Mehr als 2,25 Mrd. hinter Gittern: USA mit dem weltweit höchsten Gefangenenanteil

In letzten 30 Jahren Zahl um 500 Prozent gestiegen Anwälte von Guantanamo-Häftling mit Niederlage

Die USA haben gemessen an der Zahl der Einwohner die höchste Gefangenenzahl weltweit. Das berichtete die Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" (HRW) in Washington unter Berufung auf das Statistikbüro des amerikanischen Justizministeriums. Demnach saßen Ende 2006 in den USA mehr als 2,25 Millionen Menschen im Gefängnis, so viele wie nie zuvor.

Damit seien von 100.000 Einwohnern in den USA 751 hinter Gittern, teilte Human Rights Watch mit. Dies seien deutlich mehr als etwa in Libyen (217), im Iran (212) oder in der Volksrepublik China (119). "Die USA sind die führende Gefängnisnation der Welt", sagte HRW-Vertreter David Fathi. In den vergangenen 30 Jahren sei die Zahl der Häftlinge in US-Gefängnissen um 500 Prozent gestiegen. Häftlinge schwarzer Hautfarbe wären entsprechend Bevölkerungsanteil sechsmal zahlreicher als Weiße.

Schlappe vor Militärtribunal
Die Verteidiger des mutmaßlichen Fahrers von Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden haben unterdessen vor einem Militärtribunal eine Schlappe erlitten. Ein Richter lehnte ihren Antrag ab, den als Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 geltenden Khalid Sheikh Mohammed als Zeugen zu vernehmen. Die Anwälte wollten Mohammed und andere inhaftierte mutmaßliche Spitzenleute der Extremistenorganisation befragen, ob ihr Mandant Salim Ahmed Hamdan Mitglied von Al-Kaida gewesen sei. Der Antrag auf Zeugenvernehmung der von den USA in Guantanamo auf Kuba festgehaltenen Männer sei zu spät gestellt worden, begründete der Richter die Ablehnung.

Hamdan muss sich vor einem Sondermilitärtribunal verantworten. Über den Antrag der Anwälte, ihn als Kriegsgefangenen gemäß Genfer Konvention einzustufen, soll später entschieden werden. Als Kriegsgefangener hätte Hamdan mehr Rechte und müsste vor einem Kriegsgericht angeklagt werden, wo ihm mehr Verteidigungsmöglichkeiten zustehen. (apa/red)