Maßnahmenpaket für Anti-Doping-Kampf:
Staatssekretär für entschiedenes Vorgehen

Reinhold Lopatka ist gegen strafrechtliche Verfolgung Fachverbände wären stärker in die Pflicht zu nehmen

Maßnahmenpaket für Anti-Doping-Kampf:
Staatssekretär für entschiedenes Vorgehen © Bild: APA/Schlager

Angesichts der nicht enden wollenden Doping-Negativschlagzeilen der vergangenen Monate hat Sport-Staatssekretär Reinhold Lopatka von den Justizbehörden gefordert, verstärkt aktiv zu werden. Außerdem stellte er ein Maßnahmenpaket vor, das den Anti-Doping-Kampf effizienter machen soll: Zusätzliche finanzielle Mittel, internationale Zusammenarbeit, professionelle "Dopingjäger" im Bundeskriminalamt, verstärkte Initiative der Fachverbände und Präventionsmaßnahmen an Schulen.

"Die aktuellen Doping-Entwicklungen auch in Österreich machen ein entschiedeneres Vorgehen seitens der Justiz, der NADA und der Sportverbände notwendig", betonte Lopatka. Er habe dazu mit dem Justiz- und Innenministerium Gespräche geführt. Im Fall des doping-geständigen Radprofis Bernhard Kohl erwartet sich Lopatka, dass dieser im Disziplinarverfahren der Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA) Hintergründe seines Dopingvergehens offenlegt und dass Justizbehörden von sich aus tätig werden.

Kohl solle dem Bundeskriminalamt Namen von Hintermännern nennen. "Es liegt ein strafrechtlicher Tatbestand vor. Es gibt immer einen Zeugen und das ist der Sportler", bekräftige der Staatssekretär. "Österreich hat Nachholbedarf. Doping ist in der Vergangenheit zu wenig kriminalisiert worden", betonte der Steirer. Die Staatsanwaltschaft Wien bestätigte eine Anzeige eines Hobbysportlers und Juristen gegen Kohl wegen Betruges.

Strafrechtliche Verfolgung nicht wünschenswert
Strafrechtliche Verfolgung von Sportlern, die dopen, ist laut Lopatka nicht wünschenswert. Die sportrechtliche Kronzeugenregelung, die Dopern bei der Nennung von Hintermännern eine Verringerung der Sperren in Aussicht stellt, komme etwaiger strafrechtlicher Verfolgung von Sportlern in die Quere. Angedrohte (Haft-)Strafen würden abschreckend wirken und entlarvende Aussagen vor der Sportgerichtsbarkeit möglicherweise verhindern.

Vor allem das Umfeld des gedopten Sportlers sei zu verfolgen und "Hintermänner" auszuforschen. Die Exekutive müsse "professionelle Dopingjäger", ähnlich wie in der Drogenbekämpfung, einsetzen. "Doping ist kein Kavaliersdelikt, hier darf nicht verharmlost werden", sagte Lopatka. Hintermännern drohen seit August hohe Geld- und Haftstrafen (6 Monate bis 5 Jahre).

Fachverbände haben wenig Interesse
Auch die Sportfachverbände tragen neben den Sportlern selbst laut Lopatka eine wichtige Verantwortung. Diese scheinen aber nur beschränktes Interesse an finanziellen Mitteln für den Anti-Doping-Kampf zu haben. Seit 2007 haben sie die Möglichkeit, eigene Mittel für Dopingprävention zu lukrieren. Lediglich 3 (Radsport-, Segel- und der American Football-Verband) der 59 Fachverbände haben diese Förderungen in Anspruch genommen.

Für zusätzliche finanzielle Mittel nahm Lopatka die Bundesländer in die Pflicht. Der Bund trage 80 Prozent der 1,2 Millionen Euro im Anti-Doping-Kampf, der Beitrag der Länder solle sich in Zukunft erhöhen. Eine weiterer Schlüssel sei die internationale Zusammenarbeit. Nur durch "Koordinierung der Anti-Doping-Maßnahmen und Harmonisierung der Gesetze kann der Anti-Doping-Kampf gewonnen werden". Justiz-, Zoll- und Polizeibehörden sollen stärker eingebunden werden.

Neben aktuellen Dopingfällen stößt Lopatka die seit Februar andauernde Ermittlungsarbeit in der Causa Humanplasma sauer auf. Informationen über Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft Wien nach einer anonymen Anzeige gegen drei Mediziner, die bei 31 Profisportlern Blutdoping durchgeführt haben sollen, habe er nicht. Laut Staatsanwaltschaft Wien sei "demnächst" mit Ergebnissen zu rechnen.
(apa/red)