Mensch beeinflusst Wassermenge der Flüsse
Waldrodungen bringen größere Abflussmenge

Mensch beeinflusst Wassermenge der Flüsse
Waldrodungen bringen größere Abflussmenge © Bild: PIK Research

Der Mensch nimmt immer größeren Einfluss auf die Wassermenge der Flüsse und Bäche. Das zeigt ein bisher einzigartiges dynamisches Vegetationsmodell des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Es veranschaulicht einzelne Faktoren für die Veränderung des Weltwasserhaushalts auf Grundlage von Messdaten der britischen Climatic Research Unit. Flüsse in Nord- und Westafrika, Mittel- und Osteuropa sowie Teile Südasiens verzeichnen demnach zwischen 1901 bis 2002 einen geringeren Abfluss, wogegen die Wassermenge in Sibirien und dem gesamten amerikanischen Kontinent zunahm. Global stieg die Abflussmenge der Fließgewässer im letzten Jahrhundert um sieben Prozent auf derzeit knapp 40.000 Kubikkilometer.

Bewässerung und Trinkwasser
Die Niederschlagsmenge, die auf der Landoberfläche der Erde etwa das dreifache Volumen der Fließmenge beträgt, ist laut der Potsdamer Studie der größte Faktor für diese Zunahme. Nummer zwei der wichtigsten Einflussfaktoren ist bereits der Mensch. Waldrodungen und die Umgestaltung von Naturflächen hätten im 20. Jahrhundert einen Abflussanstieg von 1,7 Prozent bewirkt. Global weitaus geringere Auswirkungen habe die Wasserentnahme für die Bewässerung oder Trinkwasser.

Hoher CO2 Gehalt lässt Pflanzen wachsen
Dem Klimawandel zurechenbare Faktoren veränderten laut Studie die Abflussmenge im letzten Jahrhundert erst wenig, die Erderwärmung etwa brachte aufgrund stärkerer Verdunstung leichten Rückgang. Welche Bedeutung der steigenden CO2-Konzentration zukomme, werde in der Wissenschaft noch diskutiert, sagt Studienautor Dieter Gerten. Einerseits bewirkt sie eine Zunahme des Wasserflusses, da Pflanzen die Spaltöffnungen ihrer Blätter zur CO2-Aufnahme weniger öffnen, in Folge weniger Wasser abgeben und auch weniger Wasser aus dem Boden aufnehmen müssen. Andererseits fördert hoher CO2-Gehalt das Pflanzenwachstum und sorgt für größere Bodenbedeckung mit Pflanzen. Dadurch wird dem Boden wiederum mehr Wasser entzogen und an die Luft abgegeben.

Verfügbarkeit geht zurück
Zunahme des Abflusses durch CO2, Abnahme durch die Erwärmung - global gesehen gleichen sich die beiden Effekte in etwa aus. Problematisch für die Menschheit ist jedoch, dass beide Effekte nicht in denselben Regionen auftreten. "Deutlich wurde, dass die heute trockenen Gebiete auch in Zukunft mit weniger Niederschlag rechnen müssen", so Gerten im Gespräch mit pressetext. In Nordafrika und im Mittelmeerraum ginge die Verfügbarkeit von Wasser auch weiterhin zurück, vor allem auf Grund der zusätzlichen Verdunstung aufgrund der Erwärmung. In anderen Regionen sei die Wasserentnahme Hauptverursacher des Flussrückgangs, wofür Gerten den Aralsee oder Regionen in Südostasien als Beispiele nennt.

Abflussdatenmessung sollte verbessert werden
Für die Zukunft prognostiziert der Weltklimarat, dass die Erderwärmung eine größere Rolle für die Abflussmenge spielen wird. Bis 2100 schätzt man eine dadurch verursachte Verringerung auf bis zu sechs Prozent. Zur genaueren Vorhersage müsste jedoch noch mehr Wissen über den Wasserhaushalt der Erde mit Wissen über Vegetationsdynamik kombiniert werden. Dies erfordere eine verbesserte Vernetzung der weltweiten Abflussdatenmessung, so Gerten abschließend.

Quelle: Redaktion/ pressetext.at