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Verkehrte Justiz

Pohl-Position: Ein "Cheeseburger- Räuber" sitzt sechs Monate, ein Mordverdächtiger zwei Tage.

Meinung - Verkehrte Justiz © Bild: NEWS

Die Justiz gilt ja gemeinhin als unantastbar, ihre Entscheidungen – abgesehen vom Instanzenweg – als unverrückbar. Kritik am System gilt in Österreich mancherorts immer noch als Majestätsbeleidigung, der "Herr Rat" als Respektsperson. Die Praxis aber zeigt, das Richter erstens auch nur Menschen sind und zweitens gelegentlich ziemlich fahrlässig. Schauplatz Korneuburg: Ein am Wochenende im Dienst befindlicher Journalrichter verhängt zunächst die U-Haft über den höchst tatverdächtigen Michael K. im Fall Julia Kührer. Stunden darauf entlässt derselbe Beamte den Mann taxfrei aus der Zelle. Begründung: Michael K. sei nicht dringend tatverdächtig. Stärkstes "Argument" für Michael K.s Schuldlosigkeit sei angeblich die Behauptung gewesen, er hätte manche Feinde, man könnte ihm ja die Leiche des Mädchens in seinen Keller gelegt haben. Und sonst? Wo bleiben die Haftgründe "Verdunkelungs-" und "Fluchtgefahr"? So. Und jetzt wechseln wir ans Wiener Landesgericht: Dort saß voriges Jahr der 15-jährige Sebastian R. sechs (!) Monate in U-Haft. Herausgerissen aus der Schule, gedemütigt in der Haft, ohne Familie. Warum? Der Bursch war in einer Gruppe von Jugendlichen, die nach einem banalen Streit einem Gleichaltrigen einen Cheeseburger und eine Zwei-Euro- Münze weggenommen hatten. Sebastian war Zuseher, hatte aber ein abgebrochenes Messer in der Hosentasche. Urteil des Gerichts: "Bewaffneter Raub". Entlassung nach einem halben Jahr. Irgendwo, so meint man, müssen Teile unserer Richterschaft ang’rennt sein. Jedenfalls aber nicht am Stein der Weisen …