Medaillenregen bei der Tischtennis-EM:
Österreicher holen sich fünfmal Edelmetall

Kein anderes Land kletterte so oft auf das Podest Schlager und Liu vergaben große Chance auf Gold

Medaillenregen bei der Tischtennis-EM:
Österreicher holen sich fünfmal Edelmetall © Bild: APA/EPA

Das österreichische Tischtennis-Team ist bei den 27. Europameisterschaften in St. Petersburg ohne die erhoffte Gold-Medaille geblieben. Am Schlusstag verloren sowohl Liu Jia im Einzel als auch Werner Schlager im Doppel ihre Finalspiele, holten jeweils Silber. Dazu kamen Einzel-Bronzemedaillen von Schlager, Robert Gardos und dem Herren-Team. Mit fünf Medaillen lag die ÖTTV-Truppe der Anzahl nach voran, im Medaillenspiegel wurde es Rang fünf.

Schlager hatte die erste österreichische Gold-Chance gehabt. Mit dem Niederländer Trinko Keen hatte sich der 36-Jährige die Herausforderung der deutschen Titelverteidiger Timo Boll/Christian Süß erarbeitet, und das topgesetzte Paar hatte mit der österreichisch-niederländischen Co-Produktion auch seine Schwierigkeiten. Boll/Süß drehten jedoch einen 1:3-Rückstand in einen 4:3-Sieg um.

Doppel-Niederlage gegen Boll/Süß
Schlager war allerdings stark gehandicapt. In seinem Einzel-Semifinale zu Mittag gegen den Deutschen Timo Boll hatte er beim zweiten Ballwechsel eine Zerrung im rechten Oberarm erlitten, danach mehr und mehr Vorhandschläge vermieden und mit der Rückhand geschlagen. Gegen den Titelverteidiger war so freilich kein Satzgewinn drinnen, Schlager kassierte somit nach 16 bei diesem Event errungenen Siegen die erste Niederlage.

Im Doppel-Finale brillierte der Niederösterreicher wegen seines Handicaps vor allem mit der Rückhand, auch der 37-jährige Keen brachte in seinem letzten internationalen Bewerbsspiel eine starke Leistung. Im sechsten Durchgang hatten Schlager/Keen die Entscheidung auf dem Schläger, doch Boll/Süß schlugen zurück und ließen im Entscheidungssatz nach einem 3:6-Rückstand keinen Gegenpunkt mehr zu.

"Im sechsten Satz waren wir am Drücker", meinte Schlager nach gewonnener Silber-Medaille. 2005 in Aarhus war er ja mit seinem Landsmann Karl Jindrak schon Europameister im Doppel gewesen. "Sie hatten dann noch drei, vier Glücksbälle. Bei so einem Stand können die entscheidend sein." Keen war die Enttäuschung mehr anzusehen, es war seine letzte Gold-Chance. "Es war schwierig, Boll/Süß sind ein Weltklasse-Doppel", meinte der "Oranje".

Liu Jia verliert Endspiel und gewinnt Silber
Während Schlager nach seinen binnen neun Tagen 18 gespielten Partien total fertig war - "Ich bin tot, nahe des Nullzustands!" -, war auch Liu Jia nach ihrem verlorenen Endspiel leer. Im Semifinale hatte sie noch gegen die gefährliche Ungarin Krisztina Toth mit 4:2 die Oberhand behalten und sich damit für die 2:3-Niederlage in der Mannschaft rehabilitiert. Doch ihre litauische Finalgegnerin Ruta Paskauskiene spielte das Turnier ihres Lebens.

Lediglich auf Weltranglistenrang 90 gelegen, war schon der Final-Einzug der Baltin eine Überraschung gewesen. Dann dominierte sie die nervös agierende Liu aber mit schnellem und sicheren Spiel, ging in Sätzen 3:0 in Führung. Im vierten Satz riss Liu jedoch scheinbar rechtzeitig das Ruder herum, verwertete ihren fünften Satzball zum 1:3. Als sie auf 2:3 verkürzt hatte und im sechsten Durchgang voran lag, schien der Umschwung geglückt.

"Ich war mir dann sicher, dass ich noch gewinne", erklärte die 26-Jährige nach der Partie mit tränenerstickter Stimme. Doch bei 5:2 in Durchgang sechs brachte die Froschberg-Spielerin ein strittiger Ball aus dem Konzept. Liu hatte ein Service von sich an der Netzkante gesehen und hob die Hand, um es anzuzeigen. Der Referee ließ aber weiterspielen und Paskauskiene machte den Punkt.

Normalerweise stimmt die Gegnerin in so einem Fall der Wiederholung zu. "Das hat mich total rausgebracht, ich hätte gewinnen können", sagte Liu verbittert. Freilich stellte sich auf der Video-Aufzeichnung heraus, dass der Ball beim Service die Netzkante nicht berührt hatte. Das änderte allerdings nichts an der Unsportlichkeit der vom Publikum heftig angefeuerten Paskauskiene. Liu Jia: "Ich kann mich daher nicht freuen."

Robert Gardos sichert sich erste Individualmedaille
Schließlich steuerte auch Robert Gardos eine Bronze-Medaille zur ÖTTV-Bilanz bei. Der 29-Jährige unterlag in seinem Einzel-Semifinale dem topgesetzten Weißrussen Wladimir Samsonow 0:4. Der Spanien-Legionär war mit seiner Semifinal-Leistung nicht zufrieden, führte sie auch auf eine unverschuldet nicht optimale Vorbereitung zurück. Gardos durfte sich aber über seine erste Individual-Medaille in der allgemeinen Klasse freuen.

Timo Boll gewinnt Herren-Endspiel
Das Herren-Endspiel lautete wie 2007 in Belgrad Boll gegen Samsonow, und wieder setzte sich der Deutsche durch. Samsonow holte zwar beim 2:4 einen Satz mehr als vor eineinhalb Jahren in Serbien. Doch abermals verpasste er die Chance, als erster Spieler zum vierten Mal den Einzel-EM-Titel zu holen. Boll hingegen schloss mit nun drei Titeln zu Samsonow auf, nun haben 2009 bei den Titelkämpfen in Stuttgart beide die Chance auf Titel vier.

Boll wurde mit dreimal Gold zum Erfolgreichsten dieser Europameisterschaften, mit dem Gold-Triple wiederholte er seinen Belgrad-Coup. Samsonow folgte ihm mit zwei Silber-Medaillen, Schlager kam mit einer Silber- und zwei Bronze-Medaillen auf Rang drei. Das Finale im Damen-Doppel ging an die topgesetzten Ungarinnen Krisztina Toth/Georgina Pota, sie setzten sich gegen die Italienerinnen Nikoleta Stefanova/Wenling Tan Monfardini 4:2 durch.

(apa/red)