Meinung von

Börsenflop einer virtuellen Firma

Pohl-Position von Walter Pohl

Meinung - Börsenflop einer virtuellen Firma © Bild: NEWS

Das war Balsam auf unsere in Geiselhaft der Broker und Banker stehenden Psyche! Der Börsengang von Facebook, seit Monaten als großer Wurf angekündigt, floppte in den ersten Tagen wie ein Luftballon, der auf einen Igel fällt. Am vergangenen Freitag gestartet, sackte der Kurs der Tratschbörse vom Ausgabewert 37 Dollar bis Dienstagmittag auf 34 Dollar. Dabei hatten die Mammonisten ein ganz anderes finanzielles Drehbuch geschrieben: Facebook sei Wissen, Wissen sei Macht und Macht deshalb wertvoll. Die Aktie würde wie eine Rakete abfahren.

Alles vollkommener Quatsch! Was uns auf der Welt etwas wert ist, ist immer noch haptisch definiert. Das heißt, man muss es angreifen können. Oder jedenfalls muss es physisch vorhanden sein: Gold, Diamanten, Häuser, Autos, Handys, Erdöl oder die Beine von David Alaba. Wertbeständig in der Geschichte der Wirtschaft waren letztlich immer real existierende Dinge. Facebook hingegen ist ein virtuelles Konstrukt, eine zweifellos geniale Idee, die über Megaserver und Glasfaserkabel rund um die Welt gejagt wird. Facebook hat keinen Pulsschlag wie David Alaba, keine Stückverkaufszahlen wie BMW, aber auch keine Handwerksqualität von Meißner Porzellan. Die gedämpfte Kursentwicklung der Facebook-Aktie entspringt vielleicht auch dem Verständnis vernunftbegabter Menschen, dass eine Firma, die lediglich virtuelle Werte besitzt, auch nur einen virtuellen Wert hat. Und schon morgen kann ein kalifornischer ITFreak daherkommen und die Lokomotive Facebook in wenigen Jahren durch eine Schnellbahn ersetzen. Dann ist das Phänomen Facebook Geschichte und wertlos.