Medwedew freut sich schon auf Obama:
Zwischenstaatliches Verhältnis angespannt

Russlands Präsident möchte Beziehungen verbessern Kein Kalter Krieg: "Wir teilen heute dieselben Werte"

Medwedew freut sich schon auf Obama:
Zwischenstaatliches Verhältnis angespannt © Bild: Reuters/Sekretarev

Der russische Präsident Dmitri Medwedew erwartet nach dem Amtsantritt von Barack Obama eine Verbesserung im amerikanisch-russischen Verhältnis. Was er von dem künftigen US-Präsidenten gehört habe, stimme ihn optimistisch, sagte Medwedew in einem Interview des indischen Rundfunksenders Doordarshan, das auf der Webseite seines Präsidialamts erschien. Er erwarte, dass die neue US-Regierung einen "konstruktiven, vernünftigen Standpunkt einnimmt und den Willen zum Kompromiss in den schwierigsten Fragen zeigt".

Die Beziehungen zwischen Moskau und Washington haben wegen des Georgien-Krieges im August einen Tiefpunkt erreicht. Medwedew trat Befürchtungen entgegen, die Abkühlung könnte zu einem neuen Kalten Krieg führen. "Wir teilen heute dieselben Werte. Wir müssen nur sicherstellen, dass wir diese Werte gleich verstehen." Westliche Drohungen mit Sanktionen gegen Russland "haben zu nichts geführt und konnten zu nichts führen", fügte er hinzu. Es habe in der heutigen Welt keinen Sinn mehr, einen Staat wie Russland isolieren zu wollen. "Es hat keinen Sinn und Zweck, über einen neuen Kalten Krieg und Eisernen Vorhang zu reden."

Medwedew hat mit Obama im vergangenen Monat telefoniert. Details des Gesprächs wurden aber nicht öffentlich gemacht.

Annäherung an NATO
Russland begrüßt die Bereitschaft der NATO, die nach dem Georgien-Krieg gespannten Beziehungen zu Russland wieder zu verbessern. "Wir sind keine Anhänger einer Neuauflage des Kalten Krieges", erklärte das Außenministerium. Russland werde weiter daran arbeiten, die Konfrontationslogik in europäischen Angelegenheiten zu überwinden. Die Herausbildung neuer Trennlinien müsse verhindert werden. Insbesondere wurde die Entscheidung der NATO begrüßt, Georgien und der Ukraine keinen festen Zeitplan für einen Beitritt in Aussicht zu stellen. Der Allianz sei klargeworden, wie riskant eine rasche Verbindung mit den früheren Sowjetrepubliken sein würde.

NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer hatte bei einem Treffen des Bündnisses eine Wiederaufnahme der Gespräche im NATO-Russland-Rat auf informeller Ebene angekündigt. Der Ukraine und Georgien wurde zwar erneut eine Bereitschaft zur Aufnahme zugesichert, ohne jedoch einen konkreten Zeitplan zu nennen. Die Beziehungen Russlands zur NATO hatten sich nach dem Fünf-Tage-Krieg um die abtrünnigen georgischen Republiken Südossetien und Abchasien deutlich verschlechtert. Die USA warfen Russland wegen der Militärintervention einen Rückfall in Verhaltensweisen des Kalten Krieges vor.

(apa/red)