Meinung von

"Dass beide Eltern da sind"

Gastkommentar von Familienrichterin Doris Täubel-Weinreich

Meinung - "Dass beide Eltern da sind" © Bild: NEWS

Wenn Tom Cruise und Katie Holmes um Suri streiten, schaut die Welt zu. Was in Österreich passiert, wenn Eltern streiten, erklärt die Familienrichterin.

Bei der anstehenden Reform des Obsorgerechts geht es darum: Das Gericht soll auch gegen den Willen eines Elternteiles eine Obsorge beider Eltern festlegen können, dabei muss es auch aussprechen, ob das Kind bei Mama oder Papa seinen Hauptwohnsitz hat. Es wird viele Gerichtsentscheidungen geben, bei denen eine Obsorge beider Elternteile auch dann im Kindeswohl ist, wenn die beiden nicht miteinander können. In höchsteskalierten Fällen oder bei Gewaltbeziehungen wird das wohl nicht der Fall sein. Es gibt keine Automatik, aber doch die Wertung des Gesetzgebers, dass Mama und Papa für ein Kind nach der Trennung wichtig sind.

Die Reform sollte ein Denkanstoß für Paare sein, die sich trennen. Welche Regelung passt am besten für unser Kind? Wie reagiert das Kind auf die Trennung? Wie kann ich das Kind unterstützen, auch wenn ich selbst nicht weiß, wie es weitergeht? Die im Gesetzesentwurf vorgesehene Möglichkeit, dass Eltern zu einer Familien-/Erziehungsberatung geschickt werden können, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Denn gute Lösungen auf Dauer können nur die Eltern selbst finden. Als Richterin treffe ich nach sorgfältiger Prüfung eine Entscheidung, die das Leben eines Kindes ganz entscheidend prägt.

Am Ende gibt es einen Gewinner und einen Verlierer und ein Kind, das schon sehr früh den Begriff Obsorge kennengelernt hat. Aus Kindersicht sind funktionierende Kontakte zu beiden Elternteilen am wichtigsten und dass beide weiter „da“ sind. Das sollte bei der zeitweise hitzigen Obsorgediskussion immer bedacht werden, denn es geht hier nicht um Väter- bzw. Mütterrechte, sondern um das Kind.