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Der Neue im Amt

Menschen - Der Neue im Amt © Bild: Gerry Frank Photography 2018

Moderator der neuen Staffel der Puls-4-Satire-Show „Vurschrift is Vurschrift“ ist Rudi Roubinek, auf der Ratebank sitzt das halbe Who’s who des Kabaretts.

Die überraschende Versetzung des diensteifrigen „Amtsrats Helfried“ vulgo Comedian Christian Hölbling, der zwei Staffeln lang die Puls-4-Satire-Show „Vurschrift is Vurschrift“ moderiert hatte, verletzte ausnahmsweise keine kuriose Vorschrift, sondern brachte sogar eine reguläre Rochade: Ab 2. Oktober (ab Start der neuen Staffel) amtiert das Alter Ego des Fachoberinspektors Tupfelreiter, Rudi Roubinek, als neuer Host des Erfolgsformats. Die Beförderung war aber keine ausgemachte Sache, wie Roubinek betont: „Ich hab ganz normal beim Moderatorencasting mitgemacht und ganz offensichtlich überzeugt.“

In den beiden ersten Staffeln musste Roubinek als diensteifriger Beamter im Außendienst die skurrilen Fälle nachspielen. Das Rateteam – damals aus vier prominenten Kabarettisten zusammengesetzt – sollte so die absurden Vorschriften erraten, die den Behördenschikanen zugrunde liegen. Auch in dieser Hinsicht gibt es Neuerungen. Roubinek trägt Teile der Fälle jetzt vor, statt sie zu spielen: „Mir wurde gesagt, der Sender will einen echten Moderator und keinen, der Rollen spielt, um die Sendung ein bisschen dynamischer und beweglicher zu machen“, erklärt er seinen neuen Part. Und fügt schmunzelnd hinzu: „Als Moderator kann ich nun mein Rateteam ein wenig in die Irre führen und lasse es auch schon mal anlaufen.“ Angesprochenes Rateteam, intern gerne als Behördenlehrlinge bezeichnet, wurde komplett ausgewechselt. Statt der fixen Crew um die unvermeidliche Moderatorin und Andreas-Gabalier-Vertraute Silvia Schneider rätselt jetzt ein wechselndes Team aus Kabarett- und Comedy-Größen, welcher Gesetzesirrsinn Grundlage für die gezeigten Fälle sein mag.

In Folge eins der neuen Staffel (immer Dienstag um 20.15 Uhr) besteht das sogenannte Ratepanel aus Kabarett-Urgestein Joesi Prokopetz, Moderatorin Verena Scheitz, Schauspielerin Nina Hartmann, Musiker Christopher Seiler (der mit seinem Band-Sidekick Bernhard Speer auch den neuen Titelsong des pinken Sende­formats komponierte) sowie dem bis dato (noch) wenig bekannten Stimmenimitator Gernot Haas. Letzterer vielleicht deswegen einziger Fixpunkt der Rategemeinschaft.

Ebenso neu dabei ist die wie Michael Niavarani persischstämmige (und vielleicht deswegen wirklich lustige) Kabarettistin Aida Loos, die aber nicht auf dem Ratebankerl Platz nimmt, sondern als rasende Reporterin amtiert. „Sie ist, salopp formuliert, die Frau vor Ort zur Lösung von Problemstellungen“, erklärt Roubinek und betont, dass sie aber keinesfalls eine Nachfolgerin des Tupfelreiter sei. „Weil sie ja als sie selbst agiert.“ Anders liegt der Fall bei Andrea Händler. Die Kabarettistin schlüpft, wie vertraut, in die Rolle der ­Helga Hantig. „Sie ist Spezialistin für Vurschriften anderswo“, erklärt Roubinek ihr Rollenprofil und vergisst nicht, anzumerken, dass es davon „nicht nur in Österreich genügend“ gäbe.

© Gerry Frank Photography 2018 Rudi Roubinek mit Rateteam (v. li.): Gregor Seberg, Lydia Prenner-Kasper, Christopher Seiler, Gernot Haas und Christof Spörk

Skurrile Fälle en masse

Typisch österreichisch ist freilich jener Fall aus der Sendung vom 2. Oktober, in dem ein Autofahrer 300 Euro Parkge­bühren zahlte, ihm aber dennoch von Amts wegen das Parken untersagt wurde. ­Christopher Seiler hat einen ganz simplen Zugang, ohne die Lösung vorwegzunehmen: „Deswegen hab ich mir noch nie ­einen Parkschein gekauft, und dann brauch ich mich auch nicht zu ärgern.“ Sagt sich vielleicht auch leicht, wenn man in Bad Vöslau beheimatet ist.

An skurrilen Fällen mangelt es jedenfalls nicht. Das kann auch Puls-4-Unterhaltungsdirektor Patrick Schubert bestätigen: „Wir bekommen so viele Handyvideos und Zuschriften, dass wir noch einige Staffeln drehen könnten.“

Am öftesten treffen die hanebüchenen Vorschriften laut Roubinek Unternehmer. „Sobald die ein Geschäft aufmachen, ist schon die Behörde da. In der Gastronomie dürfte es besonders arge Vorschriften geben, da vergeht dir gleich der Appetit.“ Ihn selbst, fügt er dankbar hinzu, habe es noch nie erwischt, denn „Grundbucheintragungen und Passverlängern sind bei mir immer glatt verlaufen“, schmunzelt Roubinek.

© Gerry Frank Photography 2018 Das Premieren-Ratepanel: Roubinek mit Nina Hartmann, Joesi Prokopetz, Verena Scheitz, Christopher Seiler und Gernot Haas (v. li.)

Roubinek an allen Fronten

Roubinek hat auch sonst gut lachen, denn beruflich läuft es wie geschmiert. Sein „Obersthofmeister Seyffenstein“ beschert ihm nicht nur heuer noch zwei Auftritte in „Wir sind Kaiser“, sondern auch eine Kooperation mit dem ORF-Reportageformat „Dok­eins“. Denn in der Comedy-Dokureihe „Der Kurier des Kaisers“ schickt Robert Palfrader seinen „Kurier“ Hanno Settele in alle Bundesländer, um zu eruieren, welches zu verkaufen wäre und zu welchem Preis. Denn der Hof ist pleite. „Eine fiktive Geschichte, die rund um die Dokumentationsreihe gebaut ist, aber seriös im Dok­eins-Stil abläuft“, erklärt Roubinek die neunteilige Doku-Comedy, für die er die Bücher schreibt und die am 3. Oktober Premiere (ORF eins) hat – just einen Tag nach Start der neuen „Vurschrift is Vurschrift“-Staffel. Doppelschlag nennt man das.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Printausgabe 39 2018