Massendemo gegen Islamisierung: Bis zu einer Million Menschen protestierten in Türkei

Streit um türkische Präsidentenwahl spitzt sich zu Außenminister Gül beharrt weiter auf Kandidatur

Massendemo gegen Islamisierung: Bis zu einer Million Menschen protestierten in Türkei

In Istanbul haben bis zu eine Million Menschen gegen eine schleichende Islamisierung der Türkei protestiert. Der Streit über die türkische Präsidentenwahl nahm unterdessen an Schärfe zu. Die islamisch geprägte Regierung in Ankara übte harte Kritik an einer Erklärung der Armee, sie stehe bereit, die in der Verfassung verankerte Trennung zwischen Religion und Staat zu verteidigen. Die Äußerung des Militärs löste auch bei der EU Unverständnis aus.

Die Demonstranten priesen die Armee und verurteilten den Kandidaten Abdullah Gül sowie Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, dessen Partei die Mehrheit im Parlament hat, als Bedrohung der Trennung von Staat und Religion. "Die Türkei ist säkular und wird es bleiben", riefen sie und forderten die Regierung zum Rücktritt auf. "Wir sind hier, um die Schaffung eines islamistischen Staates zu verhindern", sagte ein Demonstrant. "Wir fürchten um die weltliche Republik."

Gül beharrt auf Kandidatur
Der islamisch-konservative Außenminister Gül beharrte trotz des zunehmenden Drucks auf seiner Kandidatur für das Präsidentenamt. "Das Verfahren hat begonnen und wird fortgesetzt", sagte Gül. Der Politiker war in einer ersten Abstimmungsrunde im Parlament an der nötigen Zwei-Drittel-Mehrheit gescheitert. Der zweite Wahlgang ist für Mittwoch geplant, in einer dritten Runde reicht eine einfache Mehrheit.

Militär hat schon vier Regierungen gestürzt
Gül wäre der erste gemäßigte Islamist in dem höchsten Staatsamt, das bisher in der modernen Türkei traditionell mit Säkularisten besetzt wurde. Der Präsident ist zudem Oberbefehlshaber der Armee. Sie erklärte nach der ersten Abstimmung, "die Situation mit Sorge" zu beobachten. Das Militär hat in den vergangenen 50 Jahren vier Regierungen gestürzt.

Tote bei Gefechten
Im Südosten der Türkei kamen bei Gefechten zwischen Armee und kurdischen Rebellen zwei Soldaten und fünf Aufständische ums Leben, wie Sicherheitsvertreter erklärten.

(apa/red)