Mehr als 30 Tote bei Anschlägen im Irak: 13-jähriges Mädchen zündete Sprengsatz

Explosion traf einen Kleinbus voller Schulmädchen Zweite Detonation mitten in einer Gruppe aus Helfern

Mehr als 30 Tote bei Anschlägen im Irak: 13-jähriges Mädchen zündete Sprengsatz © Bild:

Selbstmordattentäter haben im Irak mehr als 30 Menschen getötet. Ein Attentat wurde nach Angaben des Nachrichtensenders Al-Arabiya von einem erst 13 Jahre alten Mädchen verübt. Auf einem Markt in Bagdads Stadtteil Adhamiyah, auf dem sich morgens immer Tagelöhner versammeln, sprengte sich erst ein Selbstmordattentäter mit einer Autobombe in die Luft. Als Passanten zusammenströmten, um den Verletzten zu helfen, zündete ein zweiter Selbstmordattentäter einen Sprengstoffgürtel.

Insgesamt starben nach Angaben aus dem Gesundheitsministerium 30 Menschen. 68 Menschen erlitten Verletzungen. Erste Berichte, wonach sich auf dem Al-Kasra-Markt insgesamt drei Attentäter in die Luft gesprengt haben sollen, bewahrheiteten sich nicht.

Schulbus in die Luft gesprengt
Die erste Detonation traf einen Kleinbus mit Schulmädchen, der schwer beschädigt wurde. Am Tatort bot sich ein Bild der Verwüstung. Aufnahmen der Fernsehnachrichtenagentur APTN zeigten Spuren von Schrapnelleinschlägen in dem Kleinbus, der Boden war blutgetränkt. Mädchenschuhe lagen zwischen den Trümmern verstreut. Zahlreiche Geschäfte entlang der Straße wurden beschädigt, mehr als ein Dutzend Autos ging in Flammen auf. Ein Bekenntnis lag zunächst nicht vor.

Kleines Mädchen als Terroristin
Das junge Mädchen sprengte sich nach Angaben der Polizei an der Straßensperre einer lokalen Bürgerwehr in der Provinz Diyala in die Luft. Laut Augenzeugen riss sie im Zentrum der Provinzhauptstadt Diyala vier Kämpfer der Bürgerwehr und drei Zivilisten mit in den Tod. Acht weitere Menschen wurden verletzt. In Diyala verüben besonders häufig weibliche Angehörige von Al-Kaida-Terroristen Selbstmordattentate, weshalb die US-Armee in der Provinz bereits Irakerinnen rekrutiert hat, die unter den Gewändern verdächtiger Frauen nach Bomben suchen sollen.

Aufflackern der Gewalt
Die Gewalt in Bagdad ging gegenüber 2006 und 2007 zuletzt deutlich zurück, in den vergangenen Wochen wurden aber wieder vermehrt kleinere Anschläge verübt. Sie richteten sich gegen Polizisten, Soldaten, Regierungsbeamte und Pendler. Am 2. Oktober wurden bei zwei Anschlägen auf schiitische Moscheen in Bagdad mindestens 24 Menschen getötet, am 28. September verloren bei einer Serie von Anschlägen in schiitischen Vierteln mindestens 32 Menschen ihr Leben.

Wahlen am 31. Jänner
Unterdessen berichtete die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak, dass die Wahlkommission den Termin für die Provinzratswahlen auf den 31. Jänner festgelegt hat. Gewählt werden soll in 17 der insgesamt 18 irakischen Provinzen. In der Provinz Tamim soll erst zu einem späteren Zeitpunkt gewählt werden. Grund dafür sind die Spannungen zwischen Kurden, Arabern und Turkmenen in der Provinzhauptstadt Kirkuk. Mehrere Christen-Parteien drohen diesmal mit Wahlboykott. Sie finden es ungerecht, dass für sie landesweit nur drei Sitze in den Provinzräten reserviert werden sollen. Dafür wird bei dieser Wahl mit einer hohen Beteiligung der Sunniten gerechnet, die dem Urnengang vor drei Jahren noch größtenteils ferngeblieben waren.
(apa/red)