Meinung von

Ein ganz privater Taxlertest

Pohl-Position von Walter Pohl

Meinung - Ein ganz privater Taxlertest © Bild: NEWS

Eigenrecherche in Sachen Wiener Taxlerqualität. Ich besteige vor wenigen Tagen abends einen Wagen in der Wollzeile. Fahrziel: Löwengasse 36–38, zweimal um die Ecke quasi. Der Taxler, ein sprachlich hervorragend migrierter Serbe, fährt die große Tour über die Vordere Zollamtsstraße und die Weißgerberlände bis zur Rasumofskygasse und dann von hinten in die Löwengasse. Egal. Soll sein.

Er erzählt mir von seinen Problemen als Einzelunternehmer mit nur einem Auto. Ich stimme zu. Dann hält er, und ich zücke meine Visa: „Tut mir leid, Karte geht bei mir nicht.“ Ich: „Wie viel macht’s aus?“ Der Taxler: „10 Euro.“ Nicht schlecht für zwei Kilometer Fahrstrecke. Okay. Zwanzig Meter weiter ist eine Erste Bank. Ich spring raus, aber der Foyeröffner spinnt. Zurück ins Taxi. „Fahren wir rauf zum Bankomaten am Rochusmarkt.“ Der Taxler zischt einen serbischen Fluch zwischen den Lippen hervor, ich, des Serbischen rudimentär mächtig, höre: „Blöder Sohn einer Hure.“ Dann, 300 Meter weiter, spuckt der Bankomat endlich Geld aus. Zurück in die Löwengasse. Halt vor meiner Adresse. „Was macht das jetzt?“ Er: „20 Euro.“ Ich: „Wie bitte? 10 Euro für 600 Meter mehr. Meinen Sie das ernst? Wo ist Ihr Taxameter?“ Schon ausgeschaltet, meint er, weil ich ja ausgestiegen bin. Ich, mit erhöhtem Blutdruck: „Meinen Sie das ernst?“ Replik: „Okay. Sagen wir 12 Euro, aber ohne Rechnung.“ Ich zahle, steige aus und denke: „Blöder Sohn einer Hure.“

Andere hätten sich das Kennzeichen notiert und den Vorfall der Innung gemeldet. Aber sei’s drum: Es wird schon seinen Grund haben, warum das Wiener Taxigewerbe kürzlich in einer Studie als eines der miesesten Europas eingestuft wurde.

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