Menschenrechte von

Tödliches Zug-Surfen

Starkstromoberleitungen gesenkt: Bahngesellschaft will so Dach-Reisende loswerden

Zu viele Menschen auf zu kleinem Platz: Täglich nutzen hunderttausende Pendler die Vorortzüge in Jakarta, und auf den Zugdächern fahren Zehntausende kostenlos mit - doch damit soll nun Schluss sein: Die staatliche Bahngesellschaft senkt die Oberleitungen über den Schienen. Und das auf Kosten der Sicherheit, wie Menschenrechtsorganisationen warnen.

Pendler und Schüler nutzen seit Jahren die Dächer der Züge, um zur Arbeit oder der Schule zu kommen. Nicht, weil sie sie Aussicht von oben genießen oder sparen wollen. Nein - in den Zügen fehlt es einfach an Platz. Schon bisher setzen die Menschen dabei täglich ihr Leben aufs Spiel. Die staatliche Bahngesellschaft versucht seit langem, das Zug-Surfen zu verhindern. Eine besonders rabiate Methode sorgt nun für Aufsehen: "Wir senken die Oberleitungen um einen Meter ab. Dann gibt es weniger Leute auf den Dächern, wegen der Gefahr von Stromschlägen", erklärt Mateta Rizalulhaq von der PT Kereta Api-Bahngesellschaft.

"Das verläuft direkt über deinem Kopf, du muss sich ducken und die Beine spreizen, um nicht dranzukommen", erzählt ein Schüler. Öl auf den Dächern hat nicht funktioniert, ebenso wenig wie Betonkugeln an den Oberleitungsmasten. Mit dem Herabsenken der Oberleitungen geht die Bahn aber nun zu weit, finden Menschenrechtsorganisationen. "Das ist sehr gefährlich. Wenn es einen Unfall gibt, dann muss die Regierung die Verantwortung übernehmen", so Nur Kholis vom Indonesischen Menschenrechtskomitee. Außerdem würde damit ein Grundrecht auf Fortbewegung verletzt. Die einige Lösung wären mehr Züge mit mehr Waggons, um für alle Reisende Platz zu schaffen. Besserung ist allerdings nicht in Sicht. Und die Gefahr reist weiterhin mit.

Kommentare