Mehr Konkurrenz gefordert: Stromkunden verzichten auf 150 Mio. €, kaum Wettbewerb

Preisunterschied kann bis zu 10 Prozent ausmachen Zahl der Lieferanten-Wechsel 2005 zurück gegangen

Österreichs Haushalte könnten ihre Stromrechnung um insgesamt rund 150 Mio. Euro senken, falls sie zum jeweils billigsten Anbieter wechseln, sagte der Chef der Energie-Regulierungsbehörde E-Control, Walter Boltz. Im Vorjahr haben weniger Kunden ihren Lieferanten gewechselt. Boltz und der Chef der Bundeswettbewerbsbehörde, Walter Barfuß, orten nach wie vor zu wenig Wettbewerb. Bis Sommer erwartet man das Wettbewerbsbelebungs-Paket, das gemeinsam mit der Branche beschlossen werden soll.

Der Preisunterschied zwischen dem lokalen und dem günstigen Anbieter könne bis zu 10 Prozent des gesamten Preise (reiner Energiepreis, Netztarife sowie Steuern und Abgaben) ausmachen, so die E-Control. Ein Haushalt mit einem Jahresstromverbrauch von 3.500 kWh kann laut heute vorgelegten Daten der E-Control bei der EVN als angestammtem Unternehmen 70 Euro im Jahr sparen, bei der Wien Energie sind es 67 Euro, bei der Steweag-Steg 63 Euro, bei der Energie AG Oberösterreich (EAG) 58 Euro, bei der Kelag 56 Euro, bei Salzburg AG 53 Euro, bei der Bewag 48 Euro, bei der VWK 40 Euro und bei der Tiwag 24 Euro.

Die Zahl jener Haushaltskunden, die ihren Lieferanten gewechselt haben, ist 2005 in Österreich, mit seinen im internationalen Vergleich ohnehin niedrigen Wechselzahlen, weiter zurückgegangen. Nach ersten Schätzungen haben sich im Vorjahr 45.000 Kunden einen neuen Stromlieferanten gesucht, nach rund 70.000. Die Zahl jener, die auf einen neuen Gaslieferanten umgestiegen sind, hat sich auf rund 10.000 (12.000) verringert.

Boltz sieht Gründe dafür im mangelnden Wettbewerb: Es gebe kaum Mitbewerber und kaum Werbeaktivitäten, sehe man vom Verbund im vierten Quartal des vergangenen Jahres ab. Man müsse auf mehr Wettbewerb achten, sonst gebe für die Konsumenten unangenehme Konsequenzen. Eine Markteintrittsbarriere sei beispielsweise, dass Netzbetreiber in der Werbung den Eindruck erweckten, das bei einem Lieferantenwechsel die Versorgungssicherheit nicht mehr gewährleistet werde, sondern nur beim lokalen Lieferanten möglich sei. Die E-Control habe jedoch keine Möglichkeiten, dies zu beeinflussen.

Gearbeitet werde gerade daran, die Lieferantenwechsel bei einem Umzug zu erleichtern. Wichtig sei auch der elektronische Datenaustausch zwischen Netzbetreiber und alternativem Stromanbieter. In Österreich sei man jedenfalls noch weit davon entfernt, wie beim Telefon binnen drei Tagen einen neuen Stromlieferanten zu haben. (apa)