Men in Black 3 von

"Erinnert ihr euch an mich?"

Will Smith ist wieder da und reist als "J" ins Jahr 1969. NEWS traf ihn zum Interview.

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    Agent K (Tommy Lee Jones) und Agent J (Will Smith) sorgen auch im dritten Teil von "Men In Black" für beste Unterhaltung.

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    Ein perfekt eingespieltes Duo.

Vier Jahre weg zu sein, das mochte einen Schauspieler früher womöglich noch interessanter machen. In der Epoche des Kurzzeitgedächtnisses und der immer rascher in den Himmel geschossenen Instant-Stars können vier Jahre gefährlich lang sein. Auch für einen Großen wie Will Smith, 44, der sich jetzt mit "Men in Black 3" weltweit ins kollektive Gedächtnis zurückruft. "Ich wollte mit der Wahl des Comebacks vermeiden, dass ich das Publikum fragen muss: ,Hey, erinnert ihr euch noch an mich?“' merkt der 1,88-Meter-Mann im NEWS-Gespräch mit der ihm eigenen burschikosen Ironie an. "An 'Men in Black' erinnert es sich jedenfalls noch.“

In der Tat blickt der nun anlaufende dritte Teil der Science-Fiction-Komödie auf präsente Vorgänger zurück. Die glänzend kritisierte Nummer 1 spielte anno 1997 tadellose 600 Millionen, die nicht ganz adäquate Nummer 2 anno 2002 immer noch 426 Millionen Dollar ein. Die Kritik bemängelte damals den ungesund hohen Komödienanteil und forderte mehr Action. Neun Jahre war der Regisseur Barry Sonnenfeld auf Smiths Betreiben unterwegs, bis er Sony vom dritten Teil überzeugt hatte. Der läuft nun weltweit am 24. Mai an, und noch ehe irgendwelche Einnahmenzahlen vorliegen, lässt sich feststellen: Es hat sich gelohnt.

Die Agenten "K“ (Tommy Lee Jones) und "J“ (Smith) sind nach wie vor hinter den leidigen, seit 1962 in Manhattan aktiven Außerirdischen her. Abermals betätigen sie im Verlauf der Abwehrschlacht den bewährten "Neutralizer“, der das Gedächtnis löscht (begreiflich, angesichts solcher Gerätschaft, dass sich Smith ums Publikum sorgt).

Und nach wie vor wollen die beiden nicht zueinander finden: der weiße, nicht mehr junge, übellaunige Gerechtigkeitsbürokrat und der sportive schwarze Sponti. Nur gut, dass sie nach vollbrachtem Werk vermittels des "Neutralizers“ jedes Mal das Vorgefallene vergessen.

Monstrum Boris
Das Monstrum heißt diesmal Boris, hat sich in der Kunst des Dartpfeilewerfens vervollkommnet und ist einem Hochsicherheitsgefängnis entronnen. All das aber wäre zu wenig Handlung gewesen. So wird "J“ Smith auf Zeitreise geschickt. Vom Chrysler Building in New York springt er ins Jahr 1969, wo er dem damals noch jungen und gutartigen "K“ begegnet.

Fulminanter Brolin
Dessen Darstellung durch den oscarnominierten Josh Brolin ist der Clou des Films: Brolin agiert dermaßen fulminant, dass es tatsächlich scheint, als sei Tommy Lee Jones in die Zeitmaschine geraten. "Ich wollte ihn nicht nachahmen, sondern seine Essenz erfassen“, sagt Brolin zu NEWS. "Ich fuhr allein nach Mexiko und schloss mich in einem Hotel ein. Ich sah mir den ersten Teil hundertmal an, bis die Figur in meinem Kopf klickte. Es waren vor allem Stimme und Diktion, die ich erlernen musste. Wir sehen einander ja etwas ähnlich, weil wir beide so große Köpfe haben.“ Und wie reagierte das Vorbild? Brolin räumt Befangenheit ein. "Es war nicht die klügste Entscheidung meiner Karriere, mir ausgerechnet Tommy Lee Jones als Rolle auszusuchen. Mir genügt, dass ich den Film nicht verpatzt habe und Tommy noch mit mir spricht.“

Die Zeitreise
Grandios gelungen ist die Zeitreise auch anderweitig. "Die erste Mondlandung, die unfassbare Mode, die riesigen Batterien und Telefone“, kichert der 1958 geborene Sonnenfeld. So verlegte man das Abwehramt in ein Ambiente, das sich stilistisch an dem 1959 verstorbenen Stararchitekten Frank Lloyd Wright orientiert. Einer der Höhepunkte ist ein Agentenbesuch in Andy Warhols Factory, wobei der Meister unter der Blondperücke schon immer etwas Außerirdisches an sich hatte.

Von schönem Ernst sind die Passagen, in denen "J“ Smith - Emma Thompson verkörpert seine neue Chefin - endlich erfährt, woher er kommt und wer sein Vater war. "Ich bin auf dem Höhepunkt meiner eigenen Vaterschaft“, sagt Smith. "Ich liebe Geschichten, in denen der Vater der Mentor ist. Dass all das Schmerzliche, Menschliche auf der Riesenleinwand inmitten von Außerirdischen stattfinden kann, jagt mir immer noch Schauer über den Rücken.“

Vaterexistenz
So investierte er die langen vier Jahre Untätigkeit in eine tunlichst maßstabsetzende Vaterexistenz. Sohn Jaden ist 14 und reüssierte in dem Film "The Karate Kid“, den Vater Will produzierte. Auch Tochter Willow, 12, spielt schon in Kino- und Videoproduktionen.

"Wir lassen den Kindern viel Freiheit“, sagt Smith und meint mit "wir“ auch Ehefrau Jada, Schauspielerin, Sängerin und ehemalige Miss Maryland. "Sie können es sich aussuchen, was sie mit ihrem Leben und ihren Körpern anfangen wollen, auch, wenn wir manchmal Schreckensschreie ausstoßen. Sie spüren die Konsequenzen selbst. Wenn sie aufbleiben wollen, ist das okay, aber sie müssen dennoch pünktlich in der Schule sein. Wenn sie mit den Aufgaben trödeln, bleibt keine Zeit zum Spielen. Das ist selbstverständlich, da braucht es keinen strengen Vater.“

Alles gut
Ins Showbusiness, fügt er mit Nachdruck hinzu, habe er keines seiner Kinder getrieben. "Ich habe oft beobachtet, dass Elf-, Zwölfjährige ihre Familien ernähren müssen. Wir können unsere Rechnungen selbst bezahlen, und wenn Jaden und Willow morgen aufhören wollen, ist es auch gut.“ So wie überhaupt fast alles gut geworden ist im Leben des Schauspielers Will Smith.