Mehrere Tote durch Luftangriffe von Israel:
Reaktion auf Beschuss durch Hamas-Raketen

Israel schließt Zugänge zu den Palästinensergebieten Präsident Abbas sieht Friedensgespräche gefährdet

Mehrere Tote durch Luftangriffe von Israel:
Reaktion auf Beschuss durch Hamas-Raketen © Bild: Reuters/Salem

Die israelische Armee hat ihre Einsätze in dem von der radikalen Palästinenserbewegung Hamas beherrschten Gaza-Streifen fortgesetzt. Während eines Luftangriffs wurden im Flüchtlingslager Jabalia mindestens zwei Palästinenser getötet, davon ein 17-Jähriger. Bei einer Armeeoperation im Westjordanland wurde ein Aktivist der Fatah-Bewegung des palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas getötet. Israel droht damit der wichtigste Ansprechpartner auf palästinensischer Seite abhandenzukommen. Wie die "Jerusalem Post" meldete, hat Abbas mit Rücktritt gedroht, sollte Israel seine Angriffe nicht einstellen. Er habe seinen Standpunkt in mehreren Telefongesprächen mit führenden arabischen, amerikanischen und EU-Politikern deutlich gemacht.

Seit Beginn der Eskalation wurden 32 Palästinenser bei israelischen Einsätzen im Gaza-Streifen getötet. Palästinensische Extremisten feuerten in diesem Zeitraum mehr als 150 Kassam-Raketen auf Israel ab, rund 40 allein am Donnerstag. Am Freitagmorgen gingen auch wieder Raketen auf die Stadt Ashkelon nieder. Verletzt wurde niemand. Die Israelis haben die Schließung sämtlicher Grenzübergänge zum Gaza-Streifen verfügt.

Der palästinensische Präsidentenberater Nabil Abu Rudeina sagte in Ramallah: "Niemand kann mit den Verhandlungen fortfahren, wenn die jetzige Situation andauert." Die palästinensische Führung hatte die USA am Donnerstag um eine "rasche Intervention" zur Beendigung der israelischen Militärschläge gebeten. Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat die fortdauernden Luftangriffe auf Ziele in dem von Israel zum "Feindgebiet" erklärten Gaza-Streifen als "Krieg" bezeichnet. UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon hat sich "tief besorgt" über die Eskalation der Gewalt geäußert und alle Seiten zu Zurückhaltung aufgefordert.

Militäraktionen werden verschärft
Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak erklärte, die Militäraktionen würden weiter verschärft, sollte dies erforderlich sein. Die von ihm angeordnete Grenzschließung bedeutete, dass selbst Lebensmittel und andere dringend benötigte Versorgungsgüter nicht mehr in den Gaza-Streifen gelangen konnten. Israel hat das Küstengebiet seit der Machtübernahme der Hamas im vergangenen Juni ohnehin schon weitgehend abgeriegelt. Lediglich zwei Grenzübergänge waren zeitweise noch für den Warenverkehr offen. Nach Angaben des Hilfswerks der Vereinten Nationen für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) sind wichtige Hilfslieferungen unterbunden. "Das kann nur zur Verschlechterung einer bereits kritischen Situation führen", erklärte UNRWA-Sprecher Christopher Gunness. Die israelische Maßnahme würde nur zu einer "weiteren Radikalisierung der deprimierten und demoralisierten Bevölkerung" führen, warnte er. Die Isolierung des Gebiets stelle ein Gesundheitsrisiko für die dort lebenden Menschen dar, da sie nun täglich auf bis zu 20 Lastwagen mit lebensnotwendigen Lieferungen verzichten müssten. Acht von zehn der 1,5 Millionen Palästinenser im Gaza-Streifen sind auf Lebensmittelhilfe angewiesen.

"Hamas will auf sich aufmerksam machen"
Der ehemalige israelische Spitzendiplomat und Botschafter in Deutschland, Avi Primor, tritt für Verhandlungen mit der Hamas ein. "Die Politik der israelischen Regierung ist es, die Macht der Hamas zu zerstören. Ich halte wenig davon. Man sollte simultan mit der Hamas und der Fatah sprechen, oder die Palästinenser dazu ermutigen, dass es zur Bildung einer nationalen Koalition kommt", sagte er in einem Interview mit den "Stuttgarter Nachrichten". Die Hamas wisse, dass sie "mit den primitiven Kassam-Raketen den Staat Israel nicht zerstören kann. Sie will auf sich aufmerksam machen." Die Frage sei, ob die Hamas nicht auch das Westjordanland erobern werde. Deshalb sei entscheidend, was Abbas "seinem Volk anbieten kann".

Papst über Christen-Exodus besorgt
Papst Benedikt XVI. hat sich besorgt über den Exodus von Christen aus dem Heiligen Land geäußert. Die Region dürfe keine "archäologische Stätte ohne kirchliches Leben" werden, sagte er beim Ad-limina-Besuch von Bischöfen aus dem Nahen Osten am Freitag im Vatikan. Dabei rief er auch die Weltkirche zu Solidarität auf. Der Irak-Krieg und der israelisch-palästinensische Dauerkonflikt hatten katastrophale Folgen für die christlichen Minderheiten im gesamten Nahen und Mittleren Osten. Der von US-Präsident George W. Bush einst propagierte "Kreuzzug" habe auch den Christen im Heiligen Land großen Schaden zugefügt und es ihnen schwerer gemacht, sich im täglichen Leben zu ihrem Glauben zu bekennen, hatte der griechisch-katholische (melkitische) Erzbischof von Akko, Elias Chacour, erklärt. Nur im Libanon und in Syrien sind Christen derzeit nicht von Diskriminierung und Gewalt bedroht.
(apa/red)