Max Mosley lässt seine Muskeln spielen:
Kampf um Formel 1 und eigene Privatsphäre

FIA-Boss "vielleicht wieder fast so stark wie vorher" Ferrari: "Sport immer größer als sein größter Name"

Max Mosley lässt seine Muskeln spielen:
Kampf um Formel 1 und eigene Privatsphäre © Bild: APA/EPA/Rain

Max Mosley zeigt Stärke. Im Machtpoker um die Zukunft der Formel 1 will sich der Präsident des Internationalen Automobilverbands FIA ebenso durchsetzen wie im Kampf um seine Privatsphäre. Mehr als ein Jahr nach den Veröffentlichungen eines englischen Boulevardblatts aus seinem Intimleben sehe er seine Position an der FIA-Spitze "vielleicht wieder fast so stark wie vorher", sagte der Brite im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Der Londoner High Court hatte im Juli vergangenen Jahres bestätigt, dass es bei den Sex-Spielen Mosleys mit fünf Frauen keinerlei Bezug zu nationalsozialistischen Inhalten oder Haltungen gab. Im von Ferrari angeführten Regelstreit der Formel 1 ist der Ausgang dagegen offen.

Eine Königsklasse ohne Ferrari "wäre ärmer", betonte der FIA-Chef bei dem Gespräch in seinem Büro in Monte Carlo. Dennoch wolle er den Konflikt durchstehen, auch wenn die Italiener ihre Ausstiegsdrohung wahrmachen sollten. "Wir müssen, weil ich überzeugt bin, dass die Formel 1 nicht mit dem derzeitigen Kostenaufwand überleben kann", erklärte Mosley. Der Verband versuche alles, die Rennställe von einem Bleiben zu überzeugen. "Aber am Ende dürfen wir sie nicht die Bedingungen diktieren lassen", warnte der 69-Jährige.

"Es geht nicht mehr"
Seit Wochen ringen die Teams und die FIA um das Reglement für die kommende Saison und die bereits beschlossene freiwillige Budgetgrenze von umgerechnet rund 45 Millionen Euro. "Die Teams sind eben an diese Lebensart gewöhnt, aber es geht nicht mehr", sagte Mosley mit Blick auf die Riesenetats vieler Rennställe.

300 bis 400 Millionen Euro pro Jahr würden Werksteams wie Ferrari, BMW oder Toyota derzeit in ihr Formel-1-Projekt stecken, sagte der FIA-Präsident. "Das ist völlig unhaltbar." Die weltweite Wirtschaftskrise und der massive Absatzeinbruch der Autobauer mache radikale Kostensenkungen unausweichlich. Dies sei auch im Sinne der Anteilseigner und der Steuerzahler, deren Geld die in Not geratenen Autokonzerne laut Mosley derzeit für ihre Formel-1-Teams "wegwerfen". "Wenn wir diese Einsparungen umsetzen, gibt es eine Chance, dass die großen Autohersteller bleiben. Wenn nicht, sehe ich keine Chance", meinte der studierte Jurist.

Formel 1 auch ohne Ferrari lebensfähig
In dem Richtungsstreit zwischen den Teams und der FIA hat vor allem die Sorge um einen Rückzug von Ferrari den Druck erhöht. "Ihr Image, ihre Marke", seien der Wert der Scuderia für die Formel 1, erklärte Mosley. Unter allen Marken in der Rennserie stelle Ferrari die größte dar. Dennoch könne die Königsklasse auch ohne den aktuellen Konstrukteursweltmeister überleben. "Als damals Ayrton Senna starb, dachten alle, dies sei das Ende. Letztlich machte es keinen Unterschied. Der Sport ist immer größer als sein größter Name", urteilte der FIA-Präsident.

Das durch die Ausgabengrenze befeuerte Interesse potenzieller Neueinsteiger in die Formel 1 wertet Mosley als Rückenwind für seinen Vorstoß. "Wenn man diese Neueinsteiger stoppt, stirbt die Formel 1. Es kann nicht sein, dass nur alte Männer den Sport am Laufen halten", sagte der langjährige Weggefährte von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone (78).

Weitere Amtszeit möglich
Wie lange er selbst noch die Politik der FIA bestimmen will, hat Mosley noch nicht entschieden. Noch vor einem Jahr hatte er unter Druck angekündigt, nach dem Ende seiner vierten Amtszeit nicht wieder zu kandidieren. Inzwischen aber denkt er ernsthaft über eine weitere Amtszeit nach. "Praktisch alle in der FIA" würden ihn dazu drängen. "Einige der Formel-1-Teams sehen das anders, aber die zählen nicht, weil sie keine Wahlstimme haben", offenbarte Mosley, "es ist eine schwere Entscheidung." Die aktuellen Debatten um die Zukunft der Formel 1 würden bei seiner Entscheidung allerdings keine Rolle spielen, so der Spitzenfunktionär, denn "sie werden gelöst sein, bevor die Wahlen anstehen".

(apa/red)