Matchball für Hamilton beim GP in China:
Muss vor Alonso und Raikkönen im Ziel sein

Lauda: "Steht auf einer Stufe mit Schumi und Fangio" Aber Rückversetzung in der Startaufstellung droht

Matchball für Hamilton beim GP in China:
Muss vor Alonso und Raikkönen im Ziel sein

Lewis Hamilton kann am Sonntag beim Grand Prix von China in Shanghai mit 22 Jahren und 9 Monaten vorzeitig zum jüngsten Formel-1-Weltmeister der Geschichte werden. Dazu reicht dem Engländer, im 16. von 17 Saisonrennen vor seinem McLaren-Teamkollegen Fernando Alonso (+12 Punkte) sowie vor Kimi Räikkönen (Ferrari/+17) ins Ziel zu kommen. Wenige Tage vor dem Rennen gab es für den dunkelhäutigen Shooting-Star viel Lob, aber auch heftige Kritik. Zudem droht jetzt auch Hamilton eine Rückversetzung in der Startaufstellung.

Auslösend dafür war die Kritik des Australiers Mark Webber bezüglich eines Manöver von Hamilton beim chaotischen Regen-Rennen vergangenen Sonntag in Fuji, das dem späteren Sieger eine Vorladung bei der Rennleitung eingebracht hatte. War Hamilton damals ungeschoren davon gekommen, hat die Motorsportbehörde FIA laut der website autosport.com vor dem möglicherweise WM-entscheidenden Rennen wegen "neuer Fakten" doch eine - wenn auch inoffizielle - Untersuchung eingeleitet. Damit droht Hamilton eine Rückversetzung in der Startaufstellung um zehn Plätze.

Hamilton hatte in Japan während der zweiten Safety-Car-Phase als Führender unvermutet abgebremst und war nach rechts gezogen. Dieses Manöver hatte letztlich dazu geführt, dass der junge Deutsche Sebastian Vettel (Toro Rosso) in den zweitplatzierten Red Bull von Webber gekracht war und den Australier so womöglich um den ersten GP-Sieg überhaupt gebracht hatte. Vettel war danach sofort mit der Plus-10-Strafe für China belegt worden.

Das Manöver war nicht im TV zu sehen gewesen, ein privat von der Tribüne gefilmtes Video soll auf dem Internet-Portal Youtube aber deutlich zeigen, dass WM-Leader Hamilton sein Tempo dramatisch verringert und so Webber ebenfalls zum heftigen bremsen gezwungen haben soll.

Webber macht Hamilton Vorwürfe
"Es war ein Tiefpunkt in meiner Karriere und niemand gibt mir diese Chance jemals zurück", ärgerte sich Webber auch noch in China und fuhr schwere Geschütze gegen Hamilton auf. "Sein Verhalten hat zweifelsfrei dazu beigetragen, dass Sebastian mich abgeschossen hat. Dabei hat Lewis beim Fahrermeeting vor dem Rennen noch gesagt, dass er einen sauberen Job abliefern wird. Dann hat er genau das Gegenteil gemacht. Das werden wir uns für die Zukunft merken", sagte Webber.

"So wie Lewis nach rechts gefahren ist, musste ich annehmen, er fährt an die Box", bestätigte Vettel, gab aber auch zu: "Man hat im Regen absolut nichts gesehen, ich habe mir in die Hosen geschissen."

Lauda verteilt Lorbeeren
Ungeachtet dessen kam Lob für Hamilton vor allem aus der Ecke des dreifachen Weltmeisters Niki Lauda. "Hamilton ist sensationell, so eine Leistung im ersten Jahr hat noch keiner zusammengebracht", sagte der Österreicher der "Bild-Zeitung". "Er kommt rein und fährt gleich allen um die Ohren", schwärmte Lauda. Nicht einmal der siebenfache Weltmeister Michael Schumacher oder der fünffache Champion Juan Manuel Fangio hätten derartiges geleistet. "Darum steht er für mich auf einer Stufe mit Schumi und Fangio und zieht in die Geschichtsbücher ein", sagte Lauda.

Titel-Konkurrent Alonso muss wegen seines heftigen Unfalls in Japan mit dem Ersatz-Chassis antreten, weil das alte irreparabel ist. Ob der spanische Doppelweltmeister 2008 seinen McLaren-Vertrag erfüllt, war auch wenige Tage vor dem vorletzten WM-Lauf völlig offen. "Es ist nicht an der Zeit, über nächstes Jahr zu reden", sagte der 26-Jährige am Donnerstag bei der FIA-PK, gab aber zu: "Es hat in dieser Saison mehr Probleme gegeben, als ich erwartet habe."

Party bei Spyker
Die Gunst der Stunde genutzt hat Spyker. Man lud im Fahrerlager zum Champagner-Umtrunk, um den ersten WM-Punkt zu feiern. Dabei ist der noch gar nicht fix, weil Toro Rosso Einspruch erhoben hat. Spyker-Pilot Adrian Sutil war in Japan nur deshalb 8. geworden, weil man den italienischen Toro-Ross-Fahrer Tonio Liuzzi 25 Strafsekunden aufgebrummt hatte. Wann der Protest verhandelt wird, ist noch nicht klar.

Einen freiwilligen Jet-Lag hat Alexander Wurz auf sich genommen. Der Österreicher war wenige Stunden vor dem Japan-GP zum dritten Mal Vater geworden zurück nach Monaco zu Frau Julia und Sohn Oscar geflogen. Danach jettete der Williams-Pilot wieder nach Asien.

Hamilton wird schon in China Weltmeister, wenn ...

... Er vor Fernando Alonso und Kimi Räikkönen ins Ziel kommt

... Er 2. wird und Alonso nicht gewinnt

... Er 3. wird und Alonso nicht vor ihm ins Ziel kommt

... Er 4. wird und Alonso nicht besser als 3. ist

... Er 5. wird und Alonso nicht besser als 4. ist

... Er 6. wird, Alonso nicht besser als 5. ist und Räikkönen nicht gewinnt

... Er 7. wird, Alonso nicht besser als 6. ist und Räikkönen nicht gewinnt

... Er 8. wird, Alonso nicht besser als 7. und Räikkönen nicht besser als 3. wird

... Er außerhalb der Punkte landet und Alonso nicht besser als 8. und Räikkönen nicht besser als 3. wird

(apa/red)