Fakten von

Management: Mehr
Profit durch Frauen

Firmen mit einem größeren Frauenanteil in den Führungsebenen erzielen mehr Gewinn

Fakten - Management: Mehr
Profit durch Frauen © Bild: Westend61 / zerocreatives/Corbis

Frauen in wirtschaftlichen Leitungspositionen sind weiterhin bei weitem eher die Ausnahme als die Regel. Doch dadurch schneiden sich Unternehmen ins eigene Fleisch, wie eine aktuelle US-Studie zeigt: Jene, die mehr Frauen im mittleren und oberen Management beschäftigen, schreiben der Erhebung zufolge nämlich signifikant höhere Gewinne.

THEMEN:

Das renommierte Peterson-Institut für internationale Ökonomie in Washington D.C., erst kürzlich zur besten Wirtschafts-Denkfabrik der Welt gekürt, hat für die Studie rund 22.000 Unternehmen in 91 Ländern untersucht. Mit eindeutigem Ergebnis: Je mehr Frauen im mittleren und oberen Management einer Firma Verantwortung tragen, desto profitabler wird sie.

Die Wirtschaftswissenschaftler konnten das Verhältnis sogar in Zahlen übertragen. Steigt der Anteil an weiblichen Führungskräften von null auf 30 Prozent, wird ein durchschnittliches Unternehmen um 15 Prozent profitabler. Die Forscher führen diesen Effekt darauf zurück, dass Frauen Fähigkeiten in die Unternehmensleitung einbringen, die ansonsten fehlen würden. Zusätzlich profitieren die Firmen davon, junge Talente eher rekrutieren, fördern und halten zu können als Konkurrenten, die stärker nach dem Geschlecht diskriminieren.

Das Geschlecht des Geschäftsführers spielt dabei jedoch interessanterweise keine Rolle. Entscheidend ist vielmehr die Anzahl der Frauen unter den Bereichsverantwortlichen sowie im Vorstand.

Väterkarenz als Schlüssel

Doch was können Unternehmen tun, um Frauen gezielt in diese höheren Sphären zu fördern und dieses Potential nicht weiter brach liegen zu lassen? Neben dem offensichtlichen, also einer generellen Kultur der Gleichstellung, sind es vor allem Unternehmen in Ländern, in denen die Väterkarenz gefördert wird, die in der Studie überdurchschnittlich gut abgeschnitten haben. Die Forscher vermuten daher, dass die Erwartungshaltung der Chefs auf Basis der vorherrschenden Kultur der Lastenaufteilung in der Kindererziehung eine gewichtige Rolle spielt.

Frau blickt in den Himmel
© istockphoto.com Soll es für Frauen nach oben gehen, müssen Männer zuhause mehr leisten

Wenn hauptsächlich Frauen für die Kindererziehung zuständig sind und daher sehr viel wahrscheinlicher als Männer irgendwann für längere Zeit aus dem Beruf aussteigen, verzichten Führungskräfte von vornherein darauf, sie zu fördern und auf spätere Management-Aufgaben vorzubereiten. Wäre jedoch auch bei Männern zu erwarten, dass sie irgendwann in Karenz gehen – und zwar für mehr als nur zwei oder drei Monate –, würde sich diese Denkweise mit der Zeit überholen. Denn dann wäre es schlicht und einfach nicht mehr möglich vorherzusagen, welche Mitarbeiter irgendwann eine Elternkarenz in Anspruch nehmen.

Umgekehrt wären Frauen durch gerechtere Aufteilung der Kinderbetreuung nicht so lange aus dem Betrieb weg und hätten dadurch auch bessere Voraussetzungen, sich die für den Weg an die Spitze nötigen geschäftlichen Fähigkeiten sowie die ebenso wichtigen Kontakte anzueignen.

Quoten weniger erfolgversprechend

Beweise für einen Effekt von Frauenquoten für Vorstandsposten haben sich in der Studie hingegen nicht gefunden. Jedenfalls direkt – indirekt erfüllen auch sie ihren Zweck, indem sie als Modelle für Frauen in niedrigeren Hierarchie-Etagen dienen und diese im Sinne eines „Pipeline-Effekts“ dazu motivieren, selbst eine weiterführende Karriere zu verfolgen. Mit der Nachhaltigkeit der zuvor angeführten Kultur der Gleichstellung, auch im Bereich der Erziehungsarbeit, kann diese Art der Förderung jedoch nicht mithalten.

Kommentare