Meinung von

Nein-Eleven!

Aus dem Gedenken an die Katastrophe wurde ein Kommerz-Event

Meinung - Nein-Eleven! © Bild: NEWS

Wie haben Sie die Tage rund um den 11. September 2011 verbracht? Auch zum 15. Mal auf irgendeinem Privatsender die „Verschwörungsdokus“ gesehen, in denen das „Böse“ abseits der offiziellen Darstellung der Ereignisse rund um die Weltkatastrophe von 9/11 gesucht wurde? Immer wieder, als wolle man die knapp 3.000 Opfer aus den Anschlägen auf das World Trade Center verhöhnen, mit der unausgesprochenen Behauptung: „Seht her, ihr Idioten, ihr Leichtgläubigen – nicht die al-Qaida steckt hinter dem Horror, sondern … Na ja, eben.“

Jetzt ist bis September 2021 endlich Schluss mit dem Quatsch, der uns in atemlosem Staccatissimo vorgeführt wurde: vom doofen Blick des George Walker Bush, als ihm die Nachricht von den Anschlägen ins Ohr geflüstert wurde, bis zur Frage, bei welcher Temperatur Stahl wirklich schmilzt. Was hier stattgefunden hat, war in Wirklichkeit eine „Ver-McDonaldisierung“ einer mit nichts vergleichbaren Tragödie. Lediglich der ORF mit seiner exzellenten Doku am vergangenen Sonntag blieb am Boden des dem Drama Angemessenen, ansonsten regierte quotengeile Nebenverwertung. Absolutes „Kunststück“ dazu lieferte die Pseudodoku „Gestrandet“, in der das vergleichsweise lächerliche Schicksal von Flugpassagieren gezeigt wurde, deren Maschinen aus Sicherheitsgründen auf Neufundland landen mussten. „ServusTV“ machte sich an die „Restverwertung“, in der „Krone“ erschien zum selben Thema ein als Reportage getarnter Schulaufsatz. Was uns wirklich betroffen machen sollte, nämlich der Bruch der Welten in eine westliche Rachegesellschaft und eine radikalmuslimische Gegenbewegung, kam viel zu selten auf den TV-Schirm.