Medienberichte über US-Massaker im Irak: Töteten US-Marines aus Rache 15 Zivilisten?

Sieben Frauen und drei Kinder unter den Opfern Laut US-Armee noch kein Beweis gegen die Einheit

US-Soldaten im Irak haben nach einem Bericht des US-Nachrichtenmagazins "Time" vor vier Monaten in einem Racheakt 15 irakische Zivilisten getötet. US-Marines hätten am 19. November im westirakischen Haditha 15 unbewaffnete Iraker, darunter sieben Frauen und drei Kinder, umgebracht, nachdem ihr Transportfahrzeug von einer Bombe getroffen und dabei der Obergefreite Miguel Terrazas getötet worden war, hieß es in dem Bericht. Die US-Armee untersuche zurzeit den Vorfall.

Das "Time"-Magazin berief sich in seinem Bericht auf Interviews mit Augenzeugen und örtlichen Beamten. Die Darstellung widerspricht demnach einer Erklärung, die die US-Marineinfanterie einen Tag nach dem Vorfall veröffentlichte. Laut dieser waren Terrazas sowie 15 irakische Zivilisten bei einem Schusswechsel zwischen Soldaten und bewaffneten Angreifern ums Leben gekommen. Die Marines hätten dabei acht Aufständnische getötet.

Sollten die Vorwürfe zutreffen, so wäre dies der schlimmste Fall absichtlicher Tötung von irakischen Zivilisten durch US-Soldaten seit dem Einmarsch in den Irak vor drei Jahren, zitierte das US-Magazin Menschenrechtler. Die US-Armee leitete dem Bericht zufolge im Jänner eine Untersuchung ein, nachdem "Time" hochrangige US-Militärs in Bagdad über die Recherchen in Kenntnis gesetzt hatte. Aus ersten Befragungen der beteiligten Marinesoldaten, den Angehörigen der Opfer und örtlichen Ärzten seien auch die Ermittler der US-Armee zu dem Schluss gekommen, dass die 15 Iraker von US-Marines getötet wurden und nicht durch Aufständische. Es gebe laut der Armeeuntersuchung jedoch bisher keinen endgültigen Beweis dafür, dass die US-Soldaten in Haditha absichtlich Unschuldige töteten. (apa)