Materialpoker lässt OeSV-Segler unberührt:
Hagara/Steinacher mit bewährter Variante

Tornado-Konkurrenz mit riskantem Code Zero-Segel "Jedes kleine Missgeschick kann entscheidend sein"

Materialpoker lässt OeSV-Segler unberührt:
Hagara/Steinacher mit bewährter Variante © Bild: APA/Techt

Der Startschuss zum Medaillenkampf in der olympischen Tornado-Segelklasse vor Qingdao am Freitag fällt unter gänzlich anderen Vorzeichen als 2000 in Sydney und 2004 in Athen. In den Tagen vor Regattabeginn gingen die Wogen hoch, und seit dem letzten Vermessungstag steht fest, dass weiter gepokert wird. Die von allen gejagten Doppel-Olympiasieger Roman Hagara und Hans Peter Steinacher ließen sich den normalen Gennaker vermessen, während zwei Teams den Code Zero wählten, sich aber erst eine Mannschaft definitiv festlegte.

Die Österreicher setzen beim Unternehmen "Dritte Olympiamedaille" auf ihr bewährtes Material, auf das sie sich nach mühevollen Tests in den vergangenen zwei Wochen festgelegt hatten. Auch die Australier Darren Bundock/Glenn Ashby, die zu den Favoriten zählen, wagen nach einigen Experimenten nicht die Fahrt ins Ungewisse. "Das Code-Zero-Segel ändert nichts daran, dass wir uns auf die eigene Performance konzentrieren, wir haben genug mit dem Setup unseres Tornados zu tun. Sich jetzt Gedanken über die Amerikaner oder Niederländer zu machen, wäre einfach nur Zeitverschwendung", sagte Vorschoter Steinacher nach der Vermessung.

Die von den US-Amerikanerin John Lovell/Charlie Ogletree, die von Roman Hagaras Bruder Andreas Hagara betreut werden, und den Niederländern Mitch Booth/Pim Nieuwenhuis zur Vermessung gebrachten Code-Zero-Segel, die auch auf der Kreuz gesetzt werden können und zusätzlichen Vortrieb bringen, wurden wie erwartet zur Regatta zugelassen, zusätzliche Verstrebungen waren schon im Vorfeld nicht genehmigt worden. Deshalb ist die Gefahr, bei mehr Wind einen Materialschaden zu erleiden, relativ hoch.

Letzte Chance auf Olympiagold
Für Olympiagold ist manchen dieses Risiko scheinbar wert, denn es ist die letzte Chance dazu, da die Katamaran-Klasse aus dem olympischen Programm für London 2012 genommen wurde. Und die Konkurrenz wittert scheinbar ihre Chance, denn waren Hagara/Steinacher vor vier und vor acht Jahren als absolute Gold-Tipps unantastbar, so wird es für die rot-weiß-roten Sportstars - sofern nicht auch sie etwas gepokert und mit verdeckten Karten gespielt haben - schwer genug, überhaupt auf das Stockerl zu kommen.

Die Niederländer brachten übrigens neben dem Code Zero auch einen normalen Gennaker zur Vermessung, einen Tag vor dem Wettkampf müssen sie sich für ein Modell entscheiden und mit diesem müssen sie dann die gesamte Serie bestreiten. Allerdings heißt das auch, dass sie für Gennaker oder Code Zero kein Ersatzsegel vermessen lassen konnten. Nur zwei Segel darf man zur Vermessung bringen.

Magenverstimmung gut verdaut
Roman Hagara, nach einer leichten Magenverstimmung wieder fit, freut sich auf die Startübungen, er erhofft sich, das richtige Gefühl für die Strömung dabei zu finden. Was den Wind betrifft, könnte er heftiger wehen als manche glauben oder hoffen mögen. So prognostiziert der für den österreichischen Segelverband zuständige Meteorologe Alessandro Pezzoli bis zu zehn Knoten für die ersten drei Tage. Schon da ist der Einsatz des Code Zero ein Risiko.

Das Tornadofeld liegt so eng zusammen wie schon lange nicht mehr. "Ich glaube, es wird die engste Entscheidung bei Olympischen Spielen, die wir jemals im Tornado hatten. Von den Punkteabständen her wird vorne alles ganz dicht beisammen liegen. Da kann jedes kleine Missgeschick auch entscheidend sein. Du darfst keine Punkte liegen lassen, jeder könnte dir am Ende abgehen. Du musst hier sehr genau aufpassen", hatte sich auch Hagara nicht auf eine Prognose festlegen lassen. (apa/red)