Meine Tage des Grauens: NEWS über den
Report eines verzweifelten Palästinensers

"Ich weiß nicht, ob ich morgen noch leben werde!" Livebericht aus der Kriegshölle im Gazastreifen

Meine Tage des Grauens: NEWS über den
Report eines verzweifelten Palästinensers

Sollte ich nicht mehr weiterberichten, bin ich entweder tot oder geflüchtet. Die Granaten schlagen bereits nahe bei meinem Haus ein. Betet für mich! Betet für mich …" Ein Aufruf, der betroffen macht, der aufrüttelt und der direkt von dort kommt, wohin längst kein westlicher Journalist mehr gelangt: vom Gazastreifen, einem Fleckchen Land, nicht einmal 40 Kilometer lang und 10 Kilometer breit, völlig abgeriegelt und seit zwei Wochen Kriegsschauplatz.

Zusammengepfercht auf einer Fläche kleiner als Wien, hausen hier 1,5 Millionen Palästinenser unter Bedingungen, die von Tag zu Tag verheerender werden. Der 23-jährige Sameh Habeeb ist einer von ihnen.

Livebericht aus der Kriegshölle
Er ist hier geboren und aufgewachsen, hat studiert und nebenbei als Journalist gearbeitet. Auf einem Foto zeigt er sich mit weißem Hemd und schwarzer Krawatte und wirkt wie ein junger Mann, um dessen Zukunft es gut bestellt ist. Doch seit zwei Wochen besteht seine Gegenwart bloß noch aus Krieg, und Habeeb berichtet über diesen, so gut es geht, auf seinem Blog www.gazatoday.blogspot.com.

Er schildert dort, wie die israelische Armee seine Heimat zuerst aus der Luft unter Beschuss nahm und nun mit Bodentruppen Haus für Haus vorrückt. NEWS gelang es, Sameh Habeeb trotz Dauerbeschuss telefonisch zu erreichen. "Es ist ein Alptraum", sagt er hastig, "ständig kreisen Apache-Hubschrauber über unserem Viertel, aus Kampfjets werden Raketen abgeworfen, ich höre Detonationen, weinende, kreischende Menschen und sehe in der Ferne Rauchwolken aufsteigen." Dann beginnt er zu erzählen, wie er das Grauen des Krieges Tag für Tag hautnah erlebt.

Unvermeidbarer Krieg
Einen Krieg, den Israels abtretender Premier Ehud Olmert als unvermeidbar bezeichnet hat, nach all dem, was in den dreieinhalb Jahren seit dem Rückzug der Israelis aus dem Gazastreifen dort geschehen war. In dieser Zeit ist es der radikalislamischen Hamas gelungen, die totale Kontrolle über den schmalen Küstenstreifen zu erlangen. Der Alptraum Israels wurde wahr: radikale Gotteskrieger, die Moscheen errichten, sich gegenüber ihren Anhängern generös zeigen und so das Volk auf ihre Seite bringen, ihre Gegner aber grausam verfolgen und die Auslöschung Israels als Ziel haben.

Mit selbst gebauten Raketen, die die Hamas-Kämpfer aus Erdlöchern oder Wohnungen über die Grenze ziellos nach Israel schossen, reizen sie den Gegner bereits seit Jahren. Über 10.000 Raketen prasselten seit 2001 auf grenznahe Städte in Israel nieder und töteten meist unschuldige Zivilisten. Vor Weihnachten dann die Eskalation: Die Hamas schmuggelte durch selbst gegrabene Versorgungstunnels neue Raketen ins Land, die wohl aus dem Iran stammten. Und die schlagen plötzlich nicht mehr nur nah der Grenze ein, sondern auch in Städten, die bis zu 40 Kilometer im Hinterland liegen.

"Druck auf Israel wird größer
Und seither fand Ben Segenreich wenig Ruhe. Schon 19 Jahre berichtet der Nahostexperte für den ORF aus Israel. Seit Weihnachten ist er im Dauereinsatz. Dabei weiß der Korrespondent, dass die Zeit nicht aufseiten Israels steht: "Je länger der Einsatz andauert, ohne dass die Hamas-Raketenangriffe stoppen, desto größer wird der Druck der Weltöffentlichkeit auf Israel. Denn aus medialer Sicht steht das Land angesichts der Kraft der Bilder aus dem Gazastreifen auf verlorenem Posten" (siehe Interview).

Die Kraft der Bilder, die abends über den Bildschirm flimmern und untertags in den Zeitungen auftauchen. Es sind Bilder von weinenden Müttern, die den Tod der Kinder betrauern, es sind Bilder von Dutzenden Leichen unschuldiger Zivilisten, die zu Opfern der Angriffe wurden, es sind Bilder schreiender Babys in Krankenhäusern, die kaum noch versorgt werden können. Es sind Bilder, wie sie der Blogger Sameh Habeeb täglich vor Augen hat.

"Wände waren voll von Blut.""Erst heute war ich in einem Krankenhaus", schildert er NEWS, "in dem die Wände vom Blut rot getränkt waren, in dem die Ärzte kaum noch Medikamente hatten, um die Schmerzen der ständig steigenden Zahl von Verletzten zu lindern."

(apa/red)