Fakten von

"Mein Kampf": Die Legende
vom ungelesenen Bestseller

Das wohl umstrittenste Buch deutscher Geschichte kommt wieder auf den Markt

Adolf Hitlers "Mein Kampf" © Bild: AFP PHOTO / DPA / MATTHIAS BALK

Anfang 2016 ist es soweit: Das wohl umstrittenste Buch der deutschen Geschichte, Hitlers "Mein Kampf", kommt wieder auf den Markt - in einer kommentierten, wissenschaftlichen Ausgabe. 70 Jahre war die NS-Kampfschrift aus den Buchhandlungen verbannt. Nun aber fällt das Urheberrecht, das bisher der Freistaat Bayern innehatte.

Das jahrzehntelange Verbot habe das Buch erst recht zu einem Mythos gemacht, findet der Journalist Sven Felix Kellerhoff, der sich intensiv mit der Geschichte von "Mein Kampf" auseinandergesetzt hat. "Verbote machen attraktiv", kritisiert er, und Legenden entstünden "glänzend auf dem Nährboden der Unwissenheit". Mit einigen Legenden räumt er in seinem Sachbuch "Mein Kampf. Die Karriere eines deutschen Buches" nun auf.

Kein "ungelesener Bestseller"

Um es gleich vorweg zu sagen: Ein "ungelesener Bestseller", wie vielfach behauptet, war "Mein Kampf" nicht. Mit Millionen Exemplaren allein in Deutschland war der zweibändige, rund 800 Seiten starke Wälzer tatsächlich ein Verkaufsschlager. Doch es stimmt nicht, dass er in vielen Wohnzimmerregalen nur vor sich hin staubte. Es lasen das Buch wesentlich mehr Deutsche als vermutet.

Kellerhoff zitiert aus zwei repräsentativen Umfragen der amerikanischen Militärregierung direkt nach dem Krieg. Danach hatte etwa jeder fünfte Deutsche "Mein Kampf" teilweise oder sogar ganz gelesen. Wenigstens zwölf Millionen Deutsche kannten "Hitlers Buch aus eigener Anschauung und mehr als nur oberflächlich".

Erfolg anfangs eher bescheiden

Dabei war der Erfolg anfangs eher bescheiden. Hitlers Kalkül, sich mit den Tantiemen von "Mein Kampf" finanziell zu sanieren, schien zunächst nicht aufzugehen. In den ersten vier Jahren wurden ganze 23.000 Exemplare verkauft. Die Absatzzahlen wurden erst besser, als eine preisgünstige "Volksausgabe" auf den Markt kam, und natürlich mit den rasanten Wahlerfolgen der NSDAP ab 1930.

Als die Nationalsozialisten drei Jahre später an die Macht kamen, stiegen die Verkäufe von "Mein Kampf" noch stärker an als die Mitgliederzahl der Partei. Im Oktober 1933 wurde das millionste Exemplar ausgeliefert. Finanziell wurde das Ganze für Hitler damit doch noch zu einem einträglichen Geschäft. Mit der Steuerehrlichkeit hielt er es allerdings nicht allzu genau.

So machte er exorbitante und ungerechtfertigte Werbungskosten geltend. Von den über 1,2 Millionen Reichsmark, die Hitler 1933 mit "Mein Kampf" verdiente, setzte er die Hälfte als Werbungskosten ab. Man ließ es ihm durchgehen. Ab 1935 verschwand der "Führer" und Reichskanzler dann ganz aus dem Blick der Finanzverwaltung. Die Tantiemen gingen nun umgehend und ganz ohne Abzüge auf sein Privatkonto.

Eklatante sprachliche Mängel

Über die eklatanten sprachlichen Mängel von "Mein Kampf" - die falschen Bilder, die grammatikalischen Schnitzer, das schmalzige Pathos - ist schon viel gelästert worden. Und auch Kellerhoff hält das Werk für "intellektuell minderwertig" und eine "wirklich harte Lektüre". Doch trotz dieser Defizite wurde "Mein Kampf" ein Erfolg. Warum? Weil es die Erwartungen der Zielgruppe etwa mit den Kernthemen "Rassenhygiene" und "Lebensraum" passgenau erfüllt habe. Es bediente "perfekt die Affekte völkisch-antisemitischer Kreise, zudem mit einer buchstäblich überwältigenden Rhetorik". Und einer dröhnenden Redundanz. Kaum vorstellbar, dass der heutige Leser dem noch auf den Leim geht. Bald kann sich jeder selbst ein Bild machen.

Sven Felix Kellerhoff: "Mein Kampf. Die Karriere eines deutschen Buches", Klett-Cotta Verlag, Stuttgart, 368 Seiten, 25,70 Euro

AKTUELLE MELDUNGEN ZUM THEMA

Amazon will Erlöse spenden. Der Buchhandel hat unterschiedliche Wege gefunden, mit einer kommentierten Neuausgabe von Adolf Hitlers Hetzschrift "Mein Kampf" umzugehen. Der Onlinehändler Amazon will Erlöse aus dem Verkauf der Edition, die das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) in München im Jänner veröffentlicht, für gemeinnützige Zwecke spenden, wie ein Sprecher sagte.

"Mein Kampf" im Schulunterricht. Der Deutsche Lehrerverband will die kommentierte Neuausgabe von Hitlers "Mein Kampf" bundesweit im Schulunterricht einsetzen. "Eine professionelle Behandlung von Textauszügen im Unterricht kann ein wichtiger Beitrag zur Immunisierung Heranwachsender gegen politischen Extremismus sein", sagte Verbandspräsident Josef Kraus dem "Handelsblatt".

Kommentare

Carlos Gomes

Es ist immer sehr interessant zu sehen, wie man in Deutschland versucht, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Da ist nicht nur der Umgang mit dem III. Reich, sondern auch mit der DDR-Zeit ein hoch umstrittenes Thema. Zum Umgang mit dem Leninkult gibt es inzwischen ein interesein interessantes Projekt: www.leninisstillaround.com

Viele werden jetzt die "wissenschaftliche Ausgabe" kaufen. Die Werbung dafür ist unerträglich. Es ist jedenfalls nicht wert, dieses Buch zu lesen. Und Historiker hatten bisher immer die Möglichkeit dazu.
Was Schüler daraus lernen können? Dass Hitler noch schlechter die deutsche Syntax und Orthographie beherrschte als der Klassenschlechteste.


neusiedlersee melden

Seit Jahrzehnten besitze ich eine Ausgabe des Buches. Verboten war das Buch nicht. Aber Medien dürfen alles schreiben. Niemand überprüft das. Das Copyright hat sich Bayern angeeignet. Öffentlich gehandlet durften in Ö. keine Gegenstände werden auf denen das Hakenkreuz abgebildet ist.
Bücher zu verbieten war Sache der kath. Kirche und des Hitlerreichs.


Oberon
Oberon melden

Nicht der Besitz des Buches war verboten, sondern die Herausgabe, und auch der Verkauf von "Altwerken". Hätten SIE das versucht und wären an den "falschen" Käufer gelangt, hätten Sie ein Problem gehabt.
Vielleicht hatte das Bücher verbieten im Hitlerreich oder im Namen der kath. Kirche ihre Hoch-Zeit, aber auch später gab's noch reichlich Verbote.

neusiedlersee melden

Aber News schreibt - wieder einmal ab - das Buch war verboten.
Das eben ist falsch.
Ich hätte weder dieses noch irgendein anderes Buch verkauft. Außerdem bin ich nicht sicher, ob der Verkauf verboten war. Verboten war, das Buch öffentlich anzubieten.



neusiedlersee melden

Eine Neuauflage vom Buch war nicht möglich, da das Copyright in Ö wie i.d. BRD erst am Ende des siebzigsten Jahres nach dem Tod des Autors erlischt.
Das Copyright befand sich, meiner Meinung nach widerrechtlich angeeignet, im Eigentum des Landes Bayern. Die rechtmäßigen Erben wurden übergangen.



neusiedlersee melden

Ich besitze übrigens eine ganze Menge an Naziliteratur. Es gab eine Zeit der Dachbodenentrümpelungen in Wien. Da habe ich kofferweise solche Bücher+Zeitungen nach Hause geschleppt.
Manche der Bücher sind noch schlechter geschrieben als "Mein Kampf".

Roland Mösl
Roland Mösl melden

Wenn die Deutschen das Buch auch gelesen hätten, anstatt es nur ins Bücherregal zu stellen, Hitler wäre nie an die Macht gekommen.

Oberon
Oberon melden

Ich glaube nicht, dass zu einer Zeit, wo der einfache Arbeiter nur von der Hand in den Mund lebte jemand ein Buch gekauft hat. Bücher/Bildung war immer relativ teuer, und wer nichts am Teller hat, geht kaum in eine Buchhandlung. Gelesen hat es sicher nur die Oberschicht.
Hohe Arbeitslosigkeit, schlechte Wohnbedingungen, keine Hoffnung auf Änderung, machten Hitler stark. Mit seinen Reden........

Oberon
Oberon melden

....etwas dagegen zu tun, hat er den Nerv der Zeit getroffen
und den Menschen das Gefühl gegeben, wichtig zu sein. In die Zukunft schauen konnte - leider - keiner...!

neusiedlersee melden

Dieses Hitlerbüchel ist im Stil jener Zeit voll mit dem Gedankengut jener Zeit von einem Provinzler geschrieben.

neusiedlersee melden

Was sollen Schüler +heutige Menschen daraus lernen? Nichts! Bitte kauft dieses Buch nicht!
Es wird genug Textstellen im Internet daraus geben. Hitler war eine Null. Erst als sich oder als man andere Nullen an ihn angehängt haben/hat, ist eine gefährliche Größe aus ihm geworden.
Dieses Buch hat den Nationalsozialismus nicht groß gemacht.
ES WAREN DIE MÄCHTIGEN + DIE OHNMÄCHTIGEN ! ! !

Oberon
Oberon melden

So leicht bin ich nicht zu beeinflussen, daher kaufe ich dieses Buch nicht. Die TV-Doku muss reichen. Ein Buch kann niemanden groß machen, persönliches Auftreten und eine ausgefeilte Rhetorik, auf die Zuhörer zugeschnitten, ist eher wirksam. Außerdem - groß hat A.H. die sogenannte Oberschicht gemacht, die - vorerst - auf seiner Seite war und seine Taten als nicht so schlimm ansah. Diese ........

Oberon
Oberon melden

.... Menschen hatten die Bildung, hätten Hitler daher durchschauen könne, wenn sie das nur gewollt hätten!

neusiedlersee melden

... wie ich schreibe: "Die Mächtigen."
A.H. war so lächerlich, dass die Oberg'scheiten meinten ihn am Bandl führen zu können. Bald aber hatte SS hatte Macht übernommen - auch gegenüber der Wehrmacht.
Die Generale fühlten sich an einen Eid gebunden, da der Nationalsozialismus wie eine Religion geführt wurde.
Darum: Verbannt Religionen ins Private. Sie haben im politischem Leben nichts verloren


Oberon

Vor 10 Tagen hat's auf ARTE eine Doku über "Mein Kampf" gegeben. Ich habe sie mir aufgenommen, weil ich bis heute nicht weiß, worum genau es in dem Buch geht. Gesehen habe ich die Sendung noch nicht, die hebe ich mir bis nach Weihnachten auf.

Seite 1 von 1