"Mein Sohn ist unschuldig": Mutter wehrt
sich - Ihr Patrick der Derby-Böller-Werfer?

16-Jähriger wird verdächtigt, Kock verletzt zu haben NEWS: Mutter nimmt ihn in Schutz - 'Hat nichts getan'

"Mein Sohn ist unschuldig": Mutter wehrt
sich - Ihr Patrick der Derby-Böller-Werfer? © Bild: NEWS/Deak

Claudia R. ist eine patente Person. Sie achtet penibel darauf, dass ihr Sohn Patrick pünktlich zur Berufsschule geht, dass ihm immer ordentlich die Haare geschnitten werden, dass seine Sachen gewaschen und gebügelt sind. Und seit zwei Monaten auch darauf, dass ihr Sohn nur ja kein Match der Wiener Austria mehr besucht. Denn Patrick ist einer der „Boys Viola“, jener Fangruppe der Violetten vom Horr-Stadion, die ihrem Team zu allen Matches nachreist und bei Heimspielen am Wiener Verteilerkreis ohnehin in voller Kampfstärke vertreten ist.

Aber Patrick R. ist noch mehr: nämlich genau jener Fan, der nun von der Polizei beschuldigt wird, Rapid-Goalie Georg Koch beim Derby zwischen Rapid und Austria durch einen Böllerwurf schwer verletzt zu haben. Damals, am 24. August 2008, als „St. Hanappi“ kochte und plötzlich, fünf Minuten nach Spielbeginn, die Partie vor dem Abbruch stand. Grund: Aus dem Fansektor der Austrianer, so viel steht fest, war ein Knallkörper der Marke „La Bomba“ in den Torraum des grün-weißen Schlussmannes geworfen worden. Koch wurde, in der Absicht, das Geschoß zu entfernen, durch die Explosion schwer verletzt: „Schwerer Schock, Gehörtrauma“ sollten später diagnostiziert werden, Koch steht mittlerweile längst nicht mehr in Diensten des SK Rapid und ist in seine Heimat Deutschland zurückgekehrt.

Akt beim Staatsanwalt
Der zugehörige Akt jedoch ist vor wenigen Tagen an die Staatsanwaltschaft Wien weitergeleitet worden. Und darin wird Patrick R. als „Beschuldigter“ geführt: „Verdacht der schweren Körperverletzung“, bedroht mit bis zu drei Jahren unbedingter Haft. „Er war’s nicht, ganz bestimmt nicht“, sagt Mutter Claudia R. nun im NEWS-Interview, das sie gegeben hat, um ihrer Verzweiflung Gehör zu verschaffen. Und es ist nicht nur der Schutzreflex für ihren Sohn, der die Verteidigung der Frau Mama glaubwürdig erscheinen lässt. Die 35-Jährige lässt zunächst ihn selbst sprechen: „Natürlich war ich im Fansektor der Austria. Ich habe mit ein paar Bekannten aus unserer Gruppe gesprochen, als plötzlich Knallkörper geworfen wurden. Dann sah ich plötzlich, wie der Koch am Boden lag.“

Mit Fan "abgeklatscht"?
Ziemlich different die Darstellung der Polizei: Patrick habe den Knallkörper von einem anderen Austria-Fan übernommen, gezündet, aufs Spielfeld geworfen und, als Koch zu Boden ging, dann noch mit diesem Fan „abgeklatscht“. Das würden die Videoaufzeichnungen des Austria-Fansektors beweisen. Außerdem habe er sich nach dem Vorfall über seinen bis dahin nackten Oberkörper ein T-Shirt und eine Windjacke angezogen, um eine Identifikation unmöglich zu machen. Fakt ist: Unmittelbar nach dem Match nahm die Polizei einen ursprünglich Tatverdächtigen fest, der durch die Videoaufzeichnungen während des Vorfalls aufgefallen war. Jedoch: Der Bursch wurde schon wenig später freigelassen.

Patrick besuchte weitere Austria-Spiele, etwa jenes gegen Mattersburg am 24. 9. 2008. Und sagt jetzt, irgendwie logisch nachvollziehbar: „Jeder hat gewusst, was mit dem Georg Koch passiert ist. Wäre ich der Täter gewesen, hätte ich doch keinen Fuß mehr auf einen Fußballplatz gesetzt.“ Im Stadion habe man ihn zum Verhör bei der Fanpolizei geschleppt. Tenor der Einvernahme, aus der Sicht des Buben: „Du hast was ausg’fressen!“ Wenig später wurde Patrick mit Polizeischutz wieder auf die Stadiontribüne geleitet. „Was sind das für Methoden!?“, beklagt seine Mutter. Und: „Mein Sohn wird wie ein Verbrecher behandelt.“

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