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Skurrile medizinische
Innovationen

Science-Fiction oder medizinische Revolution?

Medizin - Skurrile medizinische
Innovationen © Bild: shutterstock

Miniroboter zum Schlucken, Transplantationen von Fischhäuten oder ganzen Köpfen bis hin zum Einfrieren nach dem Tod – all das klingt eher nach Science-Fiction als nach seriöser Medizin. Fünf Fälle, die das Gegenteil beweisen. Oder beweisen wollen.

Er ist misst nur wenige Millimeter – und ist gerade deshalb von unheimlich großem Wert für die Wissenschaft: der Miniroboter zum Schlucken. Laut seinen Entwicklern kann er laufen oder rollen, krabbeln oder schwimmen, Hindernisse überwinden und Objekte greifen. Diese könne er dann transportieren und an bestimmten Stellen im Körper ablegen. Ideal also, um Arzneien gezielt dort im Körper zu platzieren, wo sie gebraucht werden. Bis jetzt müssen diese nämlich immer zuerst den Weg durch den Verdauungstrakt nehmen, bevor sie vom Körper aufgenommen werden können.


Daumen-Zehe

Haut von einem Zeh zu transplantieren, um Finger oder andere Zehen wiederaufzubauen, ist an sich nicht ungewöhnlich. Doch einen ganzen Zeh zu transplantieren, das war auch für den australischen Chirurgen Sean Nicklin, der die Operation vornahm, eine neue Erfahrung. Die Geschichte dahinter: Ein junger Mann verlor bei einem Unfall auf seiner Farm einen Daumen. Und weil das nächste Krankenhaus fünf Stunden entfernt war, starb dieser ab, bevor er wieder angenäht werden konnte. So mussten die Mediziner auf den großen Zeh des Opfers zurückgreifen. Und erschufen den "Zeh-Daumen". 2018 gelang Medizinern am Salzburger Unfallkrankenhaus ein ähnlicher Erfolg: Sie setzten einen neuen Daumen aus zwei Zehen zusammen.

Fischhaut-Transplantation bei Verbrennungen

Verbrennungsopfer könnten in Zukunft ein ganz besonderes "Pflaster" bekommen: Fischhaut. Durch ihre Ähnlichkeit zu Menschenhaut sollen sie die Hautzellen besonders dazu anregen wieder zu wachsen. Zusätzlich wirkt der hohe Omega-3-Fettsäuren-Anteil, die Haut wird mit Flüssigkeit versorgt und auf antiseptische Cremes kann außerdem verzichtet werden. All das trägt dazu bei, dass Verbrennungswunden schneller heilen.


2018: Erste Kopftransplantation durch "Dr. Frankenstein"

Wenn es nach dem italienischen Neurochirurgen Sergio Canavero geht, findet heuer die weltweit erste Kopftransplantation statt. Dabei soll der Kopf eines schwerkranken Menschen von 100 Experten aus aller Welt auf den Körper eines hirntoten Spenders gesetzt werden. Canaveros Ankündigung wirkt vor allem deshalb so skurril, weil jedwede wissenschaftliche Voruntersuchung fehlt, die eine erfolgreiche Transplantation in Aussicht stellen könnte. Bereits seit Jahrzehnten arbeiten tausende Arbeitsgruppen erfolglos daran, bei Gelähmten die Verletzung des Rückenmarks zu überbrücken.

»Um die Menschheit zu verändern, muss man mutig sein«

Und: Dass der Patient ein hohes Risiko hat, an der Transplantation zu sterben, wurde von dem Neurochirurgen selbst sogar bestätigt. Aber: "Um die Menschheit zu verändern, muss man mutig sein", meinte dieser. Dass er deshalb vielfach als Dr. Frankenstein bezeichnet wird, scheint den Italiener nicht zu stören. Stattfinden soll die sensationelle Operation laut dem Chirurgen in China. Da diese aber gegen chinesische Gesetze und Vorschriften für Organtransplantationen verstößt, dürfte es wohl noch eine Weile dauern, bis sie auch wirklich durchgeführt werden kann. In Fachkreisen gilt die angekündigte Kopftransplantation als reine Publicity.

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Einfrieren nach dem Tod

Kryoniker nennen sie sich. Menschen, die sich nach ihrem Tod einfrieren lassen, mit der Hoffnung, irgendwann in der Zukunft wieder zum Leben erweckt zu werden. Doch was steckt dahinter? Durch sehr, sehr niedrige Temperaturen können chemische Reaktionen wie die Verwesung ausbleiben. Bestes Beispiel: der Ötzi. Natürlich noch ohne Wiederbelebung. Doch genau daran glauben die Anhänger der Technik: Dass die Wissenschaft irgendwann einmal weiter sein wird als heute. Deshalb lassen sie ihre Körper auf eine Temperatur von minus 196 Grad hinunter kühlen und in Behältern mit flüssigem Stickstoff aufbewahren. Bei der Kryokonservierung wird der Körper aber nicht nur eingefroren, sondern auch das Blut kurz nach dem klinischen Tod durch eine spezielle Kühlflüssigkeit ausgetauscht, um Zellschäden zu verhindern. Kostenpunkt: bis zu 150.000 Euro. Die billigere Variante: Nur den Kopf oder einzelne Organe einfrieren lassen. Derzeit befinden sich 250 Menschen in "Kryoastase".

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