McEnroe wünscht sich Davis-Cup-Reform:
"Sollte wie Grand Slam behandelt werden"

US-Teamkapitän wünscht sich Davis-Cup-Season Die besten Leute sollen im Nationalteam antreten

Eben noch auf der großen Showbühne in Portland, Oregon, nun geht es schon wieder um die Verteidigung des gerade erst geholten Titels. Die US-Amerikaner haben sich Anfang Dezember erstmals seit 1995 die "hässlichste Salatschüssel der Welt", den Davis Cup, gesichert, doch die Zeit, dies zu genießen, ist Andy Roddick, James Blake und den Zwillingen Bob und Mike Bryan zu kurz. Nicht zuletzt deshalb hofft US-Davis-Cup-Kapitän Patrick McEnroe auf Regeländerungen und eine eigene "Davis-Cup-season" mit einem Final Four zu Jahresende.

Der 4:1-Sieg über Russland brachte dem US-Team den langersehnten 32. Titel, doch wie schon seit Jahren gibt es nach wie vor Diskussionen über das Format. Einerseits ist es gerade für die Weltbesten schwierig, schon kurz nach einem Grand-Slam-Finale teilweise an die entlegensten Orte dieser Welt zu fliegen und auch die gesamte Jahresplanung darauf abzustimmen. Andererseits ist es gerade der Reiz wie auch im Fed Cup, mit Heimvorteil, eigener Belagswahl und dem eigenen Publikum im Rücken gegen die stärksten Nationen der Welt anzutreten.

Patrick McEnroe würde dennoch gerne einige Änderungen sehen. "Es wäre gut für den Sport und für den Davis Cup", meint der 41-jährige New Yorker, der übrigens mit Jürgen Melzer eine Gemeinsamkeit hat: Sein bestes Karriere-Ranking im Single war am 11. September 1995 Rang 28, das ist auch Melzers bisheriges Karrierehoch.

Der kleine Bruder des siebenfachen Grand-Slam-Siegers John McEnroe hätte auch schon Vorschläge an den internationalen Tennisverband (ITF). "Ich hätte gerne eine Art "Davis Cup season", vielleicht am Jahresende, wo nur die Top 4 Teams an einen Ort zusammenkommen sollten", erklärt er. Die früheren Runden könnte man, so McEnroe, wie jetzt in Heim- und Auswärts-Modus austragen, und dann an einem Ort ein Final Four austragen.

"Es wird für die Top-Spieler immer schwieriger, beständig bei jedem Davis Cup dabei zu sein. Ich habe Glück, dass unsere Leute immer spielen. Bei den meisten Ländern spielt deren bester Mann nicht immer, sondern nur ab und zu", sagt der Kapitän und meint da wohl u.a. auch Roger Federer oder auch Rafael Nadal, die beispielsweise dieses Wochenende nicht im Einsatz sind.

"Ich denke, der Davis Cup verdient mehr, er sollte wie ein Grand Slam behandelt werden. Jeder Spieler sollte, wenn er gesund ist, auf jeden Fall spielen. Derzeit ist es aber nicht so", ergänzt "Mac". In den USA hat der Titel im Prestige trächtigen Mannschaftsbewerb das Interesse wieder geweckt. "Alles in allem ist das Tennis gesund und der Davis-Cup-Sieg hat sicher geholfen, den Sport bei uns wiederzubeleben und wieder populärer zu machen."

Den Sport in Österreich populärer machen soll eben aber gerade dieser Heim-Davis-Cup, den es nach dem Willen vieler Spitzenspieler in dieser Form gar nicht geben sollte. Auch James Blake hat in Wien Ähnliches anklingen lassen. "Der Titel ist nur ein paar Monate vorbei. Es ist verrückt, wie schnell es vergangen ist. Es zeigt auch wie endlos der Kalender ist, und dass man vielleicht für eine Reform plädieren sollte. Vielleicht sollte man den Finalisten ein Freilos geben oder ihn nur alle zwei Jahre austragen", schlug Blake vor.

In vielen Ländern, die nicht wie Österreich auch über größere Turniere verfügen, würden die Tennis-Fans aber die großen Stars wohl nie zu Gesicht bekommen. Die Diskussionen über den Modus werden wohl noch länger weitergehen. Für Österreichs Tennis ist der größte Davis Cup seit vielen Jahren jedenfalls ein wichtiger Impuls und vielleicht gelingt ja sogar die Sensation.

"Manchmal ist die erste Runde schwieriger als ein Semifinale. Auswärts zu spielen ist viel schwieriger", meinte McEnroe, der glaubt, dass seine Mannschaft nun lockerer auftreten kann. "Das Verlangen ist immer noch da, die Burschen haben wirklich Spaß in diesen Wochen miteinander. Wir haben es jetzt einmal geschafft und in mancher Hinsicht ist der Druck jetzt weg."
(apa/red)