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Meine Fan-Tour: Tag 2

So spürte News-Redakteur Tino Teller den "Geist von Mallemort"

Leben - Meine Fan-Tour: Tag 2 © Bild: GEPA pictures/ Christian Ort

Und weg sind sie. Dabei haben wir uns so gefreut, unsere EM-Helden in spe vor dem ersten Spiel zumindest durch das Gebüsch zu beobachten. Der Plan schien brillant: Loch 2 (oder wie es hier heißt: trou deux) des Golfplatzes von Pont Royal führt nämlich direkt vorbei an der Poolterrasse des Mannschaftshotels. Ein kleiner absichtlicher Fehlschlag – und wir würden bei der Suche nach dem Ball unbeabsichtigt dem leibhaftigen Marko Arnautovic gegenüberstehen.

Wie gesagt, unser Plan war zwar grenzgenial, konnte aber den Realitäten einer Euro nicht ganz standhalten. Erstens wurde die linke Seite der Spielbahn während des Aufenthaltes des Nationalteams von der Gendarmerie Nationale kurzerhand zur Ausgrenze erklärt. Wer trotzdem versucht, seinen verlorenen Ball aus der Verbotszone herauszuholen, muss im schlimmsten Fall mit seiner Verhaftung rechnen. Und zweitens war der Teamtross zum Zeitpunkt, als wir auf dem Abschlag von Loch 2 standen, längst Richtung Flughafen Avignon unterwegs. Trotzdem haben wir durch das Gebüsch einen Blick auf den Pool und die Terrasse erhaschen können, wo unsere Euro-Stars entspannen – wenn sie anwesend sind.

Trotzdem: So nah dran an der Nationalmannschaft waren wir noch nie. Wir haben immerhin so etwas wie den „Geist von Mallemort“ spüren können. Und als Draufgabe gelingt dem kleinen Bruder sogar ein sogenanntes Sandy Par. Über den weiteren Verlauf der Golfrunde breiten wir lieber den Mantel des Schweigens. Kein Wunder: Wer kann sich schon konzentrieren, wenn am nächsten Tag das Spiel der Spiele auf dem Plan steht: Ungarn gegen Österreich.

Wobei es für den ungeübten Fan in Frankreich nicht leicht ist, die EM im Fernsehen zu verfolgen. Jedes Spiel läuft auf einem anderen Sender. Die Suche nach der richtigen Taste der Fernbedienung wird so zum Lotteriespiel. Unverständlicherweise haben sie hier in Mallemort jede Menge rot-weiß-rote Fahnen aufgehängt, aber keiner ist auf die Idee gekommen, zumindest ORF eins vom Satelliten runterzuholen. Wie immer lernt man bestimmte österreichische Gewohnheiten erst zu schätzen, wenn man ein paar tausend Kilometer weit weg ist. Bei uns daheim werden alle EM-Spiele auf einem ORF-Kanal gezeigt. Das sei all jenen Raunzern ins Stammbuch geschrieben, die das gebührenfinanzierte Staatsfernsehen für ein Teufelswerk halten.

Andererseits hat das wilde Surfen durch den französischen Euro-Senderdschungel auch seinen Reiz. Da kann es passieren, dass auf ITV bei der Partie Spanien gegen Tschechien plötzlich Lothar Matthäus in tadellosem Englisch Expertisen abgibt. 1999, bei seinem Gastspiel bei den New York Metro Stars, hat der ehemalige Weltfußballer für den Satz „I hope, we have a little bit lucky“ noch Spott und Häme geerntet. Einmal mehr der Beweis, welch unglaublich positiven Einfluss Frauen auf die Weiterentwicklung des Mannes haben. Aber das führt jetzt wirklich etwas weg vom Thema.

Wir können den Anpfiff des ersten Spiels der Österreicher bei der Euro 2016 nicht mehr erwarten. Glücklicherweise haben wir unsere Matchkarten nicht daheim vergessen. Die 4.000 Kilometer hin und retour würden wir bis Dienstag, 18 Uhr, wahrscheinlich nicht mehr schaffen.

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