Mehrere Tote durch Explosion in Metro: Ermittler gehen von Terroranschlag aus

Minsk: Über 100 Personen wurden dabei verletzt Nahe Residenz von Präsident Lukaschenko

Mehrere Tote durch Explosion in Metro: Ermittler gehen von Terroranschlag aus

Bei vermutlich zwei Explosionen in der Metro der weißrussischen Hauptstadt Minsk sind nach Medienberichten mehr als zehn Menschen getötet und über 100 verletzt worden. Die Behörden der Ex-Sowjetrepublik sprachen von einem Terroranschlag. Dutzende Opfer wurden laut Agenturberichten mit Verbrennungen und offenen Wunden auf Tragen von der Haltestelle Oktjabrskaja weggebracht.

Präsident Lukaschenko rief eine Krisensitzung ein. Der oft als "letzter Diktator Europas" kritisierte Staatschef legte in der Station nahe seiner Residenz Blumen nieder und befahl, die Sicherheitsvorkehrungen in dem ohnehin scharf kontrollierten Land noch zu verstärken. Das Fernsehen zeigte Bilder einer stark beschädigten Haltestelle.

Die Explosionen ereigneten sich mitten im Berufsverkehr. Mehrere Krankenwagen und Löschfahrzeuge rasten zum Unglücksort im Stadtzentrum. Dort trafen auch Mitarbeiter des weißrussischen Geheimdienstes KGB ein. Lukaschenko nahm in einem Telefonat mit Kremlchef Dmitri Medwedew ein Angebot für den Einsatz russischer Ermittlungsbehörden an.

Ausgänge in Richtung Lukaschenkos Residenz

Die Ausgänge der Station Oktjabrskaja führen in Richtung Lukaschenkos Residenz sowie zu seinem Büro. Schwarzer Rauch stieg aus dem U-Bahn-Schacht auf. Amateurvideos zeigten panisch flüchtende Menschen. Verletzte kauerten blutüberströmt in der zentralen Umsteigestation oder auf dem Bürgersteig, wo sie Infusionen erhielten. Ein Augenzeuge sagte nach Medienberichten: "Überall war Glas, dann Staub. Und da war jede Menge Blut." Zwei weitere Haltestellen wurden gesperrt.

In Internetblogs war in ersten Reaktionen die Rede davon, dass die weißrussische Führung möglicherweise versuche, von den schweren innenpolitischen Problemen des Landes abzulenken. Weißrussland steht vor dem Staatsbankrott und wartet auf einen Milliardenkredit aus dem Nachbarland Russland. Beobachter erwarten, dass der seit 1994 regierende Lukaschenko die Daumenschrauben nun noch schärfer anziehen wird.

Gefälschte Präsidentenwahl

Zahlreiche Oppositionelle sitzen seit der gefälschten Präsidentenwahl im Dezember 2010 im Gefängnis oder stehen unter Hausarrest. Führende Regierungsgegner flohen ins Ausland. Das Regime hatte Proteste in der Wahlnacht niederknüppeln lassen. Weißrussland ist das einzige Land in Europa, das die Todesstrafe vollstreckt.

(apa/red)