Leben von

Meine Fan-Tour: Tag 3

Wie konnte das denn nur passieren? Ratlosigkeit so weit das Auge reicht.

Leben - Meine Fan-Tour: Tag 3 © Bild: APA/HERBERT NEUBAUER

Dabei hat alles so perfekt begonnen. Als wir knapp nach 13 Uhr in unserem Ibis-Hotel in Bordeaux Lac eintreffen, trauen wir unseren Augen nicht: Direkt gegenüber auf dem Parkplatz des Pullman Hotels steht der offizielle Bus unserer Nationalmannschaft. Der zweite Blick macht uns sicher. Mehrere Mannschaftswagen der Gendarmerie stehen vor dem Hotel und auf der Terrasse gegenüber machen mehrere hundert Fans kräftig Stimmung. Knapp nach 16 Uhr ist es endlich so weit. Ein Spieler nach dem anderen besteigt den Bus, fast jeder winkt den Fans freundlich zu, auch Teamchef Marcel Koller, der als Letzter einsteigt.

So nahe waren wir unseren programmierten Euro-Helden noch nie, seit wir in Frankreich angekommen sind. Die Vorfreude auf das Spiel gegen Ungarn ist grenzenlos, noch dazu, wo wir Verstärkung von zu Hause bekommen haben. Unser Bruder hat mit seinem Sohn am Vormittag in Wien den Fan-Charterflug nach Bordeaux genommen. Jetzt kann nichts mehr schiefgehen. Immerhin waren wir drei Brüder schon vor 26 Jahren live dabei, als Österreich in Florenz den letzten glorreichen Sieg bei einem großen Turnier gefeiert hat. 1990 bei der WM in Italien haben wir nämlich die USA in die Knie gezwungen. Warum sollte uns das ausgerechnet gegen die seit Jahren fußballerisch schwächelnden Ungarn nicht gelingen?

Ein paar Stunden später ist alles anders. Statt Himmelhochjauchzend herrscht tiefste Tristesse. Während die ungarischen Fans ihr Glück kaum fassen können, schleichen wir Österreicher mit hängenden Köpfen aus dem wunderschönen neuen Stade de Bordeaux. Wie konnte das denn nur passieren? Ratlosigkeit so weit das Auge reicht. An einem solchen Tag ist uns verständlicherweise nach gar nichts mehr zumute. Den geplanten Ausflug in das Nachtleben von Bordeaux haben wir kurzerhand storniert. An einem Trauertag wie diesem sehnst du dich nur mehr danach, den Schock allein auf deinem Hotelzimmer zu verarbeiten. Unseren Spielern geht es wahrscheinlich nicht anders.

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