Meinung von

Macht keine Politik auf Kinderseelen!

Pohl-Position von Walter Pohl

Meinung - Macht keine Politik auf Kinderseelen! © Bild: NEWS

In Wien-Ottakring gab es in den frühen 1970er-Jahren kaum bemerkenswerte Freizeitvergnügen für pubertierende Burschen. Außer jenem, sich auf den Weiten des Wilhelminenbergs herumzutreiben. Dort waren sie, die geheimnisvollen Plätze, an denen man ein wenig Nervenkitzel erleben konnte: der Eingang zum ehemaligen Bunker der Nazis gleich neben der Jubiläumswarte, die ausgedehnten Weingärten am Paulinensteig, wo man im Herbst die süßesten Trauben stehlen konnte. Und eben jenes geheimnisvolle Schloss Wilhelminenberg, dieses spukhafte Haus, in dem, wie unsere Eltern uns zuraunten, „die schwer erziehbaren Madln“ hausten.

Mysteriös war das Areal allemal, schon allein deshalb, weil selbst bei Prachtwetter im Sommer nie auch nur eines dieser „Madln“ zu sehen war. Und jetzt? Nach der Offenbarung des Grauens vom Wilhelminenberg geht schon wieder die politische Süppchenkocherei los.

Wie dabei vorgegangen wird, kann als zweite Vergewaltigung der geschundenen Kinderseelen von damals gelten: Die Blauen patzen in üblicher Manier die Roten an, weil ja Wien auch damals schon rot war. Die Schwarzen verweisen auf die „rote“ Irmtraut Karlsson, deren damaliger Bericht über das Heim angeblich zensuriert worden sei. Und die Roten verweisen darauf, dass ja schließlich auch die Schwarzen in Wien einmal in der Regierung waren.

Und was hat das alles mit dem Skandal zu tun? Rein gar nichts. Hier muss über alle politischen Grenzen hinweg aufgeklärt werden, denn das Geschehene ist kein politischer Skandal. Es ist ein fürchterliches Massenverbrechen, für das alle noch leben - den Täter verantwortlich gemacht werden sollten. Und zwar zumindest moralisch …