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Meine Fan-Tour: Tag 1

News-Redakteur Tino Teller fährt 2.000 Kilometer mit dem Auto zu einem Fußballmatch

ÖFB in Frankreich bei der EM 2016 © Bild: APA/AFP or licensors

Wer fährt 2.000 Kilometer mit dem Auto zu einem Fußballmatch? Richtig, ein Fan der österreichischen Nationalmannschaft. Wobei das in meinem Fall nicht ganz stimmt, denn gefahren ist mein kleiner Bruder Wolfgang, ich war nur Beifahrer und habe den kleinen Schirm des Navigationssystems zwölf Stunden lang nicht aus den Augen gelassen.

Zugegeben, wir sind die 2.000 Kilometer nicht in einem durchgefahren. Auf dem Weg von Wien nach Frankreich haben wir den ersten Stopp schon nach 120 Kilometern im Südburgenland eingelegt, aber danach war Schluss mit lustig. Knapp zwölf Stunden haben wir gebraucht bis Mallemort, wo Teamchef Marcel Koller „seine Jungs“ einquartiert hat, mitten im Nirgendwo zwischen Aix-en-Provence und Avignon, mitten in der Provinz also, weit weg vom Schuss.

Obwohl wir in der Ferienanlage Domaine Pont Royal direkt neben dem Österreicher-Hotel wohnen, haben wir „unsere Jungs“ noch nicht zu Gesicht bekommen. Die leben und trainieren anscheinend völlig abgeschottet vor sich hin. Zu Gesicht bekommen einzelne Spieler oder den Teamchef nur die offiziell akkreditierten Journalisten bei den täglichen Pressekonferenzen. Der ORF überträgt live, aber hier im Feriendorf können wir dieses Programm nicht empfangen.

Also auf zum Sonntagsfrühschoppen nach Mallemort. Wir sitzen im Gastgarten visavis vom Marktplatz. Das kleine Bier kostet übrigens 2,20. Plötzlich parkt sich ein Auto mit steirischem Kennzeichen ein, dann noch eins und schließlich sogar ein Wohnwagen im rot-weiß-roten Fan-Design. Eine Gruppe von Oststeirern aus Bad Gleichenberg wollte auf dem Weg zum ersten Gruppenspiel gegen Ungarn in Bordeaux am Dienstag noch bei der Nationalmannschaft vorbeischauen. Sie haben auf der ÖFB-Homepage gelesen, dass zumindest die ersten 15 Minuten des heutigen Nachmittagstrainings „öffentlich“ sind. Ein Irrtum. „Öffentlich“ bezieht sich auf die akkreditierten Journalisten. Nur die dürfen eine Viertelstunde lang zuschauen, bevor die Rollbalken wieder runtergehen.

Die Männer aus der Steiermark ziehen enttäuscht von dannen und machen sich vorzeitig auf den Weg nach Bordeaux. Was heißt vorzeitig: Von Mallemort nach Bordeaux sind es noch einmal gut 600 Kilometer. Wir fahren erst am Matchtag, also am Dienstag, dafür um sechs Uhr früh. Dann sind auch unsere ersten 2.000 Kilometer voll. Und das alles nur wegen eines einzigen Fußballmatches.

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