Sniper von Wien

Die Justiz macht aus den beiden Burschen Sozialfälle. Leider.

von Meinung - Sniper von Wien © Bild: NEWS

An dieser Stelle aber verliert der Pflichtterminus seine Bedeutung, denn auszugehen ist aufgrund der Ermittlungen und Tatgeständnisse, dass Raphael und Lukas so ziemlich sicher hinter den „Anschlägen“ stecken. So, und jetzt ist die Justiz am Zug: Sie nimmt beide Burschen in U-Haft, denn immerhin drohen für das Delikt der schweren Körperverletzung bis zu fünf Jahre Haft. Und außerdem drohe, so der Staatsanwalt, „Tatbegehungs gefahr“, also eine Fortsetzung der idiotischen Schießübungen auf lebende Ziele. Das ist natürlich vertrottelt, und jeder vernunftbegabte Mensch kann sich denken, dass die beiden nie mehr in ihrem Leben eine Luftdruckwaffe anrühren werden. Aber Recht muss sein, und deshalb wird ihnen eine rechtschaffene Zukunft verbaut. Der eine (Raphael) kann seine Gesellenprüfung als Kfz-Mechaniker vergessen, der andere (Lukas) wohl seinen Job als kaufmännischer Angestellter.

„Sie wollten niemandem wehtun“, sagt Anwalt Normann Hofstätter, und das mag man durchaus glauben. Gestraft genug wären sie im Fall einer Verurteilung ohnehin durch die Privatklagen der Opfer, die insgesamt 100.000 Euro Schmerzensgeld einfordern könnten. Und die Justiz: Sie produziert zwei Häftlinge, die den Staat noch viel Geld kosten werden. Sozial vereinsamt, ohne Job und Perspektive. Raphael R. und Lukas G., zwei zwanzigjährige Burschen aus Wien, gezeichnet fürs Leben …