Wahr oder falsch? von

Die größten Medizin-Mythen

Verursachen Deos Brustkrebs und leben Veganer gesünder? Sieben Mythen im Visier.

Röntgenbild mit Stetoskop und einer Spritze © Bild: Thinkstock

Verursacht Deo Brustkrebs und Süßstoff Diabetes? Machen Amalgam-Plomben krank? Und leben Veganer gesünder? Der Verein für Konsumenteninformation machte sich auf die Suche nach den größten Medizin-Mythen. Wir stellen Ihnen die sieben gängigsten vor.

Lichttherapie gegen Depression

Wer der leidigen Winterdepression aufgrund Lichtmangels entkommen will, setzt sich schlicht und einfach vor eine Lichttherapie-Lampe. Ihr Licht ist bis zu hundert Mal stärker als das einer gewöhnlichen Glühbirne und entspricht in etwa der Helligkeit indirekter Sonnenstrahlung an einem sonnigen Tag. Wie Studien gezeigt haben, lindert die Verwendung entsprechender Lampen tatsächlich die Symptome einer Winterdepression. Jedoch nicht bei allen. Manche Studienteilnehmer profitierten schon vom reinen Placebo-Effekt (sie wurden mit gedämpftem Licht scheinbehandelt), bei anderen wiederum schlug die Wirkung gleich gar nicht an. Wir meinen: Richtig angewendet gilt wohl der Leitsatz "Hilft's nix, schadt's nix".

Light-Getränke fördern Diabetes

Dankbar für den Zuckerersatz haben Diabetiker einst auf Saccharin, Aspartam und Co. zurückgegriffen. Dann gerieten die Süßstoffe zunehmend unter Kritik: Ironischerweise sollten gerade sie das Risiko erhöhen, zuckerkrank zu werden. Diverse Studien belegten auch tatsächlich den Zusammenhang zwischen dem Konsum von Süßstoff und Diabetes. Was hier allerdings außer Acht gelassen wurde, war das Gewicht. Denn gerade Übergewichtige greifen gern zu der kalorienarmen Variante von Cola und Co. zurück. Womit sich wiederum die Frage stellt, ob es tatsächlich der Süßstoff war, der die Zuckerkrankheit begünstigt hat, oder ob das Risiko nicht schon von vornherein durch das Übergewicht erhöht war. Hier werden die Forscher wohl noch ein Weilchen streiten.

Deo verursacht Brustkrebs

Immer wieder geraten Antitranspirante unter Kritik. Es heißt, die in ihnen enthaltenen Aluminiumsalze würden das Brustkrebsrisiko erhöhen. Tatsächlich aber gibt es keine Studie, die diesen Zusammenhang eindeutig belegt. Das Problem: Kaum eine Untersuchung hält den strengen wissenschaftlichen Kriterien stand. Die einen werden nur im Labor durchgeführt, bei den anderen ist die Teilnehmerzahl zu gering. Wieder andere verabsäumen es, nicht unwesentliche Einflussfaktoren zu berücksichtigen. Lediglich eine Studie kommt an die anerkannten Kriterien heran. Ihr zufolge besteht kein Zusammenhang zwischen der Verwendung von Antitranspiranten und der Entstehung von Brustkrebs. So oder so aber gilt: Im Zweifelsfall besser drauf verzichten.

Mittel gegen Cellulite

Gegen Cellulite ist kein Kraut gewachsen. Oder doch? Die Kosmetikindustrie möchte uns jedenfalls vom Gegenteil überzeugen. Die Bandbreite an Mittelchen gegen die ungeliebten Dellen in der Haut ist enorm: Ultraschall, Wrapping, Laser, Lichttherapie, Massage und Cremen über Cremen. Die Schattenseite: Es gibt keine ernst zu nehmende Studie (auch wenn uns die Industrie etwas anderes weismachen will), die eine langfristige Wirkung einer der Methoden belegt. Dagegen steht eines fest, nämlich dass Orangenhaut wird durch fette Ernährung und Bewegungsmangel begünstigt wird.

Veganer leben gesünder

Während die einen die Vorzüge eines vegane Lebensstils in den Himmel loben, schlagen die anderen Alarm: Der völlige Verzicht auf tierische Produkte kann zu zahlreichen Mangelerscheinungen führen. Vitamin B12 zum Beispiel kommt in erster Linie in tierischen Lebensmitteln vor. Eine Unterversorgung kann u.a. zur Schädigung des Nervensystems führen. Es zeigte sich zudem, dass Veganer weniger Kalzium zu sich nehmen, das aber so wichtig für den Knochenaufbau ist. Anderseits ist der Mangel nicht groß genug, um das Risiko für Osteoporose zu erhöhen. Abgesehen davon kann es zu einem Mangel an Eisen, Zink, Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren kommen. Alldem steht aber ein klarer Vorteil gegenüber: Veganismus senkt das Krebsrisiko.

Amalgam-Plomben machen krank

Sie sind widerstandsfähig, haben eine lange Haltbarkeit und sind schon seit rund 160 Jahren im Einsatz: Amalgam-Plomben. Trotzdem geraten sie immer wieder unter Kritik. Es heißt, sie würden zur Entstehung diverser Krankheiten, etwa Alzheimer oder Autoimmunerkrankungen, beitragen. Schuld daran soll das Quecksilber sein. Denn Amalgam besteht zur Hälfte aus Quecksilber. Tatsächlich ist Quecksilber hoch giftig. Tatsächlich kann bei Menschen mit Amalgam-Füllungen auch Quecksilber im Körper nachgewiesen werden. Tatsächlich geschieht dies aber in so geringen Mengen, dass es als ungefährlich gilt. Bekannt sind lediglich Überempfindlichkeits- bzw. allergische Reaktionen auf Amalgambestandteile, die sich auf der Haut oder in der Mundhöhle zeigen.

Aluminium verursacht Alzheimer

Aluminium gerät nicht nur in Zusammenhang mit Brustkrebs unter Kritik. Es steht auch im Verdacht, Alzheimer auszulösen. Aluminium kommt überall in der Umwelt vor, in geringen Mengen auch im Trinkwasser, in diversen Lebensmitteln, in manchen Medikamenten oder Impfstoffen. Allein in unserem Körper kommt es nicht auf natürliche Weise vor. Nun wurden im Gehirn von Alzheimer-Patienten größere Aluminiumablagerungen gefunden als bei gesunden Personen. Woran das liegt, ist aber unklar. So könnte es auch sein, dass das abbauende Gehirn zunehmend durchlässiger für Schadstoffe wird. So oder so - die Beweislage ist unzureichend.

Buchtipp

100 Medizin-Mythen, herausgegeben vom Verein für Konsumenteninformation
© Verein für Konsumenteninformation

100 Medizin-Mythen, herausgegeben vom Verein für Konsumenteninformation. Softcover, 220 Seiten, 14,90 Euro

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