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Warum der Facebook-Datenskandal
niemanden überraschen sollte

Persönliche Daten bedeuten Macht

Meinung - Warum der Facebook-Datenskandal
niemanden überraschen sollte © Bild: APA/AFP/GETTY IMAGES/CHIP SOMODEVILLA

Angesichts des Facebook -Datenskandals denken Politiker über eine stärkere Regulierung von sozialen Netzwerken nach. Einzelne Volksvertreter haben sogar eine Zerschlagung von Facebook mit seinen mehr als zwei Milliarden Nutzern gefordert. Warum das der falsche Ansatz ist.

Facebook steht seit Wochen in der Kritik. Das soziale Netzwerk soll persönliche Daten von 87 Millionen Menschen unrechtmäßig an die britische Analysefirma Firma Cambridge Analytica weitergegeben haben. Mit speziell zugeschnittener Werbung sollte mithilfe der Daten während des US-Wahlkampfs im Jahr 2016 Stimmung für Donald Trump gemacht werden. Auch bis zu 33.568 Nutzer aus Österreich sollen betroffen sein.

Nun musste Facebook-Chef Mark Zuckerberg vor dem US-Kongress Rede und Antwort stehen. Er räumte Fehler ein, doch außer vielen Entschuldigungen kamen keine konkreten Aussagen von ihm, wie die Zukunft von Facebook aussehen wird. Im Grunde ist die ganze Aufregung ohnehin nur für Heuchler. Denn nur der „DAU“ (Dümmste anzunehmende User) dürfte empört sein, dass seine Daten im Social Media -Universum nicht sicher sind.

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Meine persönliche Facebook-Geschichte

Mich schockieren die Schlagzeilen nicht. Nicht einmal ansatzweise. Aus reiner Bequemlichkeit wechselte ich im Jahr 2009 von der Online-Plattform „studiVZ“ zu Facebook. Niemand war mehr auf in Online-Community für Studenten aktiv, Facebook war plötzlich der Ort wo man im Netz mit Freunden kommunizierte. Inzwischen tummeln sich auf der Plattform von Mark Zuckerberg zwei Milliarden Menschen.

Das Ziel lautet: Geld verdienen

Mir ist dabei absolut bewusst, dass Facebook meine Daten speichert. Es ist ein Unternehmen, mit dem Ziel Geld zu verdienen. Ad-Targeting und digitale Werbeanzeigen sind nicht neu. Und nicht nur Facebook nützt Big Data. Seit Jahren häufen Großkonzerne auf externen Servern riesige Datenmengen an, um aus ihrer Analyse Schlüsse ziehen, die sich wirtschaftlich oder auch politisch nutzen lassen. Die ganze Facebook-Diskussion wäre eigentlich überflüssig, wenn die Menschen einfach ihren gesunden Menschenverstand gebrauchen würden und begreifen, dass Daten Macht bedeuten.

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Persönliche Daten mit Gold aufwiegen

Facebook ist einfach nur ein sehr deutliches Beispiel dafür, wie wertvoll persönliche Daten geworden sind. Es fehlt schlicht ein Bewusstsein dafür, dass persönliche Daten, sei es ein Like auf Facebook, ein Chat auf Whatsapp oder der Wochenendeinkauf bei Billa oder die Gesundheitsdaten am Fitness-Tracker, Handelsware geworden sind.

Es kann also nicht darum gehen, Facebook nach eigenen Wünschen zu formen und zu regulieren, sondern vielmehr ein Bewusstsein zu schaffen, dass jeder Einzelne selbst entscheiden muss, welche Daten er mit wem über welche Plattform teilt.

Überraschende Details aus dem Facebook-Archiv

Um sich das Ausmaß vor Augen zu halten, lohnt es sich allerdings das persönliche Facebook- Archiv herunterzuladen und zu durchforsten. Zugegeben, sogar ich, war kurz verwundert, was da so alles zu finden war. Denn im Fokus stand bei mir eigentlich alles, was nicht auf meiner öffentlichen Pinnwand stattfand.

Fotos nicht wirklich von Bedeutung

Nur wenige meiner geposteten Fotos wurden von Facebook gespeichert, interessant waren jedoch alle Aktivitäten die sich im Messenger abspielten. Fast alle privaten Nachrichten die ich geschickt habe, wurden gespeichert. Auch Sprachnachrichten und Videos, die ich ausschließlich über das Handy mittels Whatsapp geschickt habe, waren zu finden.

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Warum haben die meine Kontaktinformationen?

Eine lange Liste von IP-Adressen beweist: Facebook interessiert, wann, wo, wie oft und von welchen Device ich mich einlogge. Insgesamt acht Werbekunden wurden meine Kontaktinformationen weitergegeben. Nur mit Airbnb und Zalando hatte ich über Buchungen bzw. Bestellungen direkten Kontakt.

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Es hat mir wieder gezeigt, dass meine Daten ein Gut sind, das es zu schützen gilt. Denn nichts ist kostenlos auf dieser Welt und das wird auch so bleiben, wenn ein anderer das Monopol von Facebook übernimmt. Diese Erkenntnis passt auch erstaunlich gut zu meiner von Facebook ausgewerteten „Friend Peer Group“. Demnach befinden sich meine Freunde und ich „Mitten im Erwachsenenleben.“

Mehr zum Thema "Facebook-Datenskandal" lesen in der aktuellen Ausgabe von News/Nr.15