Massenproteste in den Straßen Belgrads:
Demos gegen Unabhängigkeit des Kosovo

Staatlicher TV-Sender RTS ruft zu Patriotismus auf Österreich beschloss bereits Kosovo-Anerkennung

Massenproteste in den Straßen Belgrads:
Demos gegen Unabhängigkeit des Kosovo © Bild: AP/Ilic

Mit einem von der Regierung unterstützten Massenprotest soll in Serbien gegen die Unabhängigkeit des Kosovo demonstriert werden. Züge bringen die Bürger aus allen Landesteilen kostenlos in die Hauptstadt Belgrad, Schulkinder haben unterrichtsfrei.

Der staatliche Fernsehsender RTS berichtete, alle Medien hätten die Pflicht, patriotisch zu sein und den "landesweiten Zorn" auszudrücken. Die bisher serbische Provinz Kosovo hatte sich am Sonntag einseitig für unabhängig erklärt. Die Regierung in Belgrad und ihr mächtiger Verbündeter Russland lehnen dies - wie auch mehrerer andere Staaten - ab. Sie sehen in der Abspaltung ein Verstoß gegen das Völkerrecht.

Am Mittwoch hatte Österreich die Anerkennung des Kosovo beschlossen. Der Formalakt dürfte nächste Woche folgen, wenn Bundespräsident Fischer aus Afrika zurückkommt. Serbien hatte zuvor angekündigt, aus Protest gegen die angekündigte Anerkennung des Kosovo seine Botschafter aus Österreich und Deutschland abzuziehen. Das sagte der serbische Außenminister Jeremic.

Der serbische Botschafter in Wien, Dragan Velikic, werde erst nach der formellen Anerkennung des Kosovo durch Österreich einen offiziellen Protest im Außenministerium einbringen. Danach werde er innerhalb von 48 Stunden abberufen und nach Belgrad zu Konsultationen zurückbeordert. Dabei handle es sich um keinen Abbruch der diplomatischen Beziehungen, sondern um eine Geste der Unzufriedenheit Belgrads wegen dem Vorgehen Österreichs in der Kosovo-Frage, betonte ein serbischer Diplomat.

Bundeskanzler Gusenbauer sagte nach der Regierungssitzung, man werde Bundespräsident Fischer "die Aufnahme diplomatischer Beziehungen und die Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo" vorschlagen. Negative Reaktionen Serbiens mit Konsequenzen für die österreichische Wirtschaft befürchtet Gusenbauer nicht. (apa/red)