konsumtempel-Welt vorherrscht. Originalverpackte Wurstwaren - mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum, das ganze zwei Wochen in der Zukunft liegt - stapeln sich neben unzählbaren Kartons voller Freiland-Bio-Eier, die ebenfalls erst in vier Tagen ablaufen werden. Da Felix und Stefan aus ethischen Gründen vegan leben, also keinerlei tierische Produkte zu sich nehmen, lassen sie dieses große Angebot allerdings unangetastet.

Schattenseiten des Kapitalismus
40 Prozent unseres Abfalls sind essbar. Spätestens seit Erwin Wagenhofers Filmdoku "We Feed the World" weiß man: Die Lebensmittel, die in Wien täglich in den Müllverbrennungsanlagen landen, würden mengenmäßig ganz Graz ernähren. Auch eine aktuelle Untersuchung des Österreichischen Instituts für Abfallwirtschaft belegt: Bis zu 40 Prozent unseres Restmülls bestehen aus Nahrungsmitteln, die zum Teil noch originalverpackt sind. Für Felix steht zumindest fest: "Die Schattenseiten des Kapitalismus werden immer mehr zum Thema." Trotzdem: Obwohl die Intentionen der geschätzten 50 Freeganer im Großraum Wien nachvollziehbar sind, bewegen sie sich in einer rechtlichen Grauzone. Denn laut Gesetz gilt selbst die Entnahme von Lebensmitteln aus Supermarktabfällen als Diebstahl.

Lesen Sie die gesamte Story über die "Freeganer" im NEWS 42/07!